Eine Saison zum Vergessen

Redaktionelle Stellungnahme

Urs Nobel
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An der Saison 2016/17 werden der EC Wil und der EHC Uzwil noch einige Zeit zu kauen haben. 30 Meisterschaftspartien haben die Fanionteams beider Traditionsvereine in der 1. Liga absolviert. Die Bilanz ist ernüchternd: 28 Niederlagen und nur gerade je zwei Siege gab es in dieser Spielzeit, die seit vergangenem Samstag für sie beendet ist. Eine stattliche Anzahl der Nieder­lagen endete gar mit einer deutlichen Schlappe.

Dass es so weit kam, liegt auf der Hand. Aufgrund von Fehleinschätzungen wurden Entscheide gefällt, die sich mindestens im sportlichen Bereich negativ auswirkten. Der EC Wil stieg auf die Saison 15/16 am grünen Tisch in die 1. Liga auf und in derselben Saison sportlich wieder ab. Der EHC Uzwil entwickelte sich in der Saison 15/16 zu einem Spitzenteam in der 2. Liga. Beide Vereine konnten jedoch der Versuchung nicht widerstehen, die nächste Saison trotzdem in der höchsten Amateurliga zu spielen. Sie wurden von Verbandsseite mangels sportlicher Aufsteiger angefragt.

Die Verantwortlichen des EC Wil glaubten, aus den gemachten Erfahrungen der Vorsaison die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Und dass ihre Spieler in der 1. Liga genügend Erfahrungen gesammelt hätten. Zusammen mit Verstärkungen sollten sogar die Playoffs möglich sein. Etliche der erhofften Zuzüge kamen jedoch aus verschiedenen Gründen nicht zustande, die Absteiger-Mannschaft aus dem Vorjahr wurde fast nur mit jungen «durchschnittlichen» Spielern ergänzt, die noch die Doppelbelastung mit dem Elite-B-Juniorenteam hatten.

Unter einem noch unglücklicheren Stern stand der am grünen Tisch realisierte Aufstieg in die 1. Liga beim EHC Uzwil. Ein Teil des Vorstands wollte aufsteigen, die meisten der Mannschaft und ihr Umfeld nicht. Uzwil musste deshalb Abgänge verkraften, die im Verlauf des Sommers nicht mehr kompensiert werden konnten. Wenige Wochen vor Saisonbeginn waren selten 15 Spieler im Sommertraining. Das wirkte sich negativ auf die bevorstehende Saison aus.

Wie sich das sportliche Desaster der beiden Mannschaften finanziell ausgewirkt hat, wird erst an der Hauptversammlung bekannt. Sicher ist, dass sowohl der EHC Uzwil als auch der EC Wil massive Einbussen bei den Zuschauereinnahmen hinnehmen mussten. Daran kann bei Uzwil auch nichts mehr ändern, dass beim letzten Saison-Heimspiel dank der Jubiläumsfeierlichkeiten über 500 Zuschauer in der Halle waren. Das Interesse an den beiden Teams ist massiv gesunken. Zuschauer, die früher regelmässig in die Hallen strömten, haben höchstens die ersten zwei, drei Heimspiele mitverfolgt, um es nachher vorzuziehen, zu Hause in der warmen Stube zu bleiben.

Vor allem der EHC Uzwil rühmt sich heute noch gerne, früher als Talentschmiede gegolten und unzählige Nachwuchsspieler bis in die höchste Liga gebracht zu haben. Es sind jeweils gegen 80000 Franken gewesen, die derartige Übertritte dem Stammverein einbrachten. Die heutige Regel ist anders. Nur wer spielt, bringt seinem alten Verein Einkünfte. Und längst nicht mehr so hohe wie früher. Der EHC Uzwil hat das zu spüren bekommen. Plötzlich standen die geldgierigen Söldner nicht mehr Schlange vor der Uzehalle. Fortan mussten die eigenen Spieler den Karren aus dem Dreck ziehen. Das ging so lange gut, wie es auch eigene Spieler hatte. Diese wurden aber immer weniger und der Abstieg in die 2. Liga Tatsache. Wären die Uzwiler auch vergangene Saison in dieser verblieben, hätten die Eishockeyinteressierten diverse attraktive Spiele wie etwa gegen Herisau, Rheintal oder St. Gallen mitverfolgen können. Und könnten wegen der Zweiteilung und Vergrösserung der 1. Liga trotzdem nächste Saison in dieser spielen, ohne eine derart sportliche Havarie miterleben zu müssen.

Auch der EC Wil hat eine Vergangenheit, an die sich viele noch gerne erinnern. An die Zeit von Trainer Trottier oder an die Zeiten mit den Wiler Spielern wie Schönenberger, Grob, Hasler, Burkhart und noch einige mehr. Seinerzeit wurde versäumt, sich intensiv um Nachwuchs zu kümmern. Nun hat der Verein die Quittung für dieses Versäumnis erhalten. Der EC Wil, man mag es kaum glauben, spielte noch vor wenigen Jahren in der 3. Liga. Die Reissleine wurde zwar gezogen und im Bereich des Nachwuchses eine Zusammenarbeit mit dem SC Herisau eingegangen. Diese trägt zusehends Früchte. Noch ist es aber zu früh, wieder an eine Mannschaft mit möglichst vielen eigenen Spielern zu denken. Es braucht weiterhin Akteure von auswärts, um ein Kader zu komplettieren. Doch diese sind kaum zu finden oder verfügen nicht über die Qualität, um in der 1. Liga eine Rolle spielen zu können.

Der EC Wil und der EHC Uzwil haben vergangene Saison eine bedenkliche Rolle gespielt. Und eine schreckliche. Sie soll und darf sich nicht wiederholen. Damit nicht nochmals dasselbe passiert, gilt es frühzeitig die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Mit den Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Wichtig wird in jedem Fall sein, dass beide Vereine vergessen, was früher einmal gut war und unvergessen bleiben soll. Früher war früher, jetzt ist jetzt.

Die Region verträgt zwei 1.-Liga-Vereine. Beiden stehen auch die notwendigen Infrastrukturen zur Verfügung. Mehr Zuschauer würden auch wieder kommen. Diese könnten sich zwar nächste Saison noch in Zurückhaltung üben. Doch wenn ehrlicher Sport mit Leidenschaft gespielt wird und sich von Zeit zu Zeit auch Erfolge einstellen, werden sie ihr Team auch wieder unterstützen.

Die letzte Saison war ein Tiefpunkt für die Spieler, die Vorstände, die Team-Staffs, die Zuschauer und Sponsoren. In Anbetracht dessen, dass es nur noch besser kommen kann, darf man hoffnungsfroh und positiv gestimmt sein. Den Spielern, die etwas zu früh in die Ferien dürfen, sei heilsames Wundenlecken gewünscht.

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzitung.ch