Ein Plädoyer für Wertschätzung

Wertschätzung im Alter Ausgabe vom 22. Oktober 2015

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Aus dem Leserbrief von Ernst Hempele vernehme ich, dass in den Medien täglich Entscheide von Bundesrätin Sommaruga zu lesen seien, die nicht dem Volkswillen entsprächen. Wer ist das Volk? Nicht Sie allein, Herr Hempele. Wir alle, die wir hier in der Schweiz leben, wir sind das Volk. Bundesrätin Sommaruga entscheidet nicht allein, die sieben Mitglieder des Bundesrates entscheiden im Gremium bzw. führen aus, was das Parlament beschliesst oder wir als Volk bei Abstimmungen. Von wem werden, wie von Ihnen beschrieben, ständig die Alten an den Pranger gestellt? Was hat das mit syrischen Flüchtlingen zu tun? Äpfel und Birnen zu vergleichen, geht nicht. Ich schätze mich glücklich, dass ich in der Schweiz lebe, wo wir ein einzigartiges Politsystem haben. Deshalb schaue ich, trotz gewissen Schwierigkeiten, zuversichtlich in die Politzukunft.

Unlängst haben wir als Volk ausgewählt und bestimmt, wer uns im politischen Bern vertreten soll. Was herausgekommen ist, stellt die Meinung des Stimmvolkes dar. Auch ich bin nicht mit allen Gewählten zufrieden bzw. habe zum Teil anders abgestimmt. Aber da wir in einer Demokratie leben, muss ich das so akzeptieren können.

Die Wertschätzung im Alter beginnt für mich nicht erst in Bundesbern. Das fängt im Alltag an. Zum Beispiel, indem wir bei einer Begegnung grüssen oder uns für einen Schwatz mit einem älteren Menschen Zeit nehmen. Ich plädiere für Wertschätzung und Respekt gegenüber jedem Menschen, egal welchen Alters, Hautfarbe oder Meinung. Leider geschieht dies längst nicht immer. So warten einige Leute seit August 2014 auf eine Bushaltestelle beim Wohn- und Pflegeheim Lindenbaum in Weieren, Gemeinde Zuzwil. Im Winter, im vergangenen heissen Sommer, bei starkem Wind auf offener Wiese müssen (meist ältere) Besucher auf der Wiese wartend ausharren, bis der Bus kommt. Seitens Gemeinde wurde darüber informiert, ich kann es nicht nachvollziehen. Ich hätte die Prioritäten anders gesetzt, eben Wertschätzung zuoberst. Meiner Meinung nach hätten spätestens am Tag der offenen Tür des Lindenbaums im Oktober 2014 die Haltestellen mit Sitzbank im Windschutz stehen müssen. In diesem Fall eben Wertschätzung gegenüber den älteren Mitmenschen und vor allem auch dann, wenn diese nicht mehr eine laute Stimme haben, um sich zu wehren. Sie haben nämlich sehr viel zu unserem heutigen Wohlstand beigetragen. Dazu sage ich danke.

Bernadette Lenherr Traubenstrasse 2 9523 Züberwangen