Eine Wiler Lehrstunde - begleitet von Pfiffen

WIL. Der FC Wil liegt gegen Lugano nach 87 Minuten mit 0:5 im Rückstand und verliert schliesslich mit 2:5. Der Auftritt der Äbtestädter gegen einen allerdings starken Gegner ist so bescheiden, dass selbst Vereinspräsident Roger Bigger ob der Passivität erschrickt. Angst, noch in den Abstiegskampf zu geraten, hat er indes nicht.

Simon Dudle
Drucken
Teilen
Der FC Wil hatte gegen Lugano einen sehr schweren Stand. (Bild: Gianluca Lombardi)

Der FC Wil hatte gegen Lugano einen sehr schweren Stand. (Bild: Gianluca Lombardi)

Es braucht viel, bis das Blut der in der Regel zurückhaltenden Wiler Fangemeinde in Wallung gerät. Am Samstag war es mal wieder soweit und es ertönten Pfiffe von den Stehplatzzuschauern. 0:5 lagen die Wiler zu jenem Zeitpunkt gut zehn Minuten vor Schluss zurück, und das Verdikt hätte noch deutlicher ausfallen können, da die Luganesi weitere teils hochkarätige Möglichkeiten besassen.

Ex-Wiler trifft gegen Wil

Das Resultat gab den aktuellen Formstand, vor allem der Tessiner, korrekt wieder. Der FC Lugano, der von den vergangenen sieben Spielen sechs gewonnen hat und neu Leader ist, unterstrich seine Ambitionen, nach mehreren gescheiterten Anläufen in die Super League aufsteigen zu wollen. Ihre Darbietung in der IGP Arena war souverän, abgeklärt, eines Aufstiegsaspiranten würdig. Gefordert wurden sie allerdings kaum. So gut der Auftritt der Tessiner war, so bescheiden war jener der Wiler. Sie waren mindestens eine Klasse schlechter und jederzeit weit von einem Punktgewinn entfernt. In der zweiten Halbzeit war es phasenweise eine Lehrstunde, welche die Äbtestädter von Lugano erteilt bekamen. «Ich bin erschrocken, und der Auftritt war bedenklich. Wir haben dem Ball nicht Sorge getragen», sagte der konsternierte FC-Wil-Präsident Roger Bigger. Er bemängelte auch die Passivität der Mannschaft.

Trainer Francesco Gabriele sprach von einer «bitteren Niederlage, die sehr weh tut». Sie seien knallhart bestraft worden, so der Solothurner. Die Gäste kamen leicht zu ihren Toren. Beim Führungstor, nach bereits gut drei Minuten, hatte Patrick Rossini zu viel Platz im Wiler Strafraum. Beim 3:0 kurz nach der Pause genügte ein simpler Steilpass von Mattia Bottani in die Schnittstelle der Wiler Abwehr, so dass der eingewechselte Matteo Tosetti alleine auf den bedauernswerten Wiler Goalie Hrvoje Bukovski losziehen konnte. Die letzten beiden Tore der Tessiner fielen je nach einem Corner. Vor allem beim 5:0 des ehemaligen Wilers Sandro Lombardi war erstaunlich, wie viele Freiheiten er genoss und seelenruhig einschieben konnte.

Sand im Getriebe

Obwohl die Gastgeber in der Schlussphase dank Toren von Silvano Schäppi und Gjelbrim Taipi noch auf 2:5 verkürzten, war es nicht nur eine Ohrfeige, sondern eine schallende. «Wenn man mit einer so jungen Mannschaft spielt, gehören Rückschläge dazu», sagte Gabriele. «Von diesem Weg lassen wir uns nicht einfach so abbringen.» Nach einem über weite Strecken gelungenen Start in die Rückrunde ist zuletzt wieder Sand ins Wiler Getriebe gekommen. Seit vier Spielen sind die Wiler ohne Sieg und müssen nun den Blick nach hinten richten – zumal Schlusslicht Le Mont gestern in Wohlen siegte und als nächstes Reisen zu den beiden Tabellenletzten Chiasso und Le Mont anstehen.

Wird das Abstiegsgespenst zum Leben erweckt? «Ich glaube, wir haben genug Qualität, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten. Aber wir müssen vorsichtig sein», sagte Bigger. Gabriele ergänzte: «Ich hab immer gesagt, dass wir mit einem Auge nach hinten schauen müssen. Solange der Ligaerhalt mathematisch nicht gesichert ist, bleibt das so.» Die Wiler weisen acht Runden vor Saisonende noch sieben Punkte Vorsprung auf Le Mont auf. Die bereits erspielten 32 Zähler haben seit der Einführung der Zehner-Challenge-League noch immer zum Ligaerhalt genügt.