Eine Tracht ist kein Dirndl

Der Begriff Tracht wird für traditionelle und historische Kleidung oder Teile davon gebraucht: Sie entspricht der überlieferten Kleiderordnung einer bestimmten Region, eines Standes oder der Angehörigen einzelner Bevölkerungs- und Berufsgruppen.

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Der Begriff Tracht wird für traditionelle und historische Kleidung oder Teile davon gebraucht: Sie entspricht der überlieferten Kleiderordnung einer bestimmten Region, eines Standes oder der Angehörigen einzelner Bevölkerungs- und Berufsgruppen. Trachten sind das Ergebnis langwieriger Entwicklungen. In längst vergangenen Jahrhunderten verhinderten strenge Kleidungsvorgaben eigene Entfaltungen der bäuerlichen Tracht. Die Herrschenden wollten verhindern, dass sich die Untertanen durch Prunksucht verschuldeten.

Die Berufs-, Zunfts- oder Amtstracht, welche die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgattung zum Ausdruck brachte, stammt aus dem handwerklichen und städtischen Umfeld, während die Volkstracht ihren Ursprung in ländlichen Gebieten hat und eine regionaltypische Bekleidungsform darstellt. Erste bäuerliche Trachten entstanden Ende des 15. Jahrhunderts.

Das Dirndl wurde zwar durch regionale Trachten geprägt, hat aber keinen bestimmten regionalen Bezug mehr. Während des Dritten Reichs entwarf Gertrud Pesendorfer eine im nationalsozialistischen Sinn erneuerte Tracht. Das Dirndl wurde entkatholisiert: die geschlossenen Kragen entfernt, die Arme nicht mehr bedeckt und damit modernisiert und erotisiert. (cg)