«Eine Stadt ohne eigenes Bier ist keine richtige Stadt»: Verein Idée Wil möchte das lokale Thurbobräu besser in der Gastroszene verankern

Der Verein Idée Wil setzt sich zum Ziel, die Ursprünge der Wiler Bierkultur wiederzubeleben.

Gianni Amstutz
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Stehen gemeinsam für Bier aus regionaler Produktion ein (von links): Patrick Meyenberger, Präsident Idée Wil, Claudia Graf, Geschäftsführerin Sonnenbräu und Landwirt Marcel Rickenmann.

Stehen gemeinsam für Bier aus regionaler Produktion ein (von links): Patrick Meyenberger, Präsident Idée Wil, Claudia Graf, Geschäftsführerin Sonnenbräu und Landwirt Marcel Rickenmann.

Bild: Gianni Amstutz

Die Stadt Wil ist für vieles bekannt, Bier gehörte zwischenzeitlich nicht mehr dazu. Schon seit fast 40 Jahren wird im Hof zu Wil nicht mehr gebraut und auch für andere Wiler Brauereien war früher oder später Hopfen und Malz verloren.

Trotzdem müssen Liebhaber des Gerstensafts nicht auf ein lokales Produkt verzichten. Seit 2004 – damals zum 1250-Jahr-Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Wils – wird das Thurbobräu gebraut.

Die Braugerste stammt aus Bronschhofen

Das Thurbobräu wird im Auftrag des Vereins Idée Wil von der Rheintaler Brauerei Sonnenbräu produziert, enthält aber trotzdem ein Stück Wil. Die Braugerste, die dafür verwendet wird, stammt von den Feldern des Landwirts Marcel Rickenmann in Bronschhofen.

Ende März säht er diese jeweils an, in der zweiten Juli-Hälfte kann geerntet werden. Bald ist es also soweit und gemäss Rickenmann sieht es bisher gut aus.

Die kurze Trockenperiode habe der Braugerste nichts anhaben können und auch Krähen, die sich in einem frühen Stadium daran gütlich taten, hätten keine grossen Schäden hinterlassen. Wie gut die Gerste sein werde, lasse sich aber jeweils erst nach dem Ernten beurteilen.

80 Prozent der Rohstoffe aus der Region

Doch nicht nur bei der Braugerste, sondern generell wird bei der Sonnenbräu AG regionale Produktion gross geschrieben. Sowohl beim Wiler Thurbobräu als auch bei weiteren Produkten der Rheintaler stammen mindestens 80 Prozent der Rohstoffe aus der Region.

Eine Strategie, die sich gemäss Sonnenbräu-Geschäftsführerin Claudia Graf auszahlt. Gerade während der aktuellen Coronakrise würden die Konsumenten Wert darauf legen, regionale Produkte einzukaufen. Dadurch konnte der Umsatzrückgang durch fehlenden Absatz im Gastronomiebereich abgefedert werden.

Das Wiler Thurbobräu, das in erster Linie bei Privaten sowie im Detailhandel Absatz findet, liegt gar fünf Prozent über den Vorjahresergebnissen. Für Claudia Graf ein eindeutiges Zeichen, dass das Bewusstsein für den Wert regionaler Produktion gestiegen ist und wertgeschätzt wird.

Idée Wil will Produktsortiment weiter ausbauen

Patrick Meyenberger, neuer Präsident des Vereins Idée Wil, bezeichnet die Zusammenarbeit mit der Brauerei Sonnenbräu denn auch als äusserst gut. Es sei die perfekte Partnerin, welche die Philosophie teile und die Produktion und Qualität sicherstellen könne.

Auf diesen Voraussetzungen will man aufbauen. Bereits in den vergangenen Jahren hat man das Produktsortiment erweitert und bietet nun auch einen Whisky an. Weitere Neuheiten sollen in den nächsten Jahren hinzukommen, welche das sein werden, wollte Meyenberger noch nicht verraten.

Ein weiteres Ziel, das sich der Vorstand gesetzt hat, ist, das Wiler Bier stärker in der lokalen Gastronomie zu verankern. Das ist bisher nur vereinzelt der Fall. Meyenberger will das ändern. Auch bei Firmen- und Vereinsanlässen soll es vermehrt Thurbobräu zu trinken geben.

Dies auch angesichts des Umstands, dass Wil einst eine grosse Brauereikultur pflegte. Dies war einer der Gründe, weshalb der Verein Idée Wil überhaupt erst gegründet worden war. «Denn eine Stadt ohne eigenes Bier ist keine richtige Stadt.»