Einen Schnellschuss verhindern

Der Stadtrat lehnt die Initiative für ein Schulhaus Nord ab. Die Exekutive möchte keinen vorschnellen Entscheid, sondern die Schulstandorte hinsichtlich eines Zentrumschulhauses vertieft prüfen. Abstimmungstermin ist der 22. September.

Philipp Haag
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WIL. «Wir wollen keinen Schnellschuss», sagte Stadträtin Marlis Angehrn, «und das Schulhaus Nord wäre derzeit einer.» Mit ihrer Aussage tritt die Schulratspräsidentin dem überparteilichen Komitee «Quartierschulhaus-Initiative» entgegen, welches dank der im vergangenen Jahr gesammelten 1400 Unterschriften erreicht hat, dass am 22. September über ein Schulhausneubau im Städeli-Quartier abgestimmt wird. Es sei zwar unbestritten, dass für die Kinder im Norden der Stadt ein Mangel an Schulraum herrsche, sagte die Stadträtin. Der Notstand bestehe für vier Klassen, drei Primar- und eine Kindergartenklasse. «Also für ein kleines Schulhaus.» Bestritten, und dies betonte Marlis Angehrn, «ist aber der Standort des Schulhauses.» Aus diesem Grund lehnt der Stadtrat die Initiative ab.

Gesamtstädtische Perspektive

Mehrere Gründe sind ausschlaggebend für das Nein der Exekutive: Es soll kein vorschneller Entscheid gefällt werden, wie die Vorsteherin des Departements Bildung und Sport an einer Medienorientierung von gestern morgen bekräftigte. Ausserdem möchte der Stadtrat eine stufenübergreifende Standortprüfung der Schulhäuser mit einer gesamtstädtischen Perspektive.

Ein Blick zurück: Vor zwei Jahren legte der Stadtrat dem Parlament ein Projekt für ein Schulhaus im Modularbau an der Grundstrasse vor. Die Kosten beliefen sich auf 2,6 Millionen Franken, für das Grundstück sollten 2,8 Millionen vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen übertragen werden. Das Parlament wies die Vorlage allerdings an den Stadtrat zurück. Begründung: Die soziale Durchmischung der Kinder soll gefördert werden, was bei einem Schulhaus Nord nicht der Fall wäre. Die Legislative beauftragte den Stadtrat, eine Lösung für das Stadtzentrum zu suchen. Das Ziel, neben der sozialen Durchmischung: eine hohe Flexibilität und eine betriebliche Anbindung an bestehende Primarschulen.

Eigentlich könne sich der Stadtrat durch die Initiative bestätigt sehen, sagte die Schulratspräsidentin. «Wir bekämen ein neues Schulhaus.» Trotzdem propagiert die Exekutive ein Nein. Dies liegt an den veränderten Vorzeichen im Vergleich zum Jahr 2011: «Das Parlament hatte sich damals für eine soziale Durchmischung ausgesprochen», sagte Marlis Angehrn, «und dem Stadtrat einen klaren Auftrag erteilt.» Sie entgegnete mit ihrer Äusserung der Kritik des Initiativkomitees, der Stadtrat habe eine Wende vollzogen.

Wil habe die optimale Grösse für eine soziale Durchmischung, und zwar mit Primarschulhäusern im Zentrum. Sowohl für die Kinder aus dem Norden wie für diejenigen aus dem Süden sei der Schulweg mit etwa einem Kilometer zumutbar. «Aber», relativiert Marlis Angehrn, «erst muss ein Entscheid gefällt werden, ob eine soziale Durchmischung in der Schule angestrebt werden soll oder nicht.» Die Meinung des Schulrates sei klar: «Eine soziale Durchmischung ist möglich, aber kein Allheilmittel. Ausserdem bestehen Zweifel, ob ein solches Anliegen in Wil mehrheitsfähig ist.» Ein weiterer Aspekt, der den Stadtrat zur Ablehnung bewegt: Das Elternforum des Schulhauses Kirchplatz sei zufrieden mit der gegenwärtigen Situation. Es sehe zwar die Raumnot, sagte Marlis Angehrn, akzeptiere aber die Unterbringung in Provisorien. Das Elternforum sei der Meinung, «kein Kind leidet». Auch der Schulweg werde von den Eltern als annehmbar eingestuft. «Ausserdem ist kein Kind unwürdig untergebracht, sagte Marlis Angehrn mit Nachdruck. Sie versuchte damit den Vorwurf des Initiativkomitees zu entkräften, die Kinder müssten in unhaltbaren Übergangslösungen zur Schule (siehe Kasten). Die Provisorien seien auf weitere sechs Jahre ausgelegt, sagte Marlis Angehrn. «Es besteht keine Zeitnot.»

Kathi als Zünglein an der Waage

Ein letzter, für die Stadträtin aber entscheidender Punkt: das Kathi. Weil Zuzwil seit letztem Jahr das Schulgeld für Mädchen, die das Kathi besuchen, nicht mehr übernimmt, sinken die Schülerinnenzahlen. Somit wird Schulraum frei. «Die Stadt Wil ist vertraglich verpflichtet, die Kathi-Räume in die Schulraumplanung mit einzubeziehen», sagte Marlis Angehrn. Die Stadt Wil habe mit dem Kathi also genügend Schulraum. Es sei darum Aufgabe der Stadt, eine zentrumsnahe Schulhauslösung unter Einbezug der Oberstufe zu prüfen, «die betrieblich sinnvoll, finanzpolitisch klug und pädagogisch kein Nachteil ist».