Eine stark ansteigende Zielgerade

Am Sonntag findet das nationale Strassenrennen Rund um Uzwil statt. OK-Mitglied Peter Kuhn über die Entwicklung des Radsports, Dopingkontrollen und Schwierigkeiten bei der Streckensicherung.

Pablo Rohner
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Peter Kuhn OK-Mitglied von «Rund um Uzwil» (Bild: Pablo Rohner)

Peter Kuhn OK-Mitglied von «Rund um Uzwil» (Bild: Pablo Rohner)

Herr Kuhn, warum kam 2012 das Aus für «Rund um den Bühler»?

Peter Kuhn: In der Vergangenheit hat der RMV Uzwil immer wieder Strassenrennen veranstaltet. Ab den 80er-Jahren machte man dann alle zwei Jahre das Kriterium (Renntyp mit Massenstart und verschiedenen Sprintwertungen. Es gewinnt, wer unterwegs am meisten Punkte sammelt, Anmerkung der Redaktion) «Rund um den Bühler». Nach der letzten Austragung 2012 gab ich das OK-Präsidium ab.

Wie kam es zur Lancierung von «Rund um Uzwil»?

Kuhn: 2013 fand ein Treffen der OK-Mitglieder statt, um über meine Nachfolge zu beraten. Phillip Buschor, selber ehemaliger Strassenprofi, erklärte sich bereit, die Führung bei der Organisation eines Nachwuchsrennens zu übernehmen – unter der Bedingung, dass es kein Kriterium wird (lacht). Sein Engagement bewog alle langjährigen Weggefährten, ebenfalls mitzuziehen. Auch wenn der Radrennsport in der Schweiz darbt. Insgesamt beläuft sich die Anzahl lizenzierter Fahrer heute vielleicht auf einen Viertel des Bestands der 90er-Jahre.

Wollen Sie mit «Rund um Uzwil» hier auch etwas Gegensteuer geben?

Kuhn: Sicher, ja. In der Ostschweiz ist die Situation besonders prekär. Im Kanton St. Gallen hat meines Wissens mit der Wartenseerundfahrt in Rorschacherberg vor über fünf Jahren das letzte Strassenrennen dieser Art stattgefunden.

Erhoffen Sie sich einen Dosenöffnereffekt für die Radsportbegeisterung der Region?

Kuhn: In gewisser Weise schon. Es gibt ja viele Hobbyvelofahrer, gleichzeitig aber kaum Radsportanlässe. Die Vereine serbeln in der Ostschweiz, ich kenne keinen, wo es wirklich gut läuft. Bei den meisten gehen Männer im Alter 40plus ausfahren und verwalten ihr Vermögen. Ein gelungenes Rennen in Uzwil könnte vielleicht dem einen oder anderen Verein einen Schub geben, etwas Ähnliches zu organisieren.

Vergleichen Sie «Rund um Uzwil» mit «Rund um den Bühler».

Kuhn: Es ist ein ganz anderer Renntyp. Die neue, acht Kilometer lange Strecke hat diese einmalige, auf 300 Metern stark ansteigende Zielgerade. Ausserdem schärft der Aufstieg nach Bichwil ihr Profil als Rennen für starke Bergfahrer. Da die Strecke je nach Kategorie bis zu zwölfmal zu befahren ist, wird sich hier sicherlich die Spreu vom Weizen trennen. «Rund um den Bühler» war – wie alle Kriterien – ein Sprinterrennen, etwas für kräftige Fahrer, für Roller. Ein Rennen, bei dem die Mannschaftstaktik eine grosse Rolle spielte. Bei «Rund um Uzwil» zählt nur der letzte Zielstrich, wir rechnen daher mit einem Ausreissergrüppchen oder gar mit dem Sieg eines Solisten.

Welche Herausforderungen stellt die neue Strecke an die Streckensicherung?

Kuhn: Besonders die Sicherung der Flawilerstrasse stellt eine Herausforderung dar. Eine Hauptstrasse zu sperren, ist polizeilich ein absolutes No-go, wie wir zu spüren bekamen. Die Fahrer müssen sich an die gängigen Verkehrsregeln halten, auch abgesperrte Kreisel müssen rechts herum gefahren werden. Besonders beim Lindenkreisel provoziert diese Auflage in unseren Augen ein erhöhtes Sturzrisiko.

Kann man wenigstens «Erschwerte Durchfahrt» ausschildern?

Kuhn: Wir dürfen in Flawil beim Scheidweg entsprechende Schilder aufstellen, zusätzlich gilt auf der Flawilerstrasse ausserorts Tempo 60. Zur Streckensicherung werden wir nur ausgebildetes Personal einsetzen, also Verkehrskadetten, Feuerwehrleute oder Polizisten. Diese von der Polizei verfügte Massnahme ist ein erheblicher Kostenfaktor, erhöht aber die Sicherheit.

Welches sind die häufigsten Verletzungen an Strassenrennen und wer übernimmt die medizinische Versorgung an der Strecke?

Kuhn: Weitaus am häufigsten sind leichte Sturzverletzungen wie Prellungen und Schürfungen. Dafür wird der Samariterverein Uzwil und Umgebung vor Ort sein. Bei schweren Unfällen läuft die Versorgung über die normalen Rettungskanäle, welche von den mitfahrenden Samaritern angefordert werden. Auf der Abfahrt vom Stolzenberg werden die Fahrer über 80 Km/h erreichen.

Wird es am Rennen Dopingkontrollen geben?

Kuhn: Wir unterstehen dem Swiss Cycling Reglement, dieses ist Teil des UCI-Reglements. Es gelten die gleichen Antidopingbestimmungen wie bei den Profis. Es ist also damit zu rechnen, dass Kontrolleure auftauchen. Dies geschieht aber stichprobenartig.

Der neue Rundkurs startet und endet bei der Mehrzweckanlage Breite in Oberuzwil.