Einbussen im sechsstelligen Bereich: Der Wiler Gare de Lion leidet unter dem Corona-Virus

Mit welchen Problemen Kulturbetriebe aufgrund des Corona-Virus zu kämpfen haben, veranschaulicht das Beispiel des Gare de Lion in Wil.

Gianni Amstutz
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Der Gare de Lion fast gespenstisch verlassen: Ein Bild, an das man sich in den nächsten Wochen, vielleicht Monaten, gewöhnen muss.

Der Gare de Lion fast gespenstisch verlassen: Ein Bild, an das man sich in den nächsten Wochen, vielleicht Monaten, gewöhnen muss.

Bild: PD

Fragt man einen Nicht-Wiler der jüngeren Generation, mit was er Wil in Verbindung bringt, dürfte bei nicht wenigen die Antwort «Gare de Lion» lauten. Das Kulturzentrum lockt mit seinen Konzerten und Veranstaltungen ein überregionales Publikum an.

Bereits am Freitag wurden alle Veranstaltungen bis Ende April abgesagt beziehungsweise verschoben. Ein Schritt, der mit den neuen Massnahmen des Bundesrats am Montag ohnehin fällig geworden wäre.

In ihrer Medienmitteilung zeigten die Verantwortlichen Verständnis für die Massnahmen des Bundes und riefen dazu auf, die Weisungen zu befolgen und so Risikogruppen zu schützen. Klar ist aber auch: Der Corona-Virus trifft den Gare de Lion hart – wie zahlreiche Kulturveranstalter.

Bis jetzt seien 18 Veranstaltungen mit rund 30 gebuchten Gruppen oder Einzelkünstler betroffen, sagt Michael Sarbach, Programmchef des Gare de Lion.

«Es werden mit Bestimmtheit noch weitere Absagen folgen, da viele Künstler ihre ganzen Tourneen verschieben.» Zudem sei unklar, wann die Beschränkungen wieder aufgehoben werden.

Das Ziel: Verschieben anstatt absagen

Einige Events wie beispielsweise der Auftritt der St.Galler Kultband Knöppel konnten bereits in den Herbst verschoben werden. Für die Veranstalter ist das die beste Lösung.

Bereits verkaufte Tickets behalten so ihre Gültigkeit, werden aber auch während eines bestimmten Zeitraums rückerstattet. Trotzdem kann so ein Grossteil der bereits generierten Ticketeinnahmen gesichert werden. Zudem müssen Kosten für die Vorproduktion und Werbung nicht abgeschrieben werden.

Anders verhält es sich, wenn kein Verschiebedatum gefunden werden kann. «Dann beginnen zähe Verhandlungen», sagt Sarbach. In den meisten Fällen sei die Gage ganz oder hälftig bereits bei Abschluss des Bookings überwiesen worden, wie auch die Agenturkommissionen.

«Selbstredend sind die Künstler, Managements und Agenturen zurzeit ebenfalls in einer äusserst prekären Lage und versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, dass etwas an den Veranstalter zurücküberwiesen werden muss.»

Michael Sarbach zeigt Verständnis dafür: Die meisten von ihnen hätten während der laufenden Tour diverse Absagen zu verkraften, was einem Totalausfall ihrer Einnahmen entspreche. Zudem blieben sie auf Kosten für Crew, Reise und Promo sitzen.

Auf Unterstützung angewiesen

Für den Gare de Lion ist eine definitive Absage einer Veranstaltung aber nicht nur aufgrund bereits bezahlter Gagen schmerzhaft. Auch Einnahmen aus Ticketverkäufen müssen dann an den Tickethändler zurückbezahlt werden. Zudem fallen auch Einnahmen aus der Gastronomie weg.

Noch lassen sich die Verluste nur schwer beziffern. Sobald man wisse, welche Veranstaltungen verschoben werden können respektive abgesagt werden müssen, habe man einen genaueren Überblick, sagt Michael Sarbach.

«Insgesamt dürften sich die Umsatzeinbussen im Bereich eines deutlich sechsstelligen Betrages bewegen.»

Da stellt sich die Frage, wie der Gare de Lion das finanziell verkraften kann. Alle nicht unbedingt betriebsrelevanten Aktivitäten seien eingestellt und Aufträge storniert worden, sagt Sarbach. Einige Geschäftspartner hätten zudem proaktiv Hilfe angeboten, beispielsweise in Form einer Verlängerung der Zahlungsfristen. «Voraussichtlich bis Ende April sollten wir so durchkommen.»

Der Bund habe angekündigt, am 20. März über ein Massnahmenpaket zu informieren. «Für uns sind zusätzliche Überbrückungsgelder oder anderweitige Massnahmen zur Wahrung der Liquidität, aber auch eine finanzielle Kompensation der Ausfälle unausweichlich», betont Sarbach.

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