Ein Radprofi wird Bademeister

Die Gemeinde Aadorf hat seit dem 1. März einen sportlichen Leiter für Hallen- und Freibad. Der Elgger Marco Diem fuhr 16 Jahre lang Radrennen. In seinem neuen Job will er anpacken – und der Figur wegen wieder aufs Velo steigen.

Nina Ladina Kurz
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Der neue Leiter des Hallen- und Freibads Aadorf hat gut lachen. Seit dem 1. März steht er im Einsatz – und möchte regelmässig von Elgg mit dem Velo zur Arbeit fahren. (Bild: Nana do Carmo)

Der neue Leiter des Hallen- und Freibads Aadorf hat gut lachen. Seit dem 1. März steht er im Einsatz – und möchte regelmässig von Elgg mit dem Velo zur Arbeit fahren. (Bild: Nana do Carmo)

AADORF. Marco Diem ist motiviert. Und wie. Mit Schalk in den Augen sagt der 50-Jährige, es sei für ihn genau der richtige Zeitpunkt für eine neue Aufgabe. Er wolle anpacken als neuer Betriebsleiter für Hallen- und Freibad der Gemeinde Aadorf. Mit fachkundigem Blick geht er über die Baustelle beim Freibad. Dass er bereits während des Umbaus mitreden darf, freut ihn. «Vor allem bei der Anzahl Steckdosen, beim Material der Böden sowie bei den sanitären Anlagen werde ich ein Auge darauf werfen.»

Der gelernte Schreiner weiss, wovon er spricht. Seit über 20 Jahren ist er bereits als Hauswart tätig, vor zehn Jahren machte er den eidgenössischen Fachausweis für Hauswartungen. Viele Jahre arbeitete er in leitenden Positionen, zuerst bei der Schweizerischen Post, später als Freibadleiter in Elgg und zuletzt als Teamchef im Strandbad Meilen. Er sei ein Allrounder: Schreiner, Elektriker, Maler, Klempner – «halt eben von allem das Wichtigste».

Dreimal den Rücken gebrochen

Der gebürtige Elgger ging nicht immer den einfachsten Weg. 16 Jahre lang fuhr er Radrennen, fünf Jahre davon als Profi. Rund 100 Rennen hat er in dieser Zeit gewonnen. «Auf diese Erfolge bin ich immer noch stolz. Die kann mir niemand mehr nehmen.»

1988 war er sogar als Olympiakandidat gesetzt. Im Wintertraining in Magglingen verunfallte der dazumal 24-Jährige jedoch, stürzte über eine Treppe und brach sich dreimal den Rücken. «Das ärgert mich natürlich heute noch. Ich bin überzeugt, dass ich in Seoul eine Medaille hätte gewinnen können.» Ein Jahr später verhalf er seinem Teamkollegen Beat Breu zum Sieg an der Tour de Suisse. Viermal war er bei der Tour de Suisse dabei. 1990 wurde er in der Bergetappe Lenzerheide selbst Zweiter und belegte zum Schluss den 16. Gesamtrang. «Das war eine echt verrückte und spannende Zeit.»

Der Kreis schliesst sich

1993 beendete er seine Profikarriere. «Man muss ja wissen, wann es genug ist.» Ein Teamplayer sei er aber immer noch. Nicht jemand, der immer zu allem Ja und Amen sage, aber doch jemand, der Kompromisse eingehen könne. Mit der Stelle im Hinterthurgau schliesst sich für Marco Diem der Kreis. In Aadorf hatte er bei der Schreinerei Bachmann als Teenager seine Lehre gemacht. Elgg hat er während all den Jahren nicht verlassen. Mit seiner Frau hat er drei Kinder im Teenageralter und feiert mit ihr in diesem Jahr das 20. Hochzeitsjubiläum.

Das Radrennfahrer-Trikot will er nicht mehr anziehen – aber wieder auf dem Sattel sitzen. Sobald es wieder warm sei, komme er mit dem Velo zur Arbeit.