«Ein Ton ist nicht einfach ein Ton»

Sie klingt wieder klar und rein, die Orgel in der katholischen Kirche von Wolfertswil. Der «Dorf Feier Abend» bot Gelegenheit, das Ergebnis der Revision zu hören und zu sehen. Das Interesse war beachtlich.

Andrea Häusler
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Grosses Publikumsinteresse am Innenleben der Späth-Orgel. (Bilder: Andrea Häusler)

Grosses Publikumsinteresse am Innenleben der Späth-Orgel. (Bilder: Andrea Häusler)

WOLFERTSWIL. Es ist ein einziger Ton, den Wolfram Fischer auf der 54jährigen Späth-Orgel auf der Empore der Wolfertswiler Bruderklausenkirche anspielt. Dessen Klang jedoch erfüllt den Raum, breitet sich aus, voluminös, schwingend, um leicht vibrierend abzuklingen. «Ein Ton ist nicht einfach ein Ton», sagt Orgelbauer Claudio Galli und zieht einen Vergleich zum Phänomen des Regenbogens. «Der Organist gestaltet aus den Tönen ein Gesamtbild, so, wie der Künstler ein Gemälde schafft. Denn ein Ton setzt sich – abhängig vom Bau der jeweiligen Pfeife – aus mehr oder weniger Teiltönen zusammen.»

Letzte Revision von 20 Jahren

Claudio Galli weiss, wovon er vor den Interessierten in der Kirche spricht. Der Inhaber der Orgelbaufirma Streuli, Schönenwerd, hat die Orgel selbst revidiert. Während sechs Wochen wurden das Pfeifenwerk ausgebaut und gereinigt, Verschleissteile ersetzt oder repariert, die Orgel auf Dichtigkeit geprüft, zusammengebaut und gestimmt.

1995 war die Orgel letztmals generalüberholt werden. Nun soll sie ihren Dienst wiederum 20 Jahre versehen. Obwohl die Bedingungen in der Kirche nicht ideal sind. «Wir arbeiten mit Luftsäulen», sagt Claudio Galli. Wenn die Sonne an das Prospekt scheine und dieses erwärme, steige die Temperaturdifferenz zur Orgel, was sich auf die Zahl der Schwingungen eines Tons auswirke. Rund 0,8 Schwingungen pro Grad Celsius mache es aus. Wenig, wenn ein Ton rund 400 Schwingungen hat. Dennoch verstimme die Orgel, sagt Galli. Ähnlich wirkt sich der rasche Temperaturanstieg im Kirchenraum während der Heizsaison aus. Auch dieser belaste die Stimmung und könne, da die Orgel aus vielen Holzteilen besteht, temporär zu mechanischen Problemen führen.

Faszination bleibt

Die Späth-Orgel mit dem freistehenden Spieltisch, der über eine mechanische Spieltraktur und elektromagnetische Registerzüge mit dem Orgelwerk verbunden ist, gehört – im Vergleich zur orchestralen Goll-Orgel in der Flawiler Kirche Feld – nicht zu den historisch bedeutungsvollsten. Ihre Besonderheiten hat sie gleichwohl. Wolfram Fischer bringt es auf den Punkt: «Sie vermag zu überraschen und immer wieder neu zu faszinieren.»

Claudio Galli und Wolfram Fischer (v. l.) erklären die Funktion der Pfeifen.

Claudio Galli und Wolfram Fischer (v. l.) erklären die Funktion der Pfeifen.

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