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Eine Flut der Kritik: Dorfbachsanierung spaltet die Gemeinde Zuzwil

Die Sanierung des Dorfbachs erhitzt die Gemüter weiterhin. Im Herbst können die Bürger an der Urne zwischen der Lösung des Gemeinderats und der vom Ad-Hoc-Komitee propagierten Alternative entscheiden.
Gianni Amstutz
In einer Frage sind sich alle einig: Szenen wie bei der Überflutung im Sommer 2015 soll es nicht mehr geben. (Bild: PD)

In einer Frage sind sich alle einig: Szenen wie bei der Überflutung im Sommer 2015 soll es nicht mehr geben. (Bild: PD)

Das Ad-Hoc-Komitee (AHK) macht weiter kräftig Stimmung gegen die vom Gemeinderat vorgeschlagene Lösung zur Sanierung des Dorfbachs. Daran änderte auch der Informationsanlass am Dienstagabend in der Turnhalle nichts, an der die bevorzugte Variante des AHK präsentiert wurde. Anstatt eines Gerinneausbaus, bei dem der Bach verbreitert und dessen Sohle abgesenkt würde, votiert das AHK für einen Entlastungsstollen unter dem Kirchhügel.

Die Argumente, die es dafür ins Feld führt: Das Dorfbild könnte weitgehend erhalten werden, die Biodiversität werde geschützt und die Kosten seien nur unwesentlich höher. Immer wieder rechneten Vertreter des Komitees vor, dass die Preisdifferenz kleiner sei, als dies in den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie dargestellt wird. Zudem würden auch für andere Projekte – wie beispielsweise die Turnhalle – Millionenbeträge investiert. «Sparen um jeden Preis»: Das müsse nicht sein.

Gemeindepräsident und Experten widersprechen

Die Experten, die über Machbarkeit, Kosten und Schwierigkeiten der Alternativlösungen informierten, zeichneten ein anderes Bild. Die Stollenlösung ist zwar möglich, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Sie sei aber um einiges teurer. Konkret würde der Entlastungsstollen das Budget um 9,2 Millionen Franken mehr belasten als der Gerinneausbau, der die Gemeinde 3,3 Millionen Franken kosten würde. Dies da die Gesamtkosten höher sind und Kanton und Bund sich relativ gesehen weniger stark beteiligen würden, da der Stollen «keinen wasserbaulichen Mehrwert bringt», wie Jürg Marthy von der Abteilung Wasserbau des Kantons St. Gallen ausführte.

Doch nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch baulich gestaltet sich der Entlastungsstollen schwierig. Der Boden ist heterogen. Die Zusammensetzung aus Fels, Schotter, Sand und Lehm macht Bohrungen anspruchsvoll – und letztlich teuer. Die Einwände des AHK, wonach die Kostenschätzung zu hoch angesetzt worden sei, liessen die Experten denn auch nicht gelten. Der Vergleich mit Uzwil, den das AHK anstellte, könne so nicht gemacht werden. Denn neben der Länge und dem Durchmesser des Stollens spiele die Bodenbeschaffenheit einen wesentlichen Faktor für den Preis, wie Christoph Rüegg, Amberg Engineering, erklärte, der bei Stollenbau in Uzwil selbst in leitender Funktion beteiligt gewesen war.

Die Expertenmeinungen konnten bei den Anwesenden jedoch kein Umdenken herbeiführen. Wiederholt erhielten kritische Voten Applaus, während der Gemeinderat sich einiges anhören musste und kaum jemand seine Seite ergriff. Wie repräsentativ dieses Stimmungsbild am Dienstagabend in der Zuzwiler Turnhalle für die Meinungen der ganzen Bürgerschaft war, ist schwierig abzuschätzen. Anwesend waren – wie oft bei solchen Informationsveranstaltungen – mehrheitlich direkt Betroffene. Ob die Einwohner von Weiheren und Züberwangen die Lage ebenso beurteilen werden, bleibt abzuwarten. Jene von ihnen, die keine emotionale Bindung zum Dorfbach haben, dürften finanzielle Argumente eher überzeugen. Das gilt teilweise wohl auch für Zugezogene.

Volk hat das letzte Wort

Am 20. Oktober kann die Zuzwiler Bevölkerung an der Urne zwischen den zwei Lösungen entscheiden. Letztlich ist es also ein politischer Entscheid, ob die Bürger bereit sind, mehr Steuergeld zu investieren. Gemeinderat und das AHK sind bis dahin weiter gefordert. Der Gemeinderat muss aufzeigen, dass die Veränderungen für das Ortsbild durch den Gerinneausbau tatsächlich nicht so gross sind, wie dies vom AHK befürchtet wird. Gemeindepräsident Roland Hardegger versprach, das Projekt offenzulegen, sodass die Details für alle ersichtlich seien.

Das AHK auf der anderen Seite muss beweisen, dass die Tatsachen, welche die Experten am Dienstag präsentierten, nicht exakt waren – vor allem, was den Preis angeht. Oder aber, dass der höhere Preis für die Stollenlösung verkraftbar wäre und der Mehrwert dies rechtfertigt.

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