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Eine Stadt sucht Ruhe

Der Verkehr hat in der Region Wil im letzten Jahr erneut zugenommen. Er verstopft die Strassen und verursacht viel Lärm. Letzteren will die Stadt Wil mit neuen Projekten bekämpfen – und ist damit eigentlich viel zu spät dran.
Lara Wüest
Viel Verkehr führt zu viel Lärm: die Autobahnauffahrt Richtung St. Gallen oder Zürich. Bild: Ralph Ribi

Viel Verkehr führt zu viel Lärm: die Autobahnauffahrt Richtung St. Gallen oder Zürich. Bild: Ralph Ribi

Der Verkehr in Wil sorgt bei manchen Bürgern schon länger für Missmut. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region, täglich rauschen zahlreiche Autos über die Strassen. Im vergangenen Jahr hat der Verkehr insgesamt sogar noch zugenommen (siehe Grafik). Für die Wiler Bevölkerung bringt er nicht nur verstopfte Strassen, sondern auch viel Lärm. Dieser ist lästig – und gefährlich für die Gesundheit. Denn zu hohe Lärmpegel schädigen das Gehör und versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Er schüttet Stresshormone aus, das Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt. Manchmal kann Lärm sogar zu Herz-Kreislaufproblemen führen. Das zeigen wissenschaftliche Studien.

Vor allem der Strassenlärm stellt in der Schweiz ein Problem dar. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sind 1,1 Millionen Menschen einem zu hohen Lärmpegel ausgesetzt. Auch in Wil sind die Menschen betroffen. Genaue Zahlen will die Stadt derzeit nicht nennen. Doch gemäss Marcel Frei, Leiter Tiefbau, zeigen Modellberechnungen, dass bereits heute und auch in Zukunft der Lärmgrenzwert bei verschiedenen Liegenschaften überschritten wird.

Sieben Projekte für mehr Ruhe

Die Stadt hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, ihre Bürger vor zu viel Lärm zu schützen und sieben Lärmsanierungsprojekte auf Gemeindestrassen geplant. So etwa im Südquartier oder in der Thurau. Mit dem Budget 2018 wurden für die Lärmsanierung 1,45 Millionen Franken bewilligt. Laut Frei will die Stadt die Projekte in den nächsten fünf Jahren realisieren. Wie viele Wohnhäuser und Bewohner davon profitieren werden, sagt er nicht. Das werde man an einer Informationsveranstaltung nächste Woche aufzeigen.

In Wil tut sich etwas. Allerdings mit einiger Verspätung. Seit über 30 Jahren gibt es in der Schweiz eine Lärmschutzverordnung. Sie legt genau fest, wie viel Lärm den Bürgern in der Schweiz zuzumuten ist und ab wann Massnahmen ergriffen werden sollen. Die Frist zur Umsetzung der Verordnung ist, nachdem sie in der Vergangenheit bereits verlängert wurde, vor über einem Jahr abgelaufen. Trotzdem sind zahlreiche Kantone und Gemeinden der gesetzlichen Pflicht, ihre Kantons- und Gemeindestrassen zu sanieren, bis heute nicht genügend nachgekommen. Entlang von Hauptstrassen konnten bisher zum Beispiel erst 11 Prozent der Personen in der Schweiz geschützt werden. Das zeigen Zahlen des Bafu. Gewisse ergriffene Schutzmassnahmen sind zudem umstritten. Im Kanton St. Gallen etwa floss das Geld für Lärmsanierungen vor allem in Schallschutzfenster und soll auch in Zukunft zu einem gewissen Teil in solche fliessen. Doch diese Fenster stehen in der Kritik. «Sie sind nicht effizient», sagt etwa Peter Ettler, Präsident der Lärmliga Schweiz, die sich für Lärmopfer einsetzt. Der Grund: Sie bekämpfen den Lärm nicht an der Quelle, wie dies das Umweltschutzgesetz primär vorsieht, und wirken daher nur punktuell.

Mehrheitlich Massnahmen an der Quelle geplant

Ettler kritisiert: «Der Kanton St. Gallen ist ein Beispiel dafür, wie man mit sehr teuren und wenig effizienten Schallschutzfenstern exzessiv viel Geld ausgibt.» Auch in Wil solle ein Teil des Geldes für die Lärmsanierung in Schallschutzfenster fliessen. Mehrheitlich sind gemäss Marcel Frei aber Massnahmen geplant, welche bei der Lärmquelle ansetzen. «Die neuen Lärmschutzprojekte umfassen unter anderem lärmarme Strassenbeläge und die Reduktion der Geschwindigkeiten», sagt Frei. Nur wenn solche Massnahmen nicht durchführbar seien, würde das Geld in Schallschutzfenster investiert. Trotzdem stellt sich auch in Wil die Frage, warum die Projekte nicht schon früher realisiert wurden. Frei nennt «Kapazitätsprobleme» als Grund. «Man kann nicht innerhalb von wenigen Jahren eine ganze Stadt lärmsanieren. Es braucht immer Leute, die solche Projekte begleiten und betreuen», sagt er. Doch er fügt auch an: «Wir sind in den vergangenen Jahren nicht untätig geblieben und haben zum Beispiel mehrere Tempo-30-Zonen umgesetzt.»

Peter Ettler begrüsst grundsätzlich, dass Wil das Thema Lärm anpackt. «Man reagiert hier zwar spät, aber immerhin», sagt er. Es gebe zahlreiche Gemeinden, die gar nichts gegen den Lärm unternehmen würden.

Offen bleibt, wie sich das Projekt Wil West auf den Lärm in der Stadt auswirkt. Denn eins ist sicher: Wil West wird mehr Verkehr bringen. Doch Frei glaubt, dass mit dem neuen Autobahnanschluss, den geplanten flankierenden Massnahmen und dem Ausbau des ÖV-Angebots das Zentrum entlastet wird.

Verkehrsstatistik 2018: Mehr Fahrzeuge gezählt

Wie schon 2017 wies die Umfahrung Bazenheid auch im letzten Jahr mit 19411 Fahrzeugen pro Tag einen Spitzenwert beim Durchgangsverkehr in der Region auf. Dies zeigt die aktuelle Verkehrszählung des Tiefbauamts des Kantons St. Gallen. Im Vergleich zum Jahr 2017 nahm der Verkehr an dieser Messstelle um 0,2 Prozent zu. Am zweitmeisten Fahrzeuge verzeichnete die Zählstelle an der Augartenkreuzung in Niederuzwil mit 19266 Fahrzeugen pro Tag. Der Verkehr nahm dort im Jahresdurchschnitt um 0,7 Prozent zu, womit die sieben-Millionen-Grenze geknackt wurde. Am wenigsten Fahrzeuge rollten an der Messstelle Mogelsberg Hoffeld vorbei. Im Durchschnitt waren es 1722 Fahrzeuge pro Tag. Das sind allerdings einige mehr als im Jahr davor: Damals verzeichnete das Tiefbauamt dort 4,2 Prozent weniger Fahrzeuge. Die grösste Verkehrszunahme mass 2018 allerdings die Zählstelle Bütschwil Ganterschwil mit einem Plus von 26,6 Prozent. Insgesamt registrierten die 19 Messstellen in der Region 2018 rund 66,9 Millionen Fahrzeuge. Im Vergleich zu 2017 nahm somit die Anzahl Fahrzeuge um 0,8 Millionen zu. (law)

Hinweis: Informationsabend zu den Lärmsanierungsprojekten, Dienstag, 7. Mai, 19 Uhr, Stadtsaal Wil.

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