Eine Meerjungfrau namens Persil

Am Freitag- und Samstagabend faszinierte Ross & heiter mit animalischen Possen: Überraschende Situationskomik und unwirkliche Verknüpfungen haben zwei kurzweilige Stunden lang Improvisationstheater auf hohem Niveau beschert.

Christine Gregorin
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Tobias Fischer (rechts) brillierte unter anderem als «zürischnurrender» Haushaltsartikelverkäufer. (Bilder: Christine Gregorin)

Tobias Fischer (rechts) brillierte unter anderem als «zürischnurrender» Haushaltsartikelverkäufer. (Bilder: Christine Gregorin)

FLAWIL. Nach einem kurzen Warm-up unter der Leitung von Moderator Ueli Häfeli ist das Publikum zu allem bereit. Ebenso wie die Protagonisten auf der puristisch gestalteten Bühne. Keinerlei Schnickschnack lenkt von der mimisch und gestikulierend in Szene gesetzten Wortakrobatik ab. Nur Irene Lichtensteiger und Brigitta Weibel erhellen die Improvisierenden. Beatrice Honold, Tobias Fischer, Lisabeth Beeler, Eddie Frei, Rolf Claude, Karin Salzmann, Oliver Schatzmann, Sandra Peterer und Kathrin Keller lassen die Besuchenden verblüfft innehalten, schallend lachen oder staunend schmunzeln.

Voll aus dem Leben gegriffen

Das Improvisationstheater lebe von den Inputs aus den Reihen der anwesenden Geniessenden, erklärt Ueli Häfeli zu Beginn sinngemäss. Für den ersten Teil des Abends steht die sogenannte Langform zum Thema «Benches» an. Auf eine Geschichte folgt eine zweite, die ein Element der vorangehenden übernimmt.

Die 23jährige Ella setzt sich im 24. Jahrhundert als erste auf das Bänkli in ihrem Garten. Was sich daraus entwickelt, macht die rund 80 im Rösslisaal Sitzenden staunen. Weitere Charaktere folgen, ebenso herausfordernd wie vermeintlich kaum umsetzbar. Da wäre zum einen der 85jährige Grieche Pablo, der von seinem Bänkli im Park Güell in Barcelona zum Mond fliegen möchte, und das mit einer gefundenen Pistole in der Hosentasche. Oder die in Atlantis lebende Meerjungfrau Persil, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Date mit Spongebob: Siebzehn Jahr, blondes Haar ist diesem dann allerdings doch zu viel «Chäfigfleisch». In bester Erinnerung werden wohl Eisbär Oliver Schatzmann, Spongebob Eddie Frei oder Tobias Fischer als «zürischnurrender» Haushaltsgeräteverkäufer bleiben.

Sportliches Wetteifern beflügelt

Nach der Pause zelebrieren Beatrice Honold, Tobias Fischer und Sandra Peterer als «Team rot» sowie Rolf Claude, Lisabeth Beeler und Kathrin Keller im «Team schwarz» Theatersport. Es folgt Duell auf Duell. Zunächst geben sich Stinktier Tobias Fischer und Blutegel Sandra Peterer anlässlich einer Paartherapiesitzung die Ehre, sehr zur Freude des Auditoriums. «Gruppe schwarz» kontert mit der Aufklärung eines Verbrechens. Delinquentin Kathrin Keller fehlt die Erinnerung an ihr Verbrechen, Verhörspezialist Rolf Claude und die wissenden Hände von Lisabeth Beeler helfen ihr letztlich wieder auf die Sprünge.

Fluchen um Kopf und Kragen

Das abschliessende Speeddating setzt einen fulminanten Schlusspunkt. Die vom Publikum zugeteilten Macken der Willigen haben es in sich. So riskiert Sandra Peterer eine dicke Lippe, flirtet Rolf Claude als Batman, traut sich die schüchterne Lisabeth Beeler kaum zu sprechen, flucht sich Tobias Fischer in hanebüchener Manier um Kopf und Kragen, glänzt Beatrice Honold als Kaminfeger, und Kathrin Keller zeigt jedem ihre rote Leiche im Keller.

Hoher Unterhaltungsfaktor

Improvisationstheater bietet nun wirklich Raum, auf sämtlichen Ebenen über sich hinauszuwachsen. Die unglaubliche Flexibilität der Darstellenden, gepaart mit ihrer gelebten Spontaneität, regen die Inputgeber ihrerseits an. Welche Konstellation könnte die Improvisierenden in Verlegenheit bringen? Das Geben und Nehmen als verbindende Komponente portiert ein veritables Wir-Gefühl und lässt das Publikum einen Teil des gelungenen Ganzen werden.

Meerjungfrau Persil (Karin Salzmann) flirtet ausgiebig mit Spongebob (Eddie Frei).

Meerjungfrau Persil (Karin Salzmann) flirtet ausgiebig mit Spongebob (Eddie Frei).