«Eine sehr bereichernde Aufgabe» - eine Wilerin besucht ältere Gemeindemitglieder

Hedy Forster wuchs in einer Grossfamilie auf. Diese Erfahrung kommt ihr heute in der Freiwilligenarbeit zugute.

Adrian Zeller
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Hedy Forster will andere im Pensionsalter motivieren, Freiwilligenarbeit zu leisten.Bild: PD

Hedy Forster will andere im Pensionsalter motivieren, Freiwilligenarbeit zu leisten.Bild: PD

Ihre Aufgabe in der Freiwilligenarbeit führe nicht nur zu «wunderschönen Begegnungen, sie ist auch eine ständige Weiterbildung», betont Hedy Forster. Sie besucht für die katholische Kirche in Wil Gemeindemitglieder, die 80-jährig geworden sind. «Ab 85 werden sie jährlich besucht,» erzählt die ehemalige Stadtparlamentarierin (CSP). Ihre Zeit in der Politik sei sehr anspruchsvoll, aber auch sehr lehrreich gewesen, erinnert sie sich. «Man bekommt einen völlig anderen Blick auf die Zusammenhänge in der Stadt.»

Sie liebe den Kontakt mit Menschen, daher sei sie ihr ganzes Erwachsenenleben als Freiwillige im Einsatz gestanden, erzählt die gelernte Detailhandelsangestellte. Unter anderem leitete Hedy Forster früher eine Turngruppe beim KTV Wil.

Begegnungen sind ganz unterschiedlich

Später stand sie elf Jahre lang einem Team von 32 Frauen vor, die betagte Katholikinnen und Katholiken besucht. Vor einem Jahr konnte die 78-Jährige diese Führungsfunktion einer Nachfolgerin übergeben; die Besuchsaufgabe hat sie jedoch behalten. Rund 15 Personen überbringt sie pro Jahr Glückwünsche sowie im Auftrag der Kirche wahlweise drei kleine Flaschen Wein oder ein Glas Honig.

Bei diesen Besuchen erlebt sie Unterschiedliches; die einen Betagten freuen sich über die Begegnung und empfangen Hedy Forster mit dem schönsten Kaffeegeschirr. Andere nehmen die Gratulationen unter der Wohnungstüre entgegen. Und einige bekennen, dass sie mittlerweile eine sehr distanzierte Beziehung zur Kirche haben und lediglich noch die Steuern entrichten, aber weiter keine Verbindung anstreben. Es ist nicht immer einfach, an die entsprechenden Seniorinnen und Senioren heranzukommen, weiss Hedy Forster aus Erfahrung. Wenn sie anruft, um einen Besuchstermin zu vereinbaren, heben einige den Hörer nicht ab, weil sie die angegebene Nummer auf dem Display nicht kennen. «Mir scheint, dass dieses Misstrauen in den vergangenen Jahren zugenommen hat.»

Nach einigen vergeblichen Anrufversuchen geht Hedy Forster direkt zur Wohnung des Geburtstagskindes und klingelt. Meistens öffnet sich dann die Türe. Sie schafft es auch, an Menschen heranzukommen, bei denen es anderen aus dem Besucherinnenteam kaum gelingt, weiss sie aus Erfahrung. Sie habe eine gut entwickelte Sozialkompetenz, erklärt die Mutter zweier Töchter und zweifache Grossmutter. Sie ist mit acht jüngeren Geschwistern aufgewachsen, auf diese Weise hat sie den Umgang mit den Mitmenschen früh und intensiv gelernt. Zudem sei sie ein geselliges Naturell, sagt Hedy Forster.

«Einige erzählen mir ihre ganze Lebensgeschichte»

Manche der besuchten Geburtstagskinder freuen sich, mal mit jemandem ausserhalb ihres üblichen Bekanntenkreises plaudern zu können. «Einige erzählen mir ihre ganze Lebensgeschichte.» Viele Frauen sind im höheren Alter verwitwet, deshalb schätzen sie die selten gewordenen Gelegenheiten für ein Gespräch ganz besonders.

Hedy Forster will andere Menschen im Pensionsalter motivieren, Freiwilligenarbeit zu leisten. Weitere Geburtstagsbesucherinnen seien in der Gruppe sehr willkommen. Es sei eine menschlich sehr bereichernde Aufgabe, betont sie. Zudem verleihe sie dem eigenen Alltag Struktur.

Freiwilligenarbeit 60plus

Im Rahmen des Nanu-Forums «Freiwilligenarbeit 60plus» stellt die «Wiler Zeitung» in loser Folge vier Personen vor, die in unterschiedlichen Bereichen Freiwilligenarbeit leisten. Das Forum findet am Donnerstag, 14. November, von 9.30 bis 12 Uhr im katholischen Pfarreizentrum an der Lerchenfeldstrasse 3 in Wil statt. Die Teilnahme ist kostenlos; alle Interessierten sind eingeladen. Im Mittelpunkt stehen drei Referate: Lukas Niederberger von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft spricht zum Thema «Mich sinnvoll in der Gesellschaft einbringen – in und ausserhalb von Organisationen», Claudia Kraus von der Stiftung Zeitvorsorge orientiert über «Länger zu Hause bleiben mit Zeitvorsorge» und Ueli Rickenbach von der Kontaktstelle benevol-jobs.ch widmet sich dem Thema «Freiwilligenarbeit mit Benevol-jobs.ch». Organisator ist das «Netzwerk Alter – Nachhaltig unterwegs» (Nanu); eine Arbeitsgruppe des Wiler Forums für Nachhaltigkeit (wifona). Weiter gibt es ein World-Café zum Austausch mit Freiwilligen und Freiwilligenorganisationen sowie einen Infostand der Bibliothek und der Pro Senectute. Weitere Informationen unter www.wifona.ch. (hs)