«Eine Fusion, nur um grösser zu werden, macht keinen Sinn»: GSF-Präsident Johannes Rutz blickt auf das erste Jahr nach dem Zusammenschluss zurück

Am Mittwoch fand die erste Generalversammlung der fusionierten Genossenschaft für
Seniorenwohnungen Flawil (GSF) statt. Nach bewegten Jahren kehrt die Genossenschaft in ruhigere Gewässer zurück.

Tobias Söldi
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Präsident Johannes Rutz (stehend) und die beiden Vorstandsmitglieder Walter Knellwolf (links, Aktuar) und Guido Steiner (hinten, Kassier) an der Generalversammlung. (Bild: Tobias Söldi)

Präsident Johannes Rutz (stehend) und die beiden Vorstandsmitglieder Walter Knellwolf (links, Aktuar) und Guido Steiner (hinten, Kassier) an der Generalversammlung. (Bild: Tobias Söldi)

Ein «denkwürdiger» Tag sei der 23. April 2018 gewesen, sagt Johannes Rutz, Präsident der Genossenschaft für Alterswohnungen Flawil (GSF) an der Generalversammlung im Restaurant Steinbock. Dann fusionierten die Genossenschaft für Alterswohnungen Feld und die Genossenschaft für Alterswohnungen Wisental zur GSF. Ein Jahr nach dem Zusammenschluss zeigt sich Rutz zufrieden mit dem Ergebnis.

«Mit der Fusion und der Renovation des Hauses Feld haben wir zwei grosse Brocken hinter uns. Jetzt bewegen wir uns wieder in ruhigeren Gewässern.»

Was waren die Gründe für die Bildung der GSF?

Johannes Rutz: Die Vermietung der Wohnungen in den Siedlungen Feld und Wisental ist einfacher und transparenter. Es gibt nur noch eine Zentrale für Wohnungssuchende. Wir wissen ja von beiden Häusern, was frei ist. Auch aus finanzieller Sicht brachte die Fusion Vorteile: Die grosse Renovation der Seniorensiedlung Feld von 2014 bis 2017 hat mit fünf Millionen Franken sehr viel gekostet, während die Genossenschaft für Alterswohnungen Wisental sehr liquid war. So konnten wir untereinander die finanziellen Mittel besser ausgleichen.

Und weiter?

Die Verwaltung mit neu sieben Mitgliedern ist viel schlanker und effizienter. Und dank der Fusion ist der Auftritt in der Gemeinde wirkungsvoller.

Was waren die Herausforderungen?

Es war ziemlich kompliziert, die rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Für eine solche Fusion braucht es einen juristischen Beistand.

Um was für Fragen ging es konkret?

In Bezug auf das Handelsregister und das Steueramt muss alles korrekt sein. Wir mussten schauen, dass wir als gemeinnützige Genossenschaft weiterhin steuerbefreit sind. Es galt, verschiedene Bestimmungen einzuhalten. Wir waren beim Entwurf der Statuen in ständigem Austausch mit dem Steueramt.

Gab es auch Dinge, welche die Fusion erleichtert haben?

Bei beiden Genossenschaften war von Anfang an die Bereitschaft zur Fusion da. Das ist am allerwichtigsten. Wir konnten alle vom Nutzen und Sinn der Fusion überzeugen.

Mit der Fusion hat sich die Zahl der Genossenschafter um rund Dreiviertel gesenkt.

Das ist kein Problem. Beide Genossenschaften zusammen hatten zu Beginn etwa 150 Mitglieder, jetzt sind es 31. Wir haben eine Rückkaufaktion gestartet, um Anteilscheine zurückzukaufen, was sehr gut aufgenommen worden ist. Viele Genossenschafter waren nicht mehr eng mit der GSF verbunden und haben deswegen ihre Anteilsscheine zurückgegeben. Da wir nur von den Mietzinsen leben, stellte die Reduktion der Anzahl Genossenschafter kein Problem dar.

Was hat sich seit April 2018 für die Genossenschafter und die Mieter in den beiden Häusern verändert?

Für die Mieter hat sich bis auf das neue Logo nichts verändert. Und auch für die Genossenschafter blieb alles wie bis anhin. An den Versammlungen erfahren sie nun einfach von beiden Siedlungen.

Mit welchem Gefühl blicken Sie ein Jahr nach der Fusion zurück?

Das erste Jahr ist absolut problemlos verlaufen, auch deshalb, weil die gleichen Leute in der Verwaltung sind. Das ist ein grosser Vorteil.

Was für Pläne hat die Genossenschaft für die Zukunft?

Wir befinden uns wieder auf einem guten Niveau. Finanziell stehen wir solide da, und die beiden Häuser sind in gutem Zustand. Nun müssen wir die Schulden in Zusammenhang mit der Renovation der Siedlung Feld abzahlen. In einer langfristigen Perspektive könnten wir uns Gedanken darüber machen, weitere Wohnungen zu erwerben – vorausgesetzt die entsprechenden Mittel sind vorhanden und es besteht Bedarf.

Zurzeit wird viel fusioniert – ein Trend?

Ich denke schon.

Wieso?

Grössere Einheiten lassen sich mit gleichem Aufwand wie vorher verwalten. Zudem ist es immer schwieriger, Leute zu finden, die ehrenamtlich tätig sind, was ebenfalls eine Motivation für eine Fusion sein kann. Das merkt man beispielsweise im Vereinswesen oder bei der Besetzung von Gemeinderäten in kleinen Gemeinden. Auch Mitgliederschwund kann ein Grund sein.

Was geben Sie zukünftigen Fusionsprojekten für einen Ratschlag?

Man muss sich sehr gut überlegen, warum man fusionieren will. Eine Fusion, nur um grösser zu werden, macht keinen Sinn. Sie muss Synergien schaffen.

Aus der Generalversammlung der GSF

Anlass zur Freude gab die Schlussrechnung der Aussenrenovation des Hauses Feld: Sie schliesst um 498000 Franken besser ab als erwartet. Die effektiven Kosten beliefen sich auf 1,9 Millionen Franken. Ebenfalls positiv: Zurzeit sind alle 57 Wohnungen besetzt. Ein wichtiger Entscheid im vergangenen Jahr war es, der von der Gemeinde angestrebten Dachorganisation für Organisationen, die sich mit der Betreuung und Pflege von Betagten beschäftigen, nicht beizutreten. «Bei der GSF geht es um die Vermietung von Wohnungen», sagt Rutz. Die GSF bleibt eine selbstständige Genossenschaft. In beiden Häusern steht die Sanierung der Heizung an. «Wir müssen klären, ob die Mitarbeit im Nähwärmeverbund noch Sinn macht oder ob eine eigene Heizung die ökonomisch und ökologisch effizientere Lösung ist.» Finanziell steht die GSF gut da: Die Bilanzsumme beträgt neu 6,2 Millionen Franken. Die Mietzinseinnahmen belaufen sich auf über 600000 Franken. (tos/pd)