Eine musikalische Auferstehung

WIL. Der Chor zu St. Nikolaus und der Orchesterverein Wil begehen in diesem Jahr ihr 300-Jahr-Jubiläum. An Ostern gestalteten sie zwei Gottesdienste mit Werken von Johann Pachelbel und dem Schweizer Komponisten J. B. Hilber mit.

Carola Nadler
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Der Orchesterverein und der Chor zu St. Nikolaus führten die «Pankratiusmesse» auf. (Bild: Carola Nadler)

Der Orchesterverein und der Chor zu St. Nikolaus führten die «Pankratiusmesse» auf. (Bild: Carola Nadler)

Hohe Kirchenfesttage bedeuten für Musiker, professionelle und Amateure, viel Arbeit. So hatte der Chor zu St. Nikolaus, der zusammen mit dem Orchesterverein Wil dieses Jahr sein 300jähriges Bestehen begeht, zwei grosse Auftritte zu bewältigen. Unter der musikalischen Leitung von Kurt Pius Koller zeigten beide Ensembles grösste Konzentration und Hingabe. Keinerlei Müdigkeit war ihnen anzumerken, und das, nachdem sie in den vergangenen drei Monaten die «La-Traviata»-Produktion in der Tonhalle zu stemmen hatten, die erst eine Woche zuvor zu Ende gegangen war.

Prachtvolle Barockmusik

Im Osternachtsgottesdienst standen mehrere doppelchörige Motetten und Psalmvertonungen von Johann Pachelbel auf dem Programm. Der Chor stand sich vor dem Altarraum in zwei Gruppen gegenüber und wurde von jeweils einem Ad-hoc-Instrumentalensemble begleitet. Pachelbel ist heute fast ausschliesslich durch seinen Kanon bekannt, der in zahlreichen Variationen bis hin zur Popmusik in der Musikwelt präsent ist. Wenig bekannt ist, dass der deutsche Komponist mit der Bachfamilie bekannt war und einem der Söhne Orgelunterricht gab. So war Pachelbel fest verankert in der Tradition deutscher Sakralmusik des Barocks, die sich durch prachtvolle Werke auszeichnet. Dies, obwohl Pachelbels Leben von Pest und Kriegen gezeichnet war. Sein Merkmal, die Schlichtheit in den Harmonien und Linienführungen der Melodien, wurde von Chor und Instrumentalisten mit Sensibilität und Präsenz wiedergegeben.

Pflege des Hilber'schen Werkes

Einen Tag später stand mit der «Pankratiusmesse» von Johann Baptist Hilber ein nicht minder prachtvolles Werk auf dem Programm. Diese Festmesse war 1922 von der Stadt Wil in Auftrag gegeben worden, erlebte also quasi ein Heimspiel, umso mehr, als Hilber 1891 in Wil geboren wurde. Hilber leistete seinerzeit wertvolle Aufbauarbeit in der Schweizer Musikpädagogik sowie in der Nachwuchsförderung und der Betreuung zahlreicher Musikvereinigungen. Über sein kompositorisches Wirken hatte Albert Jenny gesagt: «Wem Lieder gelingen, wie es Engel singen, muss ein gottbegnadeter Musiker und echter Meister sein.» Der Chor zu St. Nikolaus pflegt seit jeher mit Stolz und Hingabe das Werk Hilbers.

Bildgewaltige Messe

Die «Pankratiusmesse» für Soli (Nicole Bosshard und Marcel Schweizer), Chor, Orchester und Orgel (Marie Louise Eberhard) ist bildgewaltig und wirkte farbenprächtig. Beginnend beim Kyrie, das in seiner schwebenden Transzendenz an die französischen Spätromantiker erinnerte, über das anfänglich weiche Gloria, das sich in einen brausenden Lobgesang steigerte, bis hin zum Agnus Dei, welches mit einer herben Schönheit fesselte, kann Wil stolz auf dieses Werk sein, das in seiner Aufführung auch eine Art Auferstehung erleben konnte.

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