Kommentar

Eine anonyme Wahlempfehlung ist unnütz und unseriös

Ein Komitee namens «Gesunder Menschenverstand» macht kurz vor dem zweiten Wahlgang in einem Brief, der an zahlreiche Wiler Haushalte versendet wurde, Wahlwerbung für ein Fünferticket. Die Urheber bleiben anonym. Das macht ihre Empfehlung wertlos.

Gianni Amstutz
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Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

Bild: Hans Suter

Dieser Tage ist ein Brief in die Wiler Haushalte geflattert. Inhaltlich geht es dabei um eine Wahlempfehlung für das Stadtpräsidium und den Stadtrat. So weit, so gut.

Absender des Briefs ist ein Komitee namens «Gesunder Menschenverstand», das anonym operiert. Damit wird der Wahlempfehlung ihre Glaubwürdigkeit weitgehend entzogen. Anonymen Äusserungen haftet immer ein Makel an. Der Absender ist bei politischen Botschaften essenziell, um einordnen zu können, woher die Empfehlung kommt, worauf sie basiert und ob sie eventuell Schlagseite hat.

Komitee stellt sich gegen einzelne Kandidierende

Das ist besonders bei schweren Vorwürfen an einzelne Personen oder eine Behörde so. Solche erheben die Absender des Schreibens zwar nicht, trotzdem stellen sie sich gegen einzelne Kandidierende. Wer das tut, muss auch mit seinem Namen hinstehen.

Deshalb werden Leserbriefe in dieser Zeitung nur gedruckt, wenn der Absender verifiziert werden kann. Das gebietet die Medienethik. Auch darum verzichtet die «Wiler Zeitung», im Detail auf den Inhalt des Briefs des Komitees einzugehen. Das würde den Absendern die Bühne bieten, die sie sich erhoffen, die sie jedoch aufgrund ihrer Anonymität nicht verdient haben.

Das Ziel verfehlt

Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Komitee sich nicht zu erkennen gibt. So werden sie ihr Ziel nicht erreichen, Wählerinnen und Wähler von ihrer Botschaft zu überzeugen. Käme das Schreiben von einem breit abgestützten Bündnis aus Wirtschaft, Politik und Kultur, wäre das vielleicht anders. Wegen einer anonymen Empfehlung hingegen wird kaum jemand seine Meinung ändern.

Dass sich die Absender als Komitee «Gesunder Menschenverstand» bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gesunder Menschenverstand hätte in diesem Fall bedeutet, mit Namen hinter die eigene Botschaft zu stehen.

Sich kurzerhand als Komitee zu bezeichnen und so den Anschein einer breiten Abstützung in der Bevölkerung zu erwecken, ist fragwürdig und unseriös. Eine solche Wahlempfehlung ist das Papier nicht wert, auf der sie gedruckt wurde.