Ein Regierungsrat als Schirmherr

Die IG Kultur Wil möchte die Liegenschaft Turm als Haus der Kultur nutzen. Der Vorstand fordert den Stadtrat auf, einen Grundsatzentscheid zu treffen und überlegt sich, auf kommunalpolitischer Ebene aktiv zu werden. Nun erhält die IG ideelle Unterstützung durch Stefan Kölliker.

Philipp Haag
Drucken
Teilen
Regierungsrat Stefan Kölliker füllt in Anwesenheit von IG-Kultur-Wil-Präsident Rolf Benz den Antrag auf Mitgliedschaft aus. (Bilder: Philipp Haag)

Regierungsrat Stefan Kölliker füllt in Anwesenheit von IG-Kultur-Wil-Präsident Rolf Benz den Antrag auf Mitgliedschaft aus. (Bilder: Philipp Haag)

WIL. Die IG Kultur Wil hat eine Vision: In der Liegenschaft zum Turm an der Tonhallestrasse soll ein Haus der Kultur eingerichtet werden. Die Vision harrt allerdings ein Jahr nach der Lancierung nach wie vor der konkreten Planung, da sich der Stadtrat noch nicht entschieden hat, wie das Gebäude in Zukunft genutzt werden soll. «Wir verlangen von der Stadtregierung einen baldigen Grundsatzentscheid», sagte Rolf Benz, Präsident der IG Kultur Wil, an der zweiten Mitgliederversammlung vom Montagabend. Benz konnte seine Enttäuschung über den Stadtrat nicht ganz verbergen. «Bis anhin haben wir kein Signal erhalten, ob die Räume für die Kultur zur Verfügung stehen», sagte er. Er sprach eine Nutzungsstudie an, die das Departement Bau, Umwelt und Verkehr in Auftrag gegeben hat. «Ergebnisse sind uns bis heute keine bekannt.» Der IG-Kultur-Vorstand fordert, bei der Erarbeitung der Nutzungsstudie einbezogen zu werden, «damit die kulturellen Anliegen einfliessen».

Der IG beigetreten

Um das Ziel eines Kulturzentrums unterhalb der Altstadt zu erreichen, holt sich die IG Kultur prominente Unterstützung an Bord. Der in Maugwil wohnhafte SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft für das Haus der Kultur zu übernehmen. Noch am Versammlungsabend trat er der IG Kultur Wil bei. Er riet zu einer Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Kanton, da auch der Kanton Gelder für ein derartiges Projekt zur Verfügung stellt, beispielsweise über den Lotteriefonds. Auf kommunalpolitischer Ebene möchte die IG Kultur ebenfalls verstärkt aktiv werden. Um einen Schritt weiter zu kommen, «der Stadtrat aber anscheinend nicht bereit ist, einen Entscheid zu fällen», wie das IG-Kultur-Vorstandsmitglied Sebastian Koller sagte, überlegt sich der Vorstand, einen parlamentarischen Vorstoss auszuarbeiten. Der Stadtparlamentarier sieht in einer Motion die effizienteste Möglichkeit. Koller ist sich aber bewusst, dass der Vorstoss nur eine Chance hat, von den Mitgliedern des Stadtparlaments als erheblich erklärt zu werden, wenn bei den Fraktionen starke Lobbyarbeit betrieben wird.

Es gab am Versammlungsabend auch warnende Stimmen. Ein Mitglied riet, zuerst die Ergebnisse der Nutzungsstudie abzuwarten, weil ansonsten die Motion im Parlament chancenlos sei. Auch die ehemalige Wiler Stadträtin Susanne Kasper sprach sich für Zurückhaltung aus. «Wenn die Motion beim Parlament durchfällt, stehen wir vor einem Scherbenhaufen.» Der Entscheid, ob und mit welcher Formulierung, eine Motion aufgegleist werden soll, fällt der Vorstand bei einer Sitzung am Wochenende. Im Anschluss geht der Motionstext bei den Mitgliedern in eine Vernehmlassung. Denn Koller erachtet es trotz der Bedenken als sinnvoll, «mit dem Anliegen nun auf die parlamentarische Bühne zu treten».

Liegenschaft ist prädestiniert

Dass das Bedürfnis nach einem Haus der Kultur bei den kulturtragenden Vereinen von Wil besteht, davon ist der IG-Kultur-Vorstand überzeugt. In der Stadt mangle es an Proberäumen, an Infrastrukturräumen für die Aufbewahrung von Kulissen, Kostümen und ähnlichem sowie an bezahlbaren Aufführungsorten für mittlere und kleinere Vereine. «Unsere Abklärungen haben ergeben, dass die Liegenschaft zum Turm für eine kulturelle Nutzung mehr als prädestiniert ist», sagte Benz. Die Umnutzung nach dem Auszug der Sicherheitsverbunds Region Wil in den Neubau an der Bronschhoferstrasse im nächsten Jahr kann laut Benz ohne gravierende Eingriffe in die Bausubstanz erfolgen. Insgesamt stehen 2700 m² zur Verfügung, wobei 962 m² als Lagerräume geeignet sind und 959 m² als Veranstaltungsräume, inklusive der grossen Fahrzeugeinstellhalle im Parterre. Die IG Kultur beharrt nicht auf einer ausschliesslichen Nutzung durch die Mitgliedsvereine, sondern kann sich durchaus eine gemischte Nutzung vorstellen, beispielsweise mit der Musikschule.

Mobile Zuschauertribüne

Gute Nachrichten konnte Benz zur zweiten Forderung der IG Kultur vermelden, der Anschaffung einer mobilen und modularen Zuschauertribüne für den Stadtsaal und andere Aufführungsorte. Abklärungen der Stadtverwaltung hätten ergeben, dass eine Anschaffung für 80 000 Franken möglich sei. Nun hofft Benz, dass der Stadtrat einen entsprechenden Betrag ins Budget 2017 aufnimmt.

Die Liegenschaft zum Turm soll den kulturtragenden Vereinen in Wil als Probe- und Aufführungsort zur Verfügung stehen.

Die Liegenschaft zum Turm soll den kulturtragenden Vereinen in Wil als Probe- und Aufführungsort zur Verfügung stehen.

Aktuelle Nachrichten