Ein Wiler durch und durch: Ruedi Schär wird Ende Monat pensioniert, bleibt aber weiterhin in der Stadt aktiv

Ruedi Schär wird Ende Monat als Mitarbeiter des Infocenters in der Altstadt pensioniert. Sein Wissen über die Stadt will er einbringen.

Gianni Amstutz
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Ruedi Schär wird Ende Februar mit 68 Jahren pensioniert.

Ruedi Schär wird Ende Februar mit 68 Jahren pensioniert.

Bild: Gianni Amstutz

Ruedi Schär sitzt am Schalter des Infocenters der Stadt Wil in der Altstadt. Hier, wo er seit rund drei Jahren arbeitet. Doch bald ist Schluss. Mit 68 Jahren muss er Ende Februar in den Ruhestand gehen – so verlangt es das Personalreglement der Stadt. «Ich wusste das schon, als ich die Stelle antrat», sagt er.

Damals vor drei Jahren wurde Schär mit dem Aufbau des neu geschaffenen Infocenters betraut. Das ging nicht ohne Nebengeräusche von sich. Querelen zwischen der Stadt und Will Tourismus hatten im Vorfeld für Unruhe gesorgt. Bis Ende 2016 hatte Wil Tourismus die Tourist Info am Bahnhof betrieben – die Vorgängerin des Infocenters. Rund 150 Bewerbungen waren für die Stelle eingegangen, den Zuschlag erhielt ausgerechnet Schär, der ehemalige Interimspräsident von Wil Tourismus.

Die Wogen haben sich seither längst geglättet. Und auch Personen, die das Verfahren kritisierten, das zu Schärs Anstellung geführt hatte, zweifelten kaum seine Qualifikationen für die Stelle an.

Ein wandelndes Lexikon

Denn Ruedi Schär kennt Wil wie seine Westentasche. «Kenntnisse der Stadt Wil und touristisches Herzblut», wie die Anforderungen im Stellenprofil definiert wurden, das bringt er mit wie kein Zweiter. Beim Gespräch zitiert er aus dem Stegreif Lebensdaten von historischen Wiler Persönlichkeiten, kennt ihr Schaffen aus dem Effeff. Sein immenses Wissen geht nun mit seiner Pensionierung für das Infocenter verloren.

Aber Schär sagt: «Ich bin ja nicht einfach weg. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.» Sowieso scheint es, als habe Schär noch zahlreiche Ideen und Projekte im Köcher. So würde er gerne die Zusammenarbeit mit St.Gallen-Bodensee-Tourismus stärken. Ihm schwebt ein Kombi-Ticket für die Stiftsbibliothek und den Hof vor.

«Das würde mehr Touristen nach Wil bringen, wovon auch die lokalen Detailhändler und Gastronomen profitieren könnten.»

Infocenter hat sich gut etabliert

Bereits heute seien die Stadtführungen gefragt. Immer häufiger kämen auch Anfragen nach spezifischen Führungen, die einem Thema oder einer Wiler Familie gewidmet seien, sagt Schär. Für den passionierten Historiker kein Problem. Er kennt zu jedem Plätzchen in Wil eine Geschichte, zu jeder alteingesessenen Familie hat er etwas zu erzählen. Für die Ausbildung der Stadtführerinnen und -führer steht Schär deshalb weiterhin zur Verfügung, wenn Bedarf besteht.

Generell habe sich das Infocenter gut etabliert – «und das am richtigen Standort», wie Schär betont. Neben dem Bereich Tourismus ist es auch Anlaufpunkt für lokale Vereine und Organisationen, die beispielsweise eine Veranstaltung durchführen wollen.

Vermarktung hapert noch ein wenig

Potenzial sieht er noch in der Kommunikation und im Marketing. «Es muss noch besser beworben werden, was wir hier im Infocenter alles machen.» Eine Broschüre mit Wandertipps in der Region, die das Infocenter erstellt hat, fand zuerst kaum Beachtung. Erst durch einen Zeitungsartikel seien die Leute darauf aufmerksam geworden.

Daraus müsse man für die Zukunft seine Lehren ziehen und Angebote verstärkt kommunizieren. In Zukunft, das heisst dann ohne Ruedi Schär. Zumindest nicht mehr als Angestellter des Infocenters.

Denn auswandern werde er jetzt nicht, sagt er lachend. Das wäre auch schwer vorstellbar, hat Schär doch sein ganzes Leben in Wil verbracht. Als Ortsbürgerrat wird er zudem weiter an Projekten wie etwa dem Aufbau des neuen Museums im Hof  – wo Schär einst aufgewachsen ist – beteiligt sein.

Fehlen werden Ruedi Schär vor allem die zahlreichen Begegnungen, die er im Infocenter täglich machen durfte. «Das werde ich schon vermissen», sagt er etwas wehmütig. Trotzdem wird man Ruedi Schär wohl noch da und dort antreffen. Denn Wil wäre nicht dasselbe ohne ihn.

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