Ein zehntes Mal gibt es nicht

Am Sonntag fand das Flawiler Jugendband-Festival «All Open» zum neunten und letzten Mal statt. Doch von Abschiedsschmerz war erst gegen Ende etwas zu spüren, engagiert waren die Auftritte der neun Formationen.

Christof Lampart
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Flawil. Das «All Open» hat sich auch bei seiner «Dernière» gut gehalten. Die Bands zogen engagiert mit, spielten mal Coverversionen, mal eigene Stücke und begeisterten damit das im Verlaufe des Tages immer zahlreicher werdende Publikum im «Lindensaal». Bandfestival-Initiator und -Leiter Urs C. Eigenmann war mit der Gestaltung des Tages, dem Aufstellen von Mikrophonen und Notenständern, dem Begleiten am E-Piano oder mit mancherlei Besprechungen und Gesprächen zwischen den Auftritten dermassen ausgelastet, dass ihm wohl kaum Zeit blieb, um sich innerlich von seinem «Kind» zu verabschieden.

Dass nun nicht nur das Festival, sondern auch die Musikschulband aufgelöst wird, findet er zwar «schade», doch zeigte er sich zuversichtlich, dass es – irgendwie, irgendwann – in Flawil bald wieder ein solches Band-Festival geben wird. «Da sind jetzt andere am Zug», so Eigenmann.

Ohne Küsschen

Neun Jahre sind nicht die Ewigkeit, aber doch eine lange Zeit, in der viele Kontakte gepflegt, manchmal sogar Freundschaften geschlossen wurden. Viele sind nicht nur wegen der Musik, sondern vor allem wegen «dem Urs» gekommen.

Als jedoch die Präsidentin der Musikschulkommission, Barbara Brunner, ein paar dürre Worte des Dankes an Urs C. Eigenmann richtet und die Hoffnung äussert, dass es schon bald wieder einmal so ein Band-Festival geben möge, sitzt der so Gelobte mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne. Fast meditativ hockt er da. Oder hat seine Haltung nicht doch auch etwas Resignatives an sich? Weder Brunner noch Eigenmann lächeln, als das Geschenk übergeben wird. Das ansonsten bei einer solchen Ehrung übliche Küsschen bleibt aus.

Und auch der Augenkontakt wird gerade einmal so lange wie nur nötig gesucht. Dabei sollte doch eigentlich jedem «Ende ein Anfang» inne wohnen. Oder vielleicht doch nicht?

Musikalischer Trost mit Jackson

Beim Gespräch im Anschluss an den Auftritt der Flawiler Musikschul-Band «De Luxe», welche notabene unter seiner Leitung steht, verhehlt Urs C. Eigenmann nicht, dass ihm der Abschied weh tue und er sich unfair behandelt fühlte. Die Musikschule wolle sich halt die Möglichkeit einer Neuausrichtung offen halten.

Vielleicht mehr Folklore als Pop und Rock? Urs C. Eigenmann zuckt mit den Schultern. Wer weiss schon, was die Zukunft bringen wird? Ganz sicher ist jedoch die Band nach dem Auftritt am Ende. Doch davon ist jetzt, in diesem Moment, noch nichts zu hören: «Heal the world» singt das Quintett, nachdem es zuvor das Lied ihrem «Urs» gewidmet hatte. Ein schöner musikalischer Trost.

Da macht es auch nichts, dass die technische Anlage ein paar Mal übersteuert; gerade so, als wollte sie selbst aufheulen.

Dann tritt schliesslich das Duo «Eternal Fire» auf und gibt seine ebenso kuschelweichen wie gefälligen Eigenkompositionen zum Besten. Nachher folgen noch zwei Bands, bevor der letzte, imaginäre Vorhang fürs «All Open» fällt. Aber ein schöner Abschied ist es auf jeden Fall jetzt schon.

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