Eine Feier, die eint: Wiler Parlamentarier würdigen den neuen Parlamentspräsidenten Roland Bosshart 

An Parlamentsfeier rückt Parteipolitik für einen Abend in den Hintergrund.

Gianni Amstutz
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Von der FDP gab's für Roland Bosshart einen Hirtenstab als Geschenk.

Von der FDP gab's für Roland Bosshart einen Hirtenstab als Geschenk.

Biul: Gianni Amstutz

So einig sieht man das Wiler Stadtparlament selten. Die Feier zu Ehren des gewählten Parlamentspräsidenten Roland Bosshart (CVP) bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme.

Spätestens als dieser bei einer seiner Aufgaben an diesem Abend das Wiler Lied anstimmt, scheinen Parteigrenzen für einmal bedeutungslos. Mitglieder aller Fraktionen stimmen ein, als es heisst: «Mis Städtli Wil im Fürsteland».

Politiker bleiben Politiker

Auch sonst ist einiges anders an diesem Abend im Pfarreizentrum. Christoph Hürsch (CVP) – gemeinhin bekannt dafür im Parlament gerne längere Voten abzugeben – bleibt bei seiner Rede unter der 5-Minuten-Marke. Und auch die Sitzordnung, die im Parlament strikt nach Fraktionen getrennt ist, kennt keine Parteigrenzen.

Da sitzen Benjamin Büsser (SVP), Mike Sarbach (Grüne Prowil) und Manuela Ebneter (FDP) an einem Tisch beisammen. Ob sie wohl unheilige Allianzen schmieden? Wohl eher nicht. Die Politik rückt für einmal in den Hintergrund – zumindest im Ansatz.

Denn Politiker bleiben eben Politiker. So greift die SVP bei ihrer Darbietung das Thema der Weihnachtslieder auf, die Grünen Prowil in der Person von Guido Wick versuchen Roland Bosshart mit ihrem Geschenk – einer Gemüsekiste von den Heimstätten Wil – für mehr Nachhaltigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen zu gewinnen und FDP-Fraktionspräsident Adrian Bachmann attestierte Bosshart die Eigenschaft, Entscheide nicht aufgrund von Parteifarben, sondern Argumenten zu treffen.

Spätestens an der nächsten Parlamentssitzung wird es vorbei sein mit der trauten Einigkeit. Im Parlament ist jeweils wenig zu spüren von der freundschaftlichen Stimmung, die an diesem Abend herrscht. Wird der Umgangston aber zu rau oder jemand weicht vom Thema ab, hat Roland Bosshart die Möglichkeit, mit der Glocke zur Ordnung zu mahnen. Dass er gewillt ist, das zu tun, bekam Jigme Shitsetsang (FDP) bereits an der ersten Parlamentssitzung zu spüren. Und auch während des Votums von Erika Häusermann (GLP) wanderte Bossharts Hand gefährlich nahe zur Glocke.