Ein Schuljahresschluss mit Zündstoff:
HPS-Lernende lehren die Feuerwehr
das Gruseln

Das Schuljahr endet für drei Klassen der Heilpädagogischen Schule (HPS) Flawil abenteuerlich. Das geplante Bühnenstück fiel «Conona» zum Opfer, gespielt wurde nun aber trotzdem: vor der Kamera.

Andrea Häusler
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Die Begeisterung steht den Kindern ins Gesicht geschrieben: Peter Looser erklärt den richtigen Umgang mit der Feuerwehrspritze.

Die Begeisterung steht den Kindern ins Gesicht geschrieben: Peter Looser erklärt den richtigen Umgang mit der Feuerwehrspritze.

Bilder: Andrea Häusler

Es brennt. Oder doch nicht? Rauch zieht über den Vorplatz der Heilpädagogischen Schule, schleicht sich durch die Glastüre ins Innere. Rot gekleidete Gestalten mit gelben Baustellenhelmen drängen aus dem Tanklöschfahrzeug der örtlichen Feuerwehr, schieben die seitlichen Rollladen hoch und legen Wasserschläuche aus. Der Rauch wird dichter, beissender Geruch schwängert die Luft. Jemand ruft: «Es stinkt.» Der Bub an der Feuerwehrspritze hält sich theatralisch den Ärmel vor die Nase. Andere husten anhaltender als nötig.

«Kein Problem, der Geruch ist gesundheitlich völlig unbedenklich», sagt Livia Vonaesch, während sie ein weiteres Häufchen Rauchpulver entzündet. Die St. Gallerin ist freischaffende Dokumentarfilmerin und gemeinsam mit Mike Krishnatreya von der Instantview GmbH in Zürich für die professionelle Verfilmung des Stücks «Unser Schulgespenst» verantwortlich. Diese Woche wurde mit 21 Kindern gedreht.

Alternative zur geplanten Theateraufführung

Vorgesehen war die Filmproduktion ursprünglich nicht. Als im März in die Proben und musikalischen Workshops gestartet wurde, gingen Lernende und Lehrpersonen von einer Bühnenaufführung zum Schuljahresschluss aus. Dann kamen die Coronamassnahmen und beendeten die Möglichkeit des gemeinsamen Übens.

Alles aus, alles umsonst? Die Schulleitung, die Lehrerinnen der drei beteiligten Mittelschulklassen sowie Barbara Tacchini, die seit dem Sommer 2019 im Rahmen des Pilotprojekts «Kulturagent.innen für kreative Schulen» als Kulturagentin an der HPS engagiert ist, waren sich einig: Die bisherige Arbeit der Jugendlichen sollte trotz Corona noch in diesem Schuljahr Früchte tragen. Statt auf der Bühne eben auf der Leinwand.

Dann ging alles schnell – auch die Zusage des Filmemacherteams Vonaesch/Krishnatreya. Corona hatte ihre Auftragsbücher ausgedünnt und Zeitfenster für Neues geöffnet.

Die Dreharbeiten waren für alle Beteiligten eine spezielle Herausforderung, eröffneten jedoch auch Chancen. Barbara Tacchini nennt ein Beispiel: «Da mit spontanen Improvisationen und Momentaufnahmen gearbeitet wird, können sich die Jugendlichen künstlerisch freier verwirklichen, als dies auf der Bühne möglich gewesen wäre.» Ausserdem würden die Sonderschülerinnen und Sonderschüler dank der kurzen Drehsequenzen kaum überfordert.

Eine Erinnerungs-CD für alle

Die Begeisterung, die sich in den Augen der Kinder spiegelt, wenn sie den Regieanweisungen horchen, die Filmklappe bedienen oder in ihren Rollen aufgehen, hat auch Barbara Tacchini erfasst: «Alles funktioniert super.» Auch dank einer Filmcrew, der es rasch gelungen sei, Zugang zu den Kindern zu finden und diese mit viel Geduld, Nachsicht und der nötigen Ernsthaftigkeit zu motivieren und anzuleiten.

Mike Krishnatreya ist für die Filmaufnahmen verantwortlich.
4 Bilder
Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Nicht unbedingt: Künstlicher Qualm sorgt vor der Heilpädagogischen Schule Flawil für eine professionell wirkende Filmkulisse.Bilder: Andrea Häusler
Barbara Tacchini gibt Feuerwehr und Schülern Regieanweisungen.
Livia Vonaesch bereitet das Brennpulver für den künstlichen Rauch vor.

Mike Krishnatreya ist für die Filmaufnahmen verantwortlich.

Der HPS-Gruselfilm basiert auf dem Kindertheaterstück «Unser Schulgespenst» von Regina Stephan-Mitesser. Stephanie Angst, Lehrerin an der HPS, hatte dieses aus dem Hochdeutschen ins Schweizerdeutsche übertragen und dramaturgisch geschärft. Hochspannung ist in jedem Fall garantiert: Ein Tag vor den grossen Ferien werden zwei Kinder aus Versehen in der Rumpelkammer der Schule eingesperrt, wo sie Bekanntschaft mit einem Gespenst machen. Auch dieses ist in Bedrängnis, denn sein Zuhause soll zum Computerraum werden. Die Kinder schliessen einen Pakt mit dem Gespenst und der Spuk geht so richtig los.

Der Film wird vor den Sommerferien zweimal schulintern gezeigt. Damit die Erinnerung bleibt, wird er den Kindern später auf CD ausgehändigt und ausserdem auf der Website der Schule aufgeschaltet.

Feuerwehr zwischen Realität und Fiktion

Nach rund einer Stunde ist das imaginäre Feuer gelöscht. Einen realen Brand gab es in und um Flawil zwischenzeitlich nicht. «Sonst wären wir ganz schnell weg gewesen», sagt Peter Looser, Materialwart beim Sicherheitsverbund Gossau, der das Feuerwehrfahrzeug gemeinsam mit Simon Freund an den Drehort gefahren und die Darsteller, aber auch das Filmteam instruiert hatte. «Egal, ob die Szenen im Kasten gewesen wären oder eben nicht.»