Ein stilles Dorf feiert sich selber

Die Affeltranger begehen im nächsten Juli das 1200jährige Bestehen der ehemaligen Ortsgemeinde Zezikon. Obwohl die Jahreszahl womöglich gar nicht stimmt. Fix ist, dass es die politische Gemeinde Affeltrangen seit dem Jahr 1995 gibt.

Esther Simon
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Blick auf Zezikon in der Politischen Gemeinde Affeltrangen, von der Hauptstrasse Lommis–Affeltrangen aus gesehen. (Bild: Reto Martin)

Blick auf Zezikon in der Politischen Gemeinde Affeltrangen, von der Hauptstrasse Lommis–Affeltrangen aus gesehen. (Bild: Reto Martin)

AFFELTRANGEN. War das eine Aufregung vor zwanzig Jahren. Der Grund: Der Thurgau hatte soeben einen alten Zopf aus napoleonischen Zeiten abgeschnitten und die Orts- und Munizipalgemeinden zu den heutigen Politischen Gemeinden zusammengeführt.

Dabei war klar, dass die ganze Geschichte nicht ohne Emotionen über die Bühne gehen konnte. Man stelle sich vor: Die Ortsvorsteher, von denen nicht wenige als kleine Dorfkönige bekannt waren, mussten im Zuge der Reorganisation ihre Macht abgeben. Aber auch über räumliche Zugehörigkeiten wurde gestritten. In der damaligen Munizipalgemeinde Affeltrangen bestanden Gelüste, sich mit Ortsgemeinden in der damaligen Munizipale Bussnang zusammenzuschliessen. Eine Konsultativabstimmung in Märwil bestimmte aber einen anderen Lauf der Geschichte.

Menschen zusammenführen

Tatsache ist, dass die Politische Gemeinde Affeltrangen seit dem 1. Januar 1995 – also seit 20 Jahren – wirkt. Sie besteht aus den ehemaligen Ortsgemeinden Affeltrangen, Buch, Märwil und Zezikon. Der langjährige Gemeindeammann der Politischen Gemeinde Affeltrangen, Hans Matthey, sagt, «dass sich der damalige Zusammenschluss sicher bewährt hat.» Die Gemeinde hat heute mit Märwil und Affeltrangen zwei Zentren, die beide etwa gleich gross sind. In den beiden Dörfern haben sich Gewerbebetriebe angesiedelt, wogegen Buch und Zezikon nach wie vor von der Landwirtschaft geprägt sind. Stolz ist Matthey auf die kulturellen Angebote und auf die vielen aktiven Vereine. Die Politische Gemeinde Affeltrangen will nun ihr 20jähriges Bestehen mit verschiedenen Aktivitäten in den vier ehemaligen Ortsgemeinden feiern. Ziel sei, sagt Matthey, die Menschen aus den einzelnen Dörfern noch besser zusammenzuführen.

Beschädigte Urkunde

In Zezikon begehen die Menschen das 1200jährige Bestehen ihres Weilers. «Wobei die Jahrzahl nicht genau stimmt», räumt der Gemeindeammann ein. «In der Stiftsbibliothek St. Gallen liegt eine leicht beschädigte Urkunde über die Ersterwähnung von Zezikon. Aufgrund dieser Urkunde gehen wir davon aus, dass Zezikon (Zezinchovun) zwischen 813 und 816 erstmals erwähnt worden ist. Da haben wir gedacht, dass wir dieses Jubiläum gleich auch in diesem Jahr feiern.»

Die Gemeindereorganisation war dank der Motion Scheuber zustande gekommen. Kantonsrat Jakob Scheuber – von 1943 bis 1974 freisinniger Gemeindeammann der Einheitsgemeinde Hefenhofen – hatte den parlamentarischen Vorstoss zur Überwindung des thurgauischen Gemeindedualismus 1969 im Kantonsparlament eingereicht.

Hans Mathey Gemeindeammann Affeltrangen (Bild: pd)

Hans Mathey Gemeindeammann Affeltrangen (Bild: pd)