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Ein ungewöhnlicher Gast: Dominik Dachs auf Ferienbesuch in Wolfertswil

Über Wochen tauchte beim Ehepaar Weishaupt in Wolfertswil ein Dachs auf. Doch trotz aller Zutraulichkeit: Er bleibt ein Wildtier.
Tobias Söldi
Kritisch beäugt: Der Dachs im Garten des Ehepaars Weishaupt in Wolfertswil. (Bild: PD)

Kritisch beäugt: Der Dachs im Garten des Ehepaars Weishaupt in Wolfertswil. (Bild: PD)

Ende Juni liess er sich zum ersten Mal blicken, zunächst zögerlich und scheu. «Es war ein rechter Brocken, sicher 15 Kilogramm schwer», erinnert sich Ursula Weishaupt aus Wolfertswil. Der ungewöhnliche Gast, ein ausgewachsener Dachs, war auf Nahrungssuche – und im Garten des pensionierten Ehepaars stehen zwei Kirschbäume, an dessen auf den Boden gefallenen Früchten das Tier sich gütlich tat.

Es mundete offensichtlich, denn in den Wochen danach tauchte der Dachs fast jeden Abend im Garten auf, pünktlich zwischen halb zehn und zehn Uhr. Die Pensionärin sagt:

«Er ist immer näher gekommen, bis auf drei, vier Meter. Wir konnten uns hinsetzen und zuschauen.»

Selbst die Katze, die ihr Territorium für gewöhnlich aggressiv schütze, habe den Besuch aus dem angrenzenden Wald nicht verjagt, sondern bloss erstaunt beobachtet.

Trotz Zutraulichkeit: Der Dachs ist ein Wildtier

Im Laufe der Zeit wurde der Dachs zum festen Bestandteil des Weishaupt’schen Abendprogramms. «Besser als Fernsehen», sagt die Wolfertswilerin. Auch Freunde und Bekannte liessen es sich nicht nehmen, das furchtlose Tier zu bestaunen. Und natürlich erhielt das temporäre Familienmitglied einen Namen: «Wir haben ihn Domi getauft, nach Dominik Dachs aus den Kinderbüchern.»

Doch so harmonisch wie bei den Weishaupts läuft nicht jeder Dachsbesuch ab, kann der Dachs doch auch Schäden anrichten. Fritz Eggenberger, Jagdleiter bei der Jagdgesellschaft Flawil, warnt:

«Selbst wenn das Tier zutraulich erscheint, es ist noch immer ein Wildtier.»

Normalerweise scheue der Dachs zwar die Nähe des Menschen. «Aber wenn der Hunger gross genug ist, überwindet er seine Angst», erklärt Eggenberger.

Ein Garten mit seinem breiten Nahrungsangebot von Würmern bis Kirschen sei für den Allesfresser ein Glückstreffer. Dass der Dachs auf seiner Nahrungssuche bis in die Gärten vordringt, dazu habe auch der heisse Sommer beigetragen, ergänzt Eggenberger. Im trockenen, harten Waldboden tue sich das Tier schwer damit, Würmer zu finden.

Ein umgepflügter Garten ist kein schöner Anblick

Dabei hinterlässt der Gast oft unerfreuliche Spuren im Garten: Er stochert mit seiner Schnauze nach Regenwürmern oder Larven und pflügt so die Erde um – kein schöner Anblick. «Um an Eiweisse zu gelangen, gräbt der Dachs zum Beispiel oft nach Engerlingen, also Larven von Mai- oder Junikäfern», sagt Fritz Eggenberger. Auch Domi hat eine Vergangenheit als Randale, zeigte er sich doch diesen Sommer nicht zum ersten Mal. Ursula Weishaupt erinnert sich: «Im Frühling und Herbst hat er oft eine Sauerei gemacht. Das hatten wir natürlich nicht gerne.»

Manchmal ist aber auch die Nachlässigkeit des Menschen dafür verantwortlich, dass ein Dachs sich in die Zivilisation vorwagt. Essensreste in Abfallsäcken locken das Tier von weit her an. «Der Dachs hat einen sehr guten Geruchssinn», sagt Jäger Eggenberger.

Der Dachs

Ein ausgewachsener Dachs ist etwa 75 Zentimeter gross und 15 bis 20 kg schwer, hinzu kommt ein 15 Zentimeter langer Schwanz. Er lebt gerne in Wäldern mit Laubbäumen, aber auch in Pärken und in Hecken. Sein Bau kann einen Durchmesser von bis zu 30 Metern haben. In etwa fünf Metern Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Seine Nahrung sucht der Dachs nicht nur im Wald oder an Waldrändern, sondern auch im Rasen, unter Sträuchern oder in Wiesen und Feldern. Regenwürmer sind für den Dachs eine Art «Fastfood» – leicht zu finden, leicht zu fangen, leicht zu fressen und einfach fein.
Zum Aufspüren sticht er immer wieder mit der Nase in den Rasen und schnappt sich den Regenwurm oder die Insektenmade mit der Schnauze. Auch Vogelfutterstellen, Komposthaufen und Kehrichtsäcke sind besonders im Winter willkommene Nahrungsquellen. (Quelle: Amt für Natur, Jagd und Fischerei, Kanton St. Gallen)

Ohne Bejagung gäbe es zu viele Dachse

Welche Möglichkeiten gibt es, den in diesem Fall unerwünschten Störenfried zu vergrämen? Eggenberger empfiehlt den Gartenschlauch oder das Aufstellen einer Falle, um den Dachs danach im Wald wieder auszusetzen. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei führt noch weitere Tipps an, etwa einen niedrigen Elektrozaun rund um den Garten oder den Einsatz intensiver Gerüche natürlicher oder künstlicher Art. Auch der Jäger kann aufgeboten werden. Eggenberger erklärt, dass der Kanton die Bejagung von Dachsen grundsätzlich vorschreibt. Eggenberger sagt:

«Würde der Dachs nicht bejagt werden, gäbe es immer mehr.»

Und mit steigender Population wage sich das Tier wiederum vermehrt in Wohngebiete vor.

Hat der Dachs denn auch positive Seiten? «Eine gute Frage», antwortet Eggenberger mit einem Lachen. Er betont, dass er schon viele Stunden damit verbracht hätte, die Dachse mit ihren Jungen zu beobachten. «Das ist wirklich schön anzuschauen», sagt der Jäger.

In Wolfertswil ist mit dem Zuschauen vorerst Schluss. Mittlerweile trägt der Baum im Garten der Weishaupts keine Kirschen mehr. Und der Dachs liess sich vergangenen Donnerstag zum letzten Mal blicken.

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