Ein Verlust von rund neun Millionen Franken: Coronapandemie reisst tiefes Loch in die Kasse der Stadt Wil

Für das Jahr 2021 rechnet der Stadtrat mit einem Defizit von 8,9 Millionen Franken. Dies trotz Bemühungen bei den Ausgaben Einsparungen vorzunehmen. Am Steuerfuss wird trotz massiven Einnahmeausfällen nicht gerüttelt. Das soll sich in den kommenden Jahren aber ändern.

Gianni Amstutz
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Die Einnahmen der Stadt Wil sinken wegen der Coronakrise und der Steuerreform, gleichzeitig steigen die Ausgaben moderat.

Die Einnahmen der Stadt Wil sinken wegen der Coronakrise und der Steuerreform, gleichzeitig steigen die Ausgaben moderat.

Bild: Fotolia

Die Steuereinnahmen der Stadt Wil gehen gemäss dem Budget 2021 um satte 7,6 Millionen Franken zurück. Dies ist das ernüchternde Ergebnis, welches Stadtpräsident ad interim Daniel Meili an einer Medienkonferenz am Dienstagmorgen präsentierte.

Ein grosser Teil davon erklärt der Stadtrat mit der Coronapandemie. Diese wirkt sich gemäss seinen und den Prognosen des Kantons sowohl auf die Einkommens- und Vermögenssteuern als auch auf die Gewinn- und Kapitalsteuern aus.

Der zweite Teil der Rückgangs ist mit der Umsetzung der Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) erklärbar. Gemäss Zahlen des Kantons löst diese für die Stadt Wil Einnahmeausfälle von rund 2,5 Millionen Franken aus.

Moderates Ausgabenwachstum

Der Rückgang von acht Prozent bei den Steuereinnahmen erklärt bereits einen Grossteil des budgetierten Defizits. Zwar erhöhen sich auch die Ausgaben um 1,4 Millionen auf insgesamt 168,4 Millionen Franken, Stadtpräsident ad interim Daniel Meili sprach aber von einem sehr moderaten Wachstum:

«Der Stadtrat war bemüht, die Ausgaben so tief wie möglich zu halten.»

Dies allerdings ohne Leistungsaufträge, Verpflichtungen und Aufträge des Parlaments zu streichen.

Mehrausgaben seien primär auf Entscheide vom Parlament und Kanton zurückzuführen. So seien die zusätzlichen Ausgaben in der Bildung auf höhere Schülerzahlen sowie durch das Kantonsparlament beschlossene Lohnerhöhungen und Lastenverschiebungen zurückzuführen. Zudem fielen höhere Gemeindebeiträge für den öffentlichen Verkehr an und im Gesundheitsbereich stiegen die Ausgaben für die Pflegefinanzierung weiter.

Zudem werden neue Stellen im Umfang von insgesamt 215 Stellenprozent geschaffen. Der Bedarf dafür sei ausgewiesen und könne nicht durch organisatorische Massnahmen aufgefangen werden.

Bis 2024 soll Steuerfuss um acht Prozentpunkte erhöht werden

Der Stadtrat sieht trotz des Verlusts von einer Steuerfusserhöhung ab. Einerseits könne man das Defizit dank eines Eigenkapitals von rund 70 Millionen Franken verkraften, anderseits wolle der Stadtrat die Steuerzahler, die ebenfalls unter der Coronakrise litten, nicht mit höheren Steuern belasten, sagt Meili.

Trotzdem scheint für den Stadtrat eine Erhöhung des Steuerfuss unumgänglich. Ab 2022 soll der Steuerfuss von 118 Prozent um vier Prozentpunkte erhöht werden, 2024 um weitere vier Prozentpunkte auf 126 Prozent.

Selbst mit dieser Massnahme wird die Stadt mittelfristig weiterhin rote Zahlen schreiben. Gemäss Finanzplan wird der Verlust 2022 sogar 9,1 Millionen Franken betragen, bevor er 2023 auf 6,7 Millionen Franken und 2024 auf 3,7 Millionen Franken zurückgeht.

Investitionstätigkeit wird leicht erhöht

Der Stadtrat plant für das nächste Jahr mit Nettoinvestitionen in der Höhe von 19 Millionen Franken. Gegenüber den 11,6 Millionen Franken im Budget 2020 ist das ein relativ starker Anstieg. Daniel Meili erklärt:

«Wenn wir keinen Stillstand wollen, müssen wir auch in der aktuellen Lage investieren.»

Die Stadt müsse ein Zeichen setzen, dass das Leben weitergehe und im Sinne einer Vorbildfunktion für die Industrie und das Gewerbe weiter Investitionen tätigen.

Technische Betriebe Wil sind weiter stabil unterwegs


Die Technischen Betriebe Wil (TBW) erweisen sich einmal mehr als Stein in der Brandung. Auch die aktuell wirtschaftlich herausfordernden Zeiten können den TBW nichts anhaben. Bei einem Aufwand von 73,3 Millionen Franken weist das Budget 2021 einen Gewinn von 2,4 Millionen Franken aus. Damit liegt das Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Konstanz der TBW spiegelt sich auch in den Absatzzahlen für die Bereiche Strom, Gas, Wasser und Kommunikation wider. Die Mengen bewegen sich alle im Vorjahresbereich, was sich auch in den Umsätzen zeigt. Einzig beim Strom werden aufgrund einer kleinen Preissenkung Mindereinnahmen erwartet. Stabil bleibt auch die Abgeltung an die Stadt. Sie beträgt rund 5,8 Millionen Franken und damit nur 200000 Franken weniger als im Budget 2020. Wie üblich soll auch im nächsten Jahr viel für Massnahmen gegen den Klimawandel investiert werden. Für Substitutionsprojekte und Energieeffizienzmassnahmen sind drei Millionen Franken vorgesehen. (gia)