Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ein Suchender findet seinen Ort: Wie sich der Künstler Wilhelm Lehman in der Kobesenmühle einlebte

Vor 100 Jahren zog Wilhelm Lehmann mit seiner Frau Klara in die Kobesenmühle in Niederhelfenschwil. Hier fand er definitiv zum Kunstschaffen. In der aktuellen Ausstellung sind Besonderheiten und ein Tagebuch zu sehen.
Zita Meienhofer
Vor 100 Jahren zogen Wilhelm und Klara Lehmann in die idyllisch gelegene Kobesenmühle bei Niederhelfenschwil. (Bild: Zita Meienhofer)

Vor 100 Jahren zogen Wilhelm und Klara Lehmann in die idyllisch gelegene Kobesenmühle bei Niederhelfenschwil. (Bild: Zita Meienhofer)

Wilhelm Lehmann fühlte sich als junger Mann unverstanden von der Familie, von Künstlern, von der Gesellschaft. Er war als Bauernbub 1884 in Wittenbach geboren, war handwerklich begabt und ein kritischer Zeitgenossen. Früh verliess er sein Zuhause, um seinen eigenen Weg zu suchen. Dieser führte ihn zum Kunstschaffen. Einzig bei seiner Frau Klara fand er letztlich jene Akzeptanz, die er brauchte.

Auf der Suche nach einem gemeinsamen Heim stiess das junge Paar auf das Haus in der Kobesen in Niederhelfenschwil, das 1696 erbaut wurde. 1917 wurde das Gebäude, das im einem bedenklichen Zustand war, an Lehmanns überschrieben. Wilhelm Lehman legte selbst Hand an, brachte es in einen bewohnbaren Zustand. Ende 1918 zogen Klara und Wilhelm Lehmann in die Kobesen.

Der Künstler war angekommen, fühlte sich wohl auf diesem Fleck Erde, konnte seine Gedanken entfalten und seinen Ideen freien Lauf lassen. «Ihren neuen Wohnort zu pflegen, zu erhalten und mit Kunst zu beleben, wurde zur Lebensaufgabe der Familie», sagt Markus Lehmann, Präsident der 1984 gegründeten Stiftung, die zum Ziel hat, den Nachlass von Wilhelm Lehmann zu erhalten und zu pflegen.

Die Reisen mit Bilder und Texten dokumentiert

In der aktuellen Ausstellung wird der Schwerpunkt auf Lehmanns Schaffen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts geleget. Zwar schien Wilhelm Lehmann mit dem Umzug nach Niederhelfenschwil seine innere Ruhe gefunden zu haben, doch litt er unter den politischen und gesellschaftlichen Wirren. Markus Lehmann erklärt:

«Die Werke, die er während dieser Zeit geschaffen hat, offenbaren Wut, Unverständis, Sorge – aber auch die Hoffnung auf bessere Zeiten».

Ganz deutlich zeigt sich Wilhelm Lehmanns Reaktion auf die Ereignisse dieser Zeit in einigen Holzskultpuren, unter anderem in jener, auf der er Hitler und Mussolini darstellt.

Die aktuelle Ausstellung widmet sich den Werken Lehmanns zwischen 1900 und 1950. Sie zeigen seine Gedanken zu den Wirren jener Zeit. (Bild: Zita Meienhofer)

Die aktuelle Ausstellung widmet sich den Werken Lehmanns zwischen 1900 und 1950. Sie zeigen seine Gedanken zu den Wirren jener Zeit. (Bild: Zita Meienhofer)

Zum Nachdenken regt ebenso ein in ein Holzkreuz geschnitzter Satz an: «Noch trägt schweigend die Erde Dich Schande lügende Bestie, siehe dein Erbe versinkendes schönen Untergang». Wilhelm Lehmann war ein Feind aller machthungrigen Menschen und der Obrigkeiten, er liebte die Einfachheit. Das widerspiegelt die Begebenheit, die sich in München ereignete, wo er einen Freund besuchte. Statt sich mit der Kunst-Elite zu treffen, ging er in das Hofbräuhaus. In seinen Zeichnungen bringt er das Zusammensein mit den «einfachen Leuten», das ihm viel besser gefiel, sehr schön zum Ausdruck.

Auf Reisen war Lehmann besonders vor seiner Zeit in der
Kobesen. 1913 wanderte er via Wallis in die Westschweiz und dokumentierte das Erlebte im «Tagebuch einer Schweizer Reise» mit wunderbar aussagekräftigen Bildern und klaren Worten. Diesem Buch ist in der aktuellen Ausstellung ein besonderer Platz gewidmet, einige Bilder sind zudem vergrössert zu sehen.

Hinweis
Am Sonntag, 7. April, wird die Ausstellung 2019 in der Kobesenmühle eröffnet. Sie ist jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet; am 5. Mai, 2. Juni, 7. Juli, 4. August, 1. September, 6. Oktober oder auf Anfrage geöffnet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.