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Eine Gemeinde hoch im Kurs

In der Hälfte der Gemeinden im Wahlkreis Wil ist die Einwohnerzahl im vergangenen Jahr geschrumpft, in der anderen Hälfte gestiegen. Am stärksten konnte Oberbüren zulegen. Ein Rundgang durch die Gemeinde zeigt auf, was die Leute dorthin zieht.
Lara Wüest
Das Dorf Oberbüren grenzt an grüne Wiesen und Obstplantagen.Bild: Benjamin Manser

Das Dorf Oberbüren grenzt an grüne Wiesen und Obstplantagen.Bild: Benjamin Manser

Eine dicke, graue Wolkendecke liegt an diesem Morgen über Oberbüren, einem Dorf, in dem sich Industriebauten, Wohnblöcke und Einfamilienhäuser aneinanderreihen. Ein schwacher Duft nach Pferden liegt in der Luft; über die Strassen, noch feucht vom Regen in der Nacht, rauscht der Verkehr. Oberbüren ist ein ländliches Dorf, wie es zahlreiche gibt in der Schweiz. Einzig das Bordell Longhorn City, das Rennvelo-Legende Beat Breu hier einst betrieb, liess den Ort ein bisschen über die Kantonsgrenze hinaus bekannt werden. Doch darüber sprechen die Einwohner, die bei den Ständeratsersatzwahlen im März Mike Egger fast so viele Stimmen gaben wie dem Favoriten Beni Würth, nicht gern.

Vom Bordell abgesehen ist das Dorf eines wie viele andere in der Region. Blumen zieren die Vorgärtchen der Häuser, die an diesem grauen Morgen ein wenig farblos wirken, die Leute grüssen sich, wenn sie auf dem Trottoir aneinander vorbeilaufen. Dasselbe lässt sich auch in den Nachbardörfern Niederwil und Sonnental beobachten, auch dort reihen sich Einfamilienhäuser an Gewerbebauten. Zusammen bilden die drei Dörfer die Gemeinde Oberbüren. Eine Gemeinde, die derzeit so beliebt ist wie keine andere im Wahlkreis Wil. Das zumindest lassen die aktuellen Einwohnerzahlen vermuten. Nirgendwo sonst haben sich im vergangenen Jahr, im Vergleich zur Gemeindegrösse, so viele Bürger angesiedelt wie hier.

Neue Häuser, neue Bürger

Ende 2018 lebten in Oberbüren 4424 Einwohner, wie Zahlen der Gemeindeverwaltung zeigen. Das sind 118 Personen mehr als Ende 2017. Damit gewann Oberbüren im vergangenen Jahr in absoluten Zahlen am zweitmeisten neue Einwohner. Nur die Stadt Wil verbuchte mit 187 Personen noch mehr Neuzuzüger (provisorische Zahl). Dabei ist Wil rund fünfmal grösser als Oberbüren.

Was also zieht die Menschen in die kleine Gemeinde zwischen Gossau und Wil? Einer, der sich diese Frage aus beruflichen Gründen stellt, ist der Gemeindepräsident Alexander Bommeli. Seit drei Jahren ist er im Amt.

Mit einem Kugelschreiber fährt der mittelgrosse Mann in Jeans und blauweissem Hemd über die grosse Gemeindekarte, die in seinem Büro im Haus der Gemeindeverwaltung an der Wand hängt. Hinter ihm stapeln sich Dokumente in farbigen Sichtmäppchen auf dem Schreibtisch, in einer Ecke steht ein hölzerner Elefant, der dem nüchternen Büro mit grauem Teppichboden ein Hauch Exotik verleiht. Der Hauptgrund, den Bommeli für die gestiegene Einwohnerzahl nennt, scheint naheliegend: die Häuser. «In den letzten Jahren wurden mehrere Wohngebiete neu gebaut. Vor allem hier und hier», sagt Bommeli und tippt mit dem Kugelschreiber zuerst auf Bauten in Niederwil und dann auf solche in Oberbüren. Bei jungen Familien seien diese Neubausiedlungen sehr gefragt.

Der Gemeindepräsident nennt aber auch noch andere Gründe für den Zuwachs und klingt dabei ein bisschen wie ein Geschäftsmann, der ein Produkt anpreist. «Wir haben eine gute Infrastruktur, jedes Dorf hat eine eigene Schule. Und wir haben ein grosses Naherholungsgebiet und sind verkehrsmässig gut erschlossen», sagt er. Durch die Gemeinde führt die Autobahn, die Zürich und St. Gallen verbindet. Je nach Wind und Ort ist diese laut, leise oder gar nicht zu hören. Und dann sind da noch die tiefen Steuern. Nur 105 Prozent beträgt der Steuersatz. In der Kantonshauptstadt liegt er bei 144 Prozent. Das sei jedoch nicht matchentscheidend, ist sich Bommeli sicher.

«Neuzuzüger bleiben für sich»

Ein paar hundert Meter von der Gemeindeverwaltung die Strasse hoch klingt es anders. Dort steht das Restaurant Kreuz. Mehrere Männer und eine Frau sitzen um drei Tische, trinken Kaffee oder Bier und essen ein Schinkenbrot oder Brot mit Wienerli. Sie haben Znünipause. Auf die Frage, was ihnen an Oberbüren gefällt, antworten gleich mehrere: «Die tiefen Steuern. Und der Autobahnanschluss.»

Die Wirtin, Martha Hinder, nennt jedoch noch einen anderen Grund. «Ich mag die Menschen.» Seit 27 Jahren führt sie das Restaurant zusammen mit ihrem Mann, einst war auch sie eine Zuzügerin. Doch das ist lange her, längst ist sie eine von hier, eine, der die Gäste so manche «Sorgen anvertrauen». Zu ihren Gästen zählt allerdings nur ein Teil der Oberbürer, hauptsächlich Alteingesessene. Die Zugezogenen würden eher für sich bleiben, sagt die Wirtin und hat auch eine Vermutung, warum das so ist: «Auswärtige sagen oft zu mir, die Leute hier seien speziell und zurückhaltend.» Tut sich da ein Graben auf zwischen den Eingesessenen und den Neuzuzügern?

Der Jurist Pius Fiala sieht das nicht so. Er ist einer der Zuzüger, lebt seit einem Jahr mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem der neu gebauten Einfamilienhäuser in Niederwil. Mehrere Gründe haben die junge Familie dazu bewogen, hier ihr Zuhause zu wählen. Zum einen war es das Bauland. «Es war nicht einfach, in dieser Region etwas zu finden, das unseren Ansprüchen entsprach», sagt der Familienvater, der oft beruflich nach St. Gallen, Winterthur und Zürich muss. In Oberbüren haben er und seine Frau aber das gefunden, was sie suchten. «Hier haben wir gute Verkehrsverbindungen, ein familienfreundliches Quartier und eine Schule im Dorf, in welcher der Ausländeranteil nicht zu hoch ist.» Fiala ist es wichtig, dass seine Kinder gut Deutsch lernen. Und mit fremdsprachigen Kindern in der Klasse, da ist er sicher, würden sie das nicht. Neben der Schule und dem Autobahnanschluss zog die Familie aber auch das Dorfleben nach Niederwil. «Wir gehen an die Fasnacht, kaufen im Volg ein und essen ab und zu im Dorfrestaurant Rössli.» Und Fiala kann sich sogar vorstellen, sich später einmal für die Gemeinde zu engagieren. «Es würde mich reizen, in Zukunft einmal ein politisches Amt zu übernehmen.»

Veränderung der Wohnbevölkerung im Wahlkreis Wil

Neben Oberbüren haben noch andere Gemeinden im Wahlkreis Wil im letzten Jahr bei der ständigen Wohnbevölkerung zugelegt. So etwa auch Wil. Dort stieg die Einwohnerzahl um 187 Personen, den grössten Teil davon machen Männer mit ausländischem Pass aus. Danach folgt Degersheim mit 91 Personen. In Uzwil lebten Ende 2018 insgesamt 36 Einwohner mehr als Ende 2017 und in Niederhelfenschwil 32. In fünf Gemeinden ist die Einwohnerzahl dagegen geschrumpft. Am meisten Bürger verlor Oberuzwil. Dort ging die ständige Wohnbevölkerung um 38 Personen zurück. In Flawil um 31, in Jonschwil um 28, in Niederbüren um 10 und in Zuzwil um 5 Personen. Auffallend ist dort: Frauen mit Schweizer Pass machen den grössten Teil der Weggezogenen aus. Einige Leute mit ausländischem Pass sind dagegen zugezogen. (law)

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