Eine Gemeinde im Ausnahmezustand: Wie Jonschwil mit der Corona-Krise umgeht

Das Corona-Virus stellt die Gemeinden der Region vor grosse Herausforderungen. Wie diese bewältigt werden sollen, zeigt das Beispiel der Gemeinde Jonschwil. Hier ist seit Ende Februar das sogenannte Gemeindemodul – ein Gemeindeführungsstab – im Einsatz.

Gianni Amstutz
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In Jonschwil kümmert sich ein Führungsstab um die Bewältigung der Corona-Krise.

In Jonschwil kümmert sich ein Führungsstab um die Bewältigung der Corona-Krise.

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Seit Ende Februar ist in Jonschwil ein Gemeindeführungsstab zur Bewältigung der Corona-Krise im Einsatz. Diesem gehören neben Gemeindepräsident Stefan Frei sechs weiter Personen an.

Die Aufgaben des sogenannten Gemeindemoduls sind die Informationsbeschaffung, die Sicherstellung der Kommunikation mit der Bevölkerung, die Abklärung der Bedürfnisse in der Gemeinde, die Unterstützung des regionalen Führungsorgans des Sicherheitsverbundes Region Wil und die Umsetzung von Massnahmen und Entscheiden.

Gemeindepräsident Stefan Frei.

Gemeindepräsident Stefan Frei.

Bild: PD

Als Leiter des kommunalen Führungsstabs ist es Stefan Freis Aufgabe, Weisungen des Bundes, aber auch Mails aus der Bevölkerung zu sichten, ein Beurteilung vorzunehmen und dann die nötigen Massnahmen einzuleiten.

Die Herausforderung sei dabei, dass sich die Lage permanent entwickle, sagt Frei. «Ich versuche vorausschauend zu überlegen: Was könnte als nächstes kommen?»

Entscheidend sei die offensive und aktive Kommunikation mit der Bevölkerung. Doch auch hier macht das Tempo der Ausbreitung des Corona-Virus und die sich fast täglich ändernden Vorgaben im Kampf dagegen dem Gemeindemodul zu schaffen.

Die Schwierigkeit sei, dass eine gedruckte Information vielleicht schon überholt ist, wenn sie in die Haushaltungen kommt, sagt Frei. «Ich bitte deshalb die Bevölkerung, die digitalen Medien regelmässig zu konsultieren.»

Nebst der Corona-Krise müssen aber auch die Geschäfte der Gemeinde weiterlaufen. Das funktioniert soweit aber gut. Vergangene Woche gab es beispielsweise eine Videokonferenz zur Planung der ARA Thurau.

Kommissions-Sitzungen werden teilweise durch Zirkulationsbeschlüsse ersetzt. Eine Gemeinderatssitzung wurde in einem grösseren Raum mit genügend Abstand durchgeführt.

Gemeindeverwaltung stellt Betrieb sicher

Auch die Gemeideverwaltung ist nach wie vor geöffnet. Die Eingangstüre ist zwar geschlossen, doch die Klingel neben dem Eingang kann betätigt werden.

Ramona Sutter, Leiterin Front Office.

Ramona Sutter, Leiterin Front Office.

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Dadurch werde sichergestellt, dass sich maximal zwei Kunden gleichzeitig im Gemeindehaus aufhalten, sagt Ramona Sutter, Leiterin Front Office. Auch die zurzeit vier Mitarbeitenden, die weiterhin auf der Gemeinde arbeiten, haben Vorkehrungen getroffen.

Sutter sagt: «Wir achten darauf, dass nie alle gleichzeitig im Büro sind.» Wenn möglich, werde auf Home Office ausgewichen und es wurde angeordnet, dass die Mitarbeitenden jeweils einzeln freie Tage oder Halbtage einziehen sollen. Das alles mit demselben Ziel vor Augen: «Es darf nicht passieren, dass alle vier gleichzeitig krank werden.»

Anpassung des Unterrichts funktioniert gut

Doch nicht nur die Gemeinde, auch der Schulunterricht muss weitergehen – wenn auch in etwas anderer Form. Home Schooling lautet hier das Zauberwort. Dieses läuft seit dem 18. März.

Laut Schulratspräsident Köbi Zimmermann ist es gut angelaufen.

Schulratspräsident Köbi Zimmermann.

Schulratspräsident Köbi Zimmermann.

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«Die Schülerinnen und Schüler finden sich mit der neuen Situation immer besser zurecht.»

Sie seien mit Freude und Begeisterung an der Arbeit.

Dass dies alles so schnell möglich wurde, verdanke man den Mitarbeitenden. Diese hätten teilweise sogar Nachtarbeit geleistet. Auch die Not-Betreuung ist gewährleistet.

Aktuell werden Kinder durch Lehrpersonen der Kindergarten-Stufe in Gruppen von maximal fünf Kindern betreut. Treffpunkt ist das Schulhaus Hofacker, Schwarzenbach. Das Mittagessen findet im OZ Degenau statt.

Eltern, die keine private Lösung für die Kinderbetreuung finden, können sich an Manuela Früh, Assistentin Schulleiter Primar, wenden (manuela.frueh@schulen-js.ch; Telefon 078 854 24 55). Anmeldungen sind vormittags von 8 bis 11 Uhr möglich und sollten 24 Stunden vor dem Termin erfolgen.

Nicht allen fällt es leicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen

Eine weitere Aufgabe, um die sich das Gemeindemodul kümmert, ist die Koordination der Hilfsangebote. Dazu wurden Personen über 65 Jahren von der Gemeinde angerufen. 550 solche Telefonate wurden geführt. «Ein grosser Teil der Angerufenen hat sich sehr über die Kontaktaufnahme und das Interesse von Seiten der Gemeinde gefreut», sagt Monika Thürlemann, welche die Hilfeleistungen koordiniert.

Monika Thürlemann, Koordinatorin der Hilfsangebote.

Monika Thürlemann, Koordinatorin der Hilfsangebote.

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Deutlich sichtbar sei geworden, dass viele Senioren über ein gutes verwandt- oder nachbarschaftliches Netz verfügten. Gleichzeitig hätten die Anrufe aber auch gezeigt, dass viele ältere Personen ihre Einkäufe nach wie vor selber erledigten. Thürlemann appelliert deshalb an die zur Risikogruppe gehörenden Personen: 

«Lassen Sie sich helfen!» 

Es gebe genügend Menschen in der Gemeinde, die nicht zur Risikogruppe gehören und solche Dienste gerne übernähmen. «Nutzen Sie dieses Angebot – die Helfenden freuen sich darauf.»

Social Distancing und Littering

Auch beim Social Distancing sehen die Mitglieder des Gemeindemoduls noch Verbesserungspotenzial. Markus Franzen, der für die Betreuung öffentlicher Treffpunkte verantwortlich zeichnet, sagt:

Markus Franzen, Leiter Hausdienste-Bauamt-Kläranlage.

Markus Franzen, Leiter Hausdienste-Bauamt-Kläranlage.

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«Das schöne Frühlingswetter hat dazu beigetragen, dass die Massnahme ‹Abstand halten› nicht vollumfänglich eingehalten wird.»

Er sei aber überzeugt, dass sich das laufend verbessern werde.

Leider stelle man fest, dass das Littering zunimmt und es auch zu Sachbeschädigungen auf den Schulanlagen gekommen ist. Dazu bittet er die Eltern, diese Thematik mit ihren Kindern zu besprechen.

Was hingegen schon gut umgesetzt wurde, ist der Beschluss, Restaurants zu schliessen. Das hat eine Kontrolle gezeigt. Bei Läden mit einem Restaurantteil sei geprüft worden, ob der Restauratteil abgesperrt ist. Dies sei überall der Fall gewesen.

«Aktuell ist es uns ein grosses Anliegen, dass der Abstand eingehalten wird», sagt Franzen. Die Regel des Sicherheitsabstands von zwei Metern betreffe auch das Anstehen an den Kassen. In den Lebensmittelgeschäften wurde deshalb bei der Umsetzung Hilfe angeboten, was mit grosser Dankbarkeit angenommen worden sei.

Zivilschutz soll nicht unnötig belastet werden

Die Massnahmen und deren Umsetzung wird laufend mit dem regionalen Führungsorgan abgesprochen und koordiniert. Dafür ist in Jonschwil Ratsschreiber Pascal Knaus zuständig. Er fungiert als Drehscheibe zwischen Gemeinde und Führungsorgan.  

Ratsschreiber Pascal Knaus.

Ratsschreiber Pascal Knaus.

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«Ich bin mit beratender Stimme beim Gemeindemodul dabei und kann meine Erfahrungen aufgrund der langjährigen Tätigkeit bei der Gemeinde und die Informationen aus dem regionalen Führungsorgan einbringen», sagt er. 

In der aktuellen Situation befasse sich das regionale Führungsorgan vor allem mit der Nachbarschaftshilfe. Ziel sei, dass Freiwillige für Dienstleistungen zugunsten der Risikogruppe eingesetzt werden können - und nicht etwa der Zivilschutz. Dies, weil angenommen werde, dass bei einem Anstieg der Fälle der Zivilschutz vollumfänglich dem Gesundheitswesen zur Verfügung stehen müsse.

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