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Schwankende Trends und ein Ringen um Aufmerksamkeit: So geht es den Musikschulen der Region Wil

Fünf Musikschulen aus der Region zeigen auf, welche Themen und Probleme sie zurzeit beschäftigen. Dabei gehen ihre Ziele oftmals in ähnliche Richtungen. Eine Übersicht, von Wil bis Flawil.
Nicola Ryser
Die Anzahl Fachbelegungen beziehungsweise Anmeldungen für Instrumentalunterrichte blieben in den vergangenen Jahren nahezu gleich. Dennoch müssen die Musikschulen der Region aktiv bleiben. (Bild: PD)

Die Anzahl Fachbelegungen beziehungsweise Anmeldungen für Instrumentalunterrichte blieben in den vergangenen Jahren nahezu gleich. Dennoch müssen die Musikschulen der Region aktiv bleiben. (Bild: PD)

Digitalisierung, Videogames, Sportvereine: Die Jugend hat immer mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten. Das spüren auch die Musikschulen der Region. Wie sie trotzdem Kinder und Jugendliche für die Musik begeistern können und welche Faktoren dabei am wichtigsten sind, erklären fünf Schulleiter aus Wil, Uzwil, Flawil und Degersheim.

Wil-Land: Dichte Stundenpläne bei den Kindern

Kürzlich hat die Musikschule Wil-Land ihr 40-Jahr-Jubiläum zelebriert. «Wenn man nun zurückschaut, muss man feststellen, dass wir eine tolle Kulturinstitution geworden sind. Uns geht es ganz gut», beschreibt Schulleiter Christoph Indrist den aktuellen Stand. Mit der Entwicklung sei man zufrieden, und auch die Schülerzahlen bewegten sich im stabilen Bereich – mit leicht ansteigender Tendenz. «In den letzten drei Jahren hatten wir bei den Fachbelegungen einen leichten Zuwachs von knapp zwei Prozent.»

Musikschule Wil-Land

Gründung: 1978
Schüler: 518
Fachbelegungen: 553
Lehrer: 25
Instrumente: 28

Dennoch ist dem Schulleiter nicht entgangen, dass die ausserschulischen Angebote für die Kinder und Jugendliche – und somit Alternativen für den Musikunterricht – um einiges vielfältiger geworden sind. «Die Stunden- und Wochenpläne mit Schule, Musik und Sport sind bei den Jungen so dicht gefüllt wie bei manch Vollzeit arbeitendem Erwachsenen», sagt Indrist. Da beispielsweise auch in Sportvereinen das Niveau hoch sei, müssten die Kinder vermehrt Kompromisse eingehen und sich früher oder später für eine Richtung entscheiden.

Wie will man da als Musikschule attraktiv bleiben? «Wir versuchen, Projekte zu organisieren und Ensembles zu formieren. Erst kürzlich haben wir für die Fasnacht in Lenggenwil eine Guggenmusik zusammengestellt.» Durch das Integrieren in Ensembles, Musikvereinen, Chören oder Bands sollen die Schülerinnen und Schüler so lange wie möglich in der Musik der Region aktiv sein. Indrist bleibt optimistisch: «Wir spüren die Wertschätzung in der Bevölkerung. Darum wollen wir weiterhin das Kulturleben in der Region mitgestalten.»

Uzwil: Je früher sie integriert sind, desto länger bleiben sie

Um die Kinder für Musik zu begeistern und zu sensibilisieren, versucht die Musikschule Uzwil, potenzielle Schüler möglichst früh zu integrieren. «Seit zwei Jahren organisieren wir Musikzwergli-Kurse. Dahinter steckt ein ähnliches Konzept wie beim Muki-Turnen», erklärt Schulleiter Patrick Hilb. Kinder zwischen eineinhalb und drei Jahren dürfen dabei mit ihren Eltern erstmals «Musik machen».

Musikschule Uzwil

Gründung: 1980
Schüler: 225
Fachbelegungen: 330
Lehrer: 25
Instrumente: 20

Auch ein Folgekurs für Kinder von drei bis fünf Jahren ist im Angebot. Im Kindergarten bietet die Schule zudem Rhythmuskurse oder kreativen Kindertanz an, jeweils im Frühling wird eine Instrumentenvorstellung veranstaltet, bei welchem Erst- und Zweitklässler die Instrumente kennenlernen. «Wir wollen den Kindern früh die Chance geben, mit Musik in Berührung zu kommen. Je früher sie sich dann für uns entscheiden, desto länger wollen sie bleiben.»

Hilb unterstreicht zudem einen weiteren essenziellen Aspekt, um die Kinder für die Musikschule zu begeistern: die soziale Integration. «Unser Musiklager im Herbst und der Jugendchor Xangbox stossen auf grossen Anklang. Die anderen Ensembles und die regelmässige Zusammenarbeit mit der Jugendmusik Uzwil sind uns auch sehr wichtig.»

Patrick Hilb, Leiter der Musikschule Uzwil

Patrick Hilb, Leiter der Musikschule Uzwil

Aktuell bleiben die Schülerzahlen gleich, vor allem bei den Ensembles wolle man jedoch noch zulegen. «Für die Kinder ist es wichtig, dass sie auf eine Veranstaltung hin üben können, beispielsweise ein Schülerkonzert mit dem Ensemble», erklärt Hilb. Gleichzeitig dürfe die Öffentlichkeitarbeit nicht vernachlässigt werden, denn es steht Grosses an: «2020 feiern wir unser 40-Jahr-Jubiläum.»

Flawil: Vernetzung und Lehrkräfte als wichtigste Faktoren

Die Schülerzahlen an der Musikschule Flawil bewegen sich auf stabilem Niveau, bei den Lehrerposten kommt es nur zu wenig Fluktuationen. Nichtsdestotrotz beschäftigt sich Leiterin Ursula Jaggi mit der Attraktivität der Musikschule: «Viele Schülerinnen und Schüler sind gleichzeitig in einem Sportverein aktiv. Wenn sie dann dreimal in der Woche trainieren müssen und sich nicht mehr organisieren können, melden sie sich bei uns ab. Die Konkurrenz ist gross.»

Musikschule Flawil

Gründung: 1973
Schüler: 300
Fachbelegungen: 450
Lehrer: 22
Instrumente: 20

Um aktiv und attraktiv zu bleiben, will sich die Musikschule in der Gemeinde und Region vernetzen. Dafür brauche es Präsenz, betont Jaggi: «Wir bekommen immer wieder Anfragen aus der Gemeinde. So musiziert das Bläserensemble am Neuzuzügerempfang, weitere Ensembles treten an Bürger- und Hauptversammlungen oder auch Jubiläen – beispielsweise beim b’treff – auf.» Jede Veranstaltung wird dadurch auch zur Eigenwerbung. «Ausserdem haben wir kürzlich mit der Gründung eines Jugendorchesters gemeinsam mit Degersheim eine für beide Seiten gewinnbringende Zusammenarbeit starten können.»

Mädchen in der Überzahl, Blasinstrumente in der Krise

Mädchen spielen lieber ein Instrument, Buben bevorzugen Fussball. Dies ist zwar ein Klischee, trifft beim Geschlechtervergleich der Musikschulen – zumindest teilweise – zu. So sind die Mädchen in Überzahl. Nur: Die Buben holen auf, unter anderem wegen des wachsenden Angebots bei den Perkussionsinstrumenten. Das Schlagzeug ist denn auch eines der beliebtesten Instrumente, gefragt sind zudem Gitarre, Klavier und Gesang. Immer mehr in Trend kommen traditionelle Instrumente wie Handörgeli oder Hackbrett. Auf der anderen Seite haben vor allem Blasinstrumente, sprich Klarinette, Querflöte oder Saxophon, mit wachsendem Desinteresse zu kämpfen. Ursula Jaggi aus Flawil gibt ein Beispiel: «Es gab Zeiten, da sind wir mit 18 Saxophonisten ins Musiklager gereist. Heute sind es noch zwei.» Die Schulleiter können sich diese Krise nicht erklären, hoffen jedoch, dass sich die Zahlen bald wieder stabilisieren. (nir)

Ursula Jaggi, Leiterin der Musikschule Flawil

Ursula Jaggi, Leiterin der Musikschule Flawil

Was Jaggi ebenfalls feststellt: Machen die Lehrpersonen einen qualitativ guten Job, besuchen auch mehr Schüler den Unterricht – und bleiben der Schule länger erhalten. «Unser Ziel ist, dass die Schülerzahlen wieder steigen. Da unsere Lehrkräfte sehr gut arbeiten, befinden wir uns auf dem richtigen Weg.» Jaggi sieht die Zukunft der Musikschule Flawil deshalb als gesichert. Zudem stünden verheissungsvolle Veränderungen bevor: «Wir planen ein neues Musikzentrum, zusammen mit dem Neubau der Turnhalle. Darüber wird das Volk in absehbarer Zeit entscheiden können.»

Wil: Grosse Diskrepanz bei den Instrumententrends

In den vergangenen 30 Jahren seien nur kleine Veränderungen bei den Schülerzahlen erfolgt, sagt Urs Mäder, Leiter der Musikschule Wil. Natürlich gebe es noch Verbesserungspotenzial, doch der Schule gehe es aktuell gut. Ein Drittel der Volksschüler der Stadt Wil seien immerhin Teil der Musikschule. «In der Stadt sind wir nahe bei der Schule. Was sich im Vergleich zu früher geändert hat, ist das Angebot, das wir breiter gestalten.»

Musikschule Wil

Gründung: 1978
Schüler: 1063
Fachbelegungen: 1212
Lehrer: 38
Instrumente: 25

Waren es in der Zeit vor der Musikschule nur Gitarre, Klavier oder Geige, sind es heute auch spezielle Angebote wie Ukulele- oder Harfenkurse, «die übrigens sehr gut besucht werden». Teilweise sei jedoch eine grosse Diskrepanz zwischen den Instrumententrends entstanden. Während Klavier oder Streichinstrumente sehr gut besucht werden, sinkt das Interesse für die Querflöte stark (siehe Infobox unten). «1996 hatten wir noch 57 Schülerinnen und Schüler für dieses Instrument, jetzt sind es fünf.»

Die Ursache für solche Trends seien schier unmöglich zu ergründen. «Vielleicht sind die Interessen der Peergruppe entscheidend. Heisst: Wenn der Kollege Gitarre spielt, mache ich das auch», sagt Mäder. Auch gesellschaftliche Entwicklungen, die Lehrpersonen oder Eltern könnten wichtige Faktoren sein, «das ist jedoch schwierig zu eruieren».

Urs Mäder, Leiter der Musikschule Wil

Urs Mäder, Leiter der Musikschule Wil

Was Mäder mehr beschäftigt, ist die Infrastruktur. «Wir nutzen die Räumlichkeiten vom Sonnenhof und Lindenhof, die nicht immer für Musikunterricht geeignet sind. Weil wir an mehreren Orten platziert sind, können wir auch nicht optimal als eine Institution funktionieren.» Das Thema Schulraumplanung ist mit dem Projekt Schule 2020 derzeit sehr aktuell. Leider seien die Anliegen der Musikschule nicht in diese Planung eingeflossen, sagt Mäder. Er erhofft sich diesbezüglich nun Unterstützung von der Bevölkerung.

Degersheim: Prioritäten haben sich verändert – bei Kind und Eltern

Kein Problem mit der Infrastruktur hat die Musikschule Degersheim. «Alle Räume befinden sich auf einer Schulanlage, was uns sehr entgegenkommt», sagt Leiterin Trudi Stutz. Bei den Schülerzahlen sei die Tendenz leicht sinkend, dies sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung. Momentan hätte man geburtenschwache Jahrgänge, längerfristig würden die Schülerzahlen wieder ansteigen.

Musikschule Degersheim

Gründung: 1977
Schüler (Volksschule): 500
Fachbelegungen: 200
Lehrer: 14
Instrumente: 18

Stutz nimmt jedoch eine veränderte Priorisierung wahr – unter Schülern wie auch Eltern. «Da wir professionell ausgebildete Lehrpersonen haben, hat die Schule ihren Preis. Teilweise entscheiden sich die Eltern eher dafür, das Geld nicht in Musiklektionen für die Kinder, sondern in andere Dinge zu investieren.» Zudem spüre sie, dass die Kinder mehreren Hobbys nachgehen – und somit das Üben mit dem Instrument vernachlässigen. «Im Sport hat man ein- bis zweimal in der Woche Training, sonst kann man die Beine hochlegen. In der Musikschule wiederum muss man auch ausserhalb der Lektionen üben. Das kann für Kind und Eltern schnell zum Krampf werden.»

Trudi Stutz, Leiterin der Musikschule Degersheim

Trudi Stutz, Leiterin der Musikschule Degersheim

Trotzdem sei die Musikschule in Degersheim relevant, ja sogar verankert. «Bei sehr vielen jungen Familien ist mindestens ein Elternteil hier aufgewachsen und hat die Musikschule besucht. Dadurch finden auch ihre Kinder den Weg zu uns.» Sehr viele Eltern erkannten auch den positiven Einfluss des Musikunterrichts auf die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder. Die Zahlen geben Stutz Recht: «Mit 200 Fachbelegungen in einem 4000-Seelen-Dorf können wir sehr zufrieden sein.»

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