Ein vorbildlicher Sportsmann

Ergün Erler ist Mitglied des KTV Wil, des FC Wil und Fussballschiedsrichter bei der Trainingsgruppe Wil und Umgebung. Er erachtet Vereinstätigkeit als wertvoll und Ehrenamtlichkeit innerhalb eines solchen Gebildes als wichtig.

Urs Nobel
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Ergün Erler liebt sein Hobby, die Schiedsrichterei, und hält viel von den Kontakten in der Trainingsgruppe. (Bild: Urs Nobel)

Ergün Erler liebt sein Hobby, die Schiedsrichterei, und hält viel von den Kontakten in der Trainingsgruppe. (Bild: Urs Nobel)

FUSSBALL. Seit 2009 ist der türkischstämmige, in der Schweiz geborene und aufgewachsene Ergün Erler aus Wil Fussballschiedsrichter. Alleine leitet er 3.-Liga-Spiele. Im Team ist er seit 2012 Assistent (Linienrichter) in der 2. Liga inter. Als Schiedsrichter wird man gerne als Einzelsportler bezeichnet. Was aber nur hälftig richtig ist. Denn auch die «schwarze Zunft» organisiert sich meist vereinsmässig. Im Fall von Ergün Erler in der Schiedsrichter-Trainingsgruppe Wil und Umgebung.

Mitglied im KTV Wil

Die Schiedsrichterei ist aber nur ein Steckenpferd des Jus-Studenten im zehnten Semester an der Uni Zürich. Er ist auch Mitglied des KTV Wil und beteiligt sich dort aktiv am Vereinsleben. Und er hilft immer gerne, wenn der Verein Leute sucht, die sich vorwiegend im Nachwuchsbereich engagieren sollen. «Ich bezeichne mich selber als Vereinsmenschen. Meine Familie und meine Freunde haben mir mit auf den Weg gegeben, wie wertvoll Vereinstätigkeit sein kann und wie wichtig auch die Ehrenamtlichkeit ist», sagt Erler, der sich aktuell mitten im Prüfungsstress an der Uni befindet und deshalb froh ist, dass die Fussballsaison kurz unterbrochen ist.

Zurückgebunden

Ergün Erler durfte eine ganze Weile hoffen, dass er als Schiedsrichter-Assistent in der nächsten Saison eine Liga höher promoviert würde. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Die Enttäuschung hält sich allerdings im Rahmen, obwohl er liebäugelte, es sogar einmal als Assistent in die Challenge League zu schaffen. «Ich werde weiterhin mit Freude Spiele leiten, sei dies als Schiedsrichter oder als Assistent. Die Schiedsrichter sind Teil des Fussballs und wir teilen das gleiche Interesse und dieselbe Freude zu diesem Sport wie die Spieler und Spielerinnen.» Das ist keineswegs eine fade Aussage als Entschuldigung, sondern vielmehr eine sportsmännische Einstellung, die Ergün Erler Woche für Woche auf den Fussballplätzen begleitet. Probleme bekundete er bisher selten in seiner Karriere. Er meint sogar, dass er, weil er oft dieselbe Sprache wie die Spieler spreche, besser, vor allem aber beruhigend auf heissblütige Spieler einwirken könne. Er hat deshalb auch kaum negative Erfahrungen als Schiedsrichter gemacht. «Einmal musste ich eine Rauferei schlichten. Wenn aber normale Emotionen oder Leidenschaft im Spiel sind, komme ich sehr gut zurecht damit. Davon lebt der Fussball schliesslich.» Erler erinnert sich einzig an bisher zwei Spiele, in denen er grössere Probleme hatte, das Spiel zu leiten.

Mitglied der Trainingsgruppe

Ergün Erler spielte in seinen Jugendjahren auch Fussball. Aufgrund der schulischen Belastung hörte er aber damit auf. Auf ein Inserat des FC Wil, der Schiedsrichter-Nachwuchs via Internet suchte, meldete er sich, absolvierte die Kurse und leitete die ersten Spiele. Bis er die ersten 4.-Liga-Spiele pfeifen durfte, benötigte er lediglich zwei Anläufe. «Das heutige Konzept des Verbandes sieht vor, mögliche Kandidaten ins kalte Wasser zu werfen. Packt er seine Chance, kommt er weiter», erklärt Erler. Er sei aber auch der Schiedsrichter-Trainingsgruppe Wil und Umgebung beigetreten, habe mit Gleichgesinnten trainiert und die Gelegenheit gesucht, sich so weiterzubringen. Heute ist er Vorstandsmitglied und kann allfälligen Neuschiedsrichtern auch schon aus seinem Erfahrungsschatz berichten. «Die Suche nach Schiedsrichtern ist das eine, die Betreuung und Integration in die Trainingsgruppe das andere», weiss Erler aus Erfahrung. Er kritisiert gewisse Schiedsrichter-Verantwortliche in den Vereinen, welche Neulinge oft zu schnell alleine mit ihrer Aufgabe lassen und die Verantwortung für ihre Schützlinge nicht genügend wahrnehmen. «Schiedsrichterei ist eine Lebensschule. Ein Schiedsrichter ist Sportler, Psychologe und Manager.» Um all dies unter einen Hut zu bringen, muss er auch ein vorbildlicher Sportsmann sein.