Eine ersehnte Woche auf Mallorca

WILEN. Sasha Rombach, seine Mutter Maja sowie Dorothee Blunschli befinden sich für eine Woche auf Mallorca. Ihre Ferien sind auf besondere Art und Weise zustande gekommen. Auch die Vorbereitungen waren aussergewöhnlich umfangreich.

Urs Nobel
Drucken
Teilen
Die «Ferienreisenden» kurz vor dem Abflug – und voller Vorfreude. (Bild: Urs Nobel)

Die «Ferienreisenden» kurz vor dem Abflug – und voller Vorfreude. (Bild: Urs Nobel)

Etwas ausserhalb von Wilen, inmitten einer grösseren Landwirtschaftsfläche, befindet sich der Waldhof der Familie Rombach. Zu dieser gehören Vater Hansjörg (genannt «Hase»), Mutter Maja, die 25jährige Sandra, der 22jährige Ronny sowie der 13jährige Sasha. Hunde, Ziegen und Ponys, die entweder im Haus oder ausserhalb in Gehegen und Stallungen gehalten werden, vervollständigen das Bild einer glücklichen Familie.

Die Uhr gibt alles vor

Der Schein trügt nicht – und trotzdem ist er nur die halbe Wahrheit. Der 13 Jahre alte Sasha ist nämlich sowohl körperlich als auch geistig cerebral gelähmt (siehe Kasten unten), und das seit seiner Geburt. Sasha bedarf einer 24 Stunden-Rundumpflege. Diese teilen sich Mutter und Vater, unterstützt von Dorothee Blunschli aus Wiezikon, auf. Weil das jüngste Familienmitglied in regelmässigen Abständen mit Medikamenten versorgt werden muss, seien die Nächte manchmal kurz, sagt Hansjörg Rombach. «Die Uhr gibt unseren Lebensablauf vor.» In diesem hat auch Dorothee Blunschli ihren Platz. Sie wird von der Spitex zur Entlastung der Eltern gestellt, und darüber sind die Rombachs froh und dankbar: «Dorothee kennt Sasha seit jeher und ist uns eine unschätzbare Hilfe.»

Zwei Wochenenden im Monat

Sasha geht im «Friedheim» in Weinfelden zur Schule. Die Stiftung Friedheim nimmt Kinder und Jugendliche mit geistigen und mehrfachen Behinderungen im Alter von fünf bis 18 Jahren auf, die aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse die Regelschule nicht besuchen können und Förderung durch Fachpersonal benötigen. Der Junge wird täglich zur Schule gebracht und wieder abgeholt. An zwei Wochenenden im Monat dürfen Maja und Hase Rombach Sasha im «Friedheim» lassen. Diese Zeit nutzen die beiden, um all jene Dinge gemeinsam zu erledigen, für die sonst keine Zeit bleibt.

Auszeit auf Mallorca

Zurzeit befindet sich Sasha Rombach zusammen mit Mutter Maja und Dorothee Blunschli auf Mallorca in den Ferien. Am Mittwoch ist er erstmals in seinem Leben in einem Flugzeug gesessen. Ermöglicht hat diese «Auszeit» das Hilfswerk Sternschnuppe (siehe Kasten oben).

Maja Rombach erinnert sich: «Eine Kollegin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es die Institution Sternschnuppe gibt und dass diese Wünsche von Kindern unter 18 Jahren, die unter einer Behinderung leiden, erfüllt.» Die Kontaktaufnahme sei in unkomplizierter und angenehmer Art und Weise erfolgt, und bald seien auch schon Vorschläge ausgearbeitet worden, wie man Sasha eine Freude bereiten könne. «Im Wasser fühlt sich Sasha am wohlsten. Deshalb sollte ihm ein Aufenthalt am Meer ermöglicht werden», erklärt Mutter Maja, «Es war jedoch klar, dass der Flug zur Feriendestination möglichst kurz sein muss. Darum entschieden wir uns für Mallorca.»

Implantierte Schmerzpumpe

Die Mitarbeiterinnen von Sternschnuppe organisierten für die drei «Ferienreisenden» alles, was es braucht. Sie buchten das Hotel, den Flug und sorgten auch für sämtliche Transfers in der Schweiz und auf Mallorca. Maja Rombach wiederum hatte im Vorfeld der Reise etwelche Formalitäten auszufüllen, weil in Sashas Körper eine Schmerzpumpe implantiert ist und weil er grössere Mengen an Medikamenten benötigt. Doch das hat sie gerne gemacht. «Ich habe alles geklärt, auch die Notfallsituation, dass Sasha eventuell einen Rückflug mit der Rega benötigt.» Unterdessen ist Sasha in Mallorca und hat zum ersten Mal im Meer baden können.

Aktuelle Nachrichten