Eine Strasse, die alle brauchen

FLAWIL. Das Gewerbe will Parkplätze, Eltern wollen sichere Schulwege, Velo- und Lastwagenfahrer wollen genug Platz: Die Sanierung der Wiler-/St. Gallerstrasse bewegt. 180 Flawiler diskutierten, kritisierten und lobten im Lindensaal das Konzept.

Mario Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Einladung dankend angenommen: Rund 180 Flawilerinnen und Flawiler nutzten die Gelegenheit – und lobten die Gemeinde mehrfach für dieses Angebot. Der geplante Isny-Kreisel stiess auf viel Gegenliebe. Viel Kritik gab's für Parkplätze vor Ladengeschäften, die wegzufallen drohen. (Bilder: mf)

Einladung dankend angenommen: Rund 180 Flawilerinnen und Flawiler nutzten die Gelegenheit – und lobten die Gemeinde mehrfach für dieses Angebot. Der geplante Isny-Kreisel stiess auf viel Gegenliebe. Viel Kritik gab's für Parkplätze vor Ladengeschäften, die wegzufallen drohen. (Bilder: mf)

Hauptverkehrsachse bedeutet mehr als bloss viel Verkehr. Hauptverkehrsachse bedeutet – und das zeigte sich am Montag schnell – unumgänglich, unverzichtbar. Nur: für jede und jeden aus einem anderen Grund. Einer Mutter geht es um das Wohl ihrer schulpflichtigen Kinder – sie sollen sicher in die Schule und wieder nach Hause kommen. Einem Gewerbler geht es um das Wohl seiner Kunden – sie sollen direkt vor dem Laden parkieren können. Einem Fussgänger geht es um das Wohl seiner Füsse – er will sie nicht von Velos überfahren lassen. Alle haben ihren Raum zugute. Und alle erhoffen sich jetzt, da sie wissen, dass dieser Raum saniert und zum Teil neu gestaltet werden soll, möglichst viel zu profitieren.

Noch nicht alles ist optimal

So kamen sie alle am Montagabend, als die Gemeinde Flawil zusammen mit Verkehrsexperten zu einer Begehung des Raums – der Wiler-/St. Gallerstrasse – lud. Rund 60 Interessierte, gesund gemischt, nahmen teil. Mutter, Lehrer, Bäcker und Chauffeur waren genauso vertreten wie Maler, Pensionär, Gastwirtin und Banker. Am Isnyplatz hörten sie, dass hier ein Kreisel, der Isny-Kreisel, gebaut werden soll. Beim Sternenblock hörten sie, dass Parkplätze mit direkter Ausfahrt in die Kantonsstrasse – etwa vor dem Sternenblock, dem Café Dober oder der Eisenwarenhandlung Kleger – keine Zukunft haben. Beim Einlenker der Landbergstrasse nahe der Oberstufe Feld wurde ihnen erklärt, dass es für einen Kreisel anstelle der Steinbock-Kreuzung vermutlich zu wenig Platz und dass man für die Velo fahrenden Schüler noch immer keine optimale Lösung gefunden hat.

Ein Konzept, noch kein Projekt

Sie alle nahmen nach der einstündigen Führung im Lindensaal Platz. Sie wurden von einem Film überrascht, der den täglichen Verkehr auf Flawils Hauptachse eindrücklich im Schnelldurchlauf zeigte. Werner Muchenberger fuhr am Ende des Videos in den Lindensaal – und rollte plötzlich leibhaftig auf dem Velo vor die Bühne. Gemeinderat Richard Hollenstein, zuständig für Bau, Umwelt und Raumordnung, Yves Meyer von der Metron Verkehrsplanung und Bauverwalter René Bruderer erklärten das Konzept. Noch sei es ein Konzept und kein Projekt, betonten sie immer wieder. Denn: Das Projekt wird vom Kanton durchgeführt, in der Konzeptphase aber wird die Gemeinde eng eingebunden. «Wir wollen heute abend Ihre ehrliche Meinung hören», animierte Richard Hollenstein die nun auf rund 180 Personen angewachsene Zuhörerschaft. An mehreren Tischen wurden die Pläne aufgelegt. Diese waren zuvor von einer Kerngruppe aus Vertretern von Gemeinde, kantonalem Tiefbauamt, Kantonspolizei und TBF erstellt und zusammen mit einer Begleitgruppe aus Dorfbewohnern beraten und angepasst worden.

Kreisel und Tempo 30 gewünscht

Gemeinderäte und Mitglieder der Begleitgruppe nahmen alle positiven und negativen Voten detailliert auf. Die Flawilerinnen und Flawiler diskutierten angeregt, lobten und klagten, erzählten persönliche Erlebnisse, löcherten Ratsmitglieder mit Fragen, argumentierten, erklärten. Zum Schluss fassten die Offiziellen, die an den Tischen die Diskussion verschriftlicht hatten, die Meinungen zusammen.

Am meisten Lob erntete der geplante Isny-Kreisel bei der Flawa, am meisten Kritik gab's für die zahlreichen Parkplätze direkt vor Ladengeschäften, die wegzufallen drohen. Weiter kam klar zum Ausdruck, dass die Fussgänger im Konzept eine markante Besserstellung erleben, die Situation für Velofahrer hingegen vielerorts noch verbesserungsfähig ist. Nicht erfreut waren die Teilnehmer über die in Mehrzahl eingeplanten Bäume entlang der Hauptstrasse und darüber, dass Tempo 50 weiterhin signalisierte Höchstgeschwindigkeit bleibt. Mehrfach wurde Tempo 30 für die Fahrt durchs Zentrum gefordert.

An den Kanton weiterleiten

Die Gemeinde wird nun sämtliche Stellungnahmen zusammen mit den Plänen nach St. Gallen weiterleiten. Dieses Konzept sei für den Kanton «nur eine Richtschnur», betonte René Bruderer. Ein Vorprojekt für die Sanierung der Wiler-/St. Gallerstrasse wird in den nächsten zwei Jahren erwartet, zwischen 2016 und 2018 könnte im Optimalfall die erste Etappe ausgeführt werden.

Überraschung: Gemeindepräsident Werner Muchenberger fährt mit dem Velo vor. Von ihm ist bekannt, dass er auf zwei Rädern zur Arbeit fährt. (Bild: Mario Fuchs)

Überraschung: Gemeindepräsident Werner Muchenberger fährt mit dem Velo vor. Von ihm ist bekannt, dass er auf zwei Rädern zur Arbeit fährt. (Bild: Mario Fuchs)

Bild: MARIO FUCHS

Bild: MARIO FUCHS