Ein Phantom für das Herz

Das Jugendorchester Wil führte unter der Leitung von Martin Baur in der Lindenhof-Aula sein Filmmusik-Programm auf. Das Publikum war begeistert.

Drucken
Teilen
Das Jugendorchester bei seinem Auftritt in der Lindenhof-Aula. (Bild: Matthias Staubli)

Das Jugendorchester bei seinem Auftritt in der Lindenhof-Aula. (Bild: Matthias Staubli)

WIL. Es waren sicher nicht wenige Blicke, die im Laufe der Probe am Sonntagnachmittag zu den Fenstern wanderten, vor denen sich spätsommerlicher Sonnenschein zeigte: Wegen unsicherer Wetterlage war der Auftritt von der Open-Air-Bühne in der Wiler Altstadt in den Lindenhof verlegt worden. Phantastisch wäre es für das Jugendorchester gewesen, dort aufzutreten, erst recht mit diesem Programm: Rund 70 Jugendliche spielten die grossartigsten Werke aus Film und Musical. Doch die Laune liessen sich die jungen Musikerinnen und Musiker trotz allem nicht verderben, sie rückten enger zusammen, auch das Publikum. Die Zuhörerinnen und Zuhörer füllten die Aula bis auf den letzten Platz, nachdem es den vom Förderverein ausgerichteten Apéro genossen hatte.

Als es noch Helden gab

Die heroisch-epische Musik aus «King Arthur» eröffnete das Konzert und bewegte die Zuhörer vom ersten Takt an. Mächtige Klänge, martialische Rhythmen – eine ganz andere Zeit, als es noch echte Helden gab, entstand mit Leichtigkeit vor dem inneren Auge. Auf den Britischen Inseln blieb man auch mit den folgenden Stücken: Der nicht minder ergreifende Soundtrack von «Lord of the Rings» mit einem Gesangssolo von Lena Rüegsegger, und vor allem «Lord of the Dance» rissen das Publikum zu ersten Applausstürmen hin. Es war sicht- und hörbar, wie sehr die Jugendlichen mit dieser Musik verbunden sind.

Momente fürs Herz

Nachdem fast schon zum Standard für Filmmusikkonzerte gewordenen «Fluch der Karibik» standen mit Andrew Lloyd Webbers «Phantom of the Opera» und «Evita» zwei Musicals auf dem Programm, deren Handlung trotz aller Tragik und Dramatik vom Komponisten mit ungemein ansteckender Lebensenergie und -freude, aber auch tiefsten Emotionen umgesetzt und von den Jugendlichen entsprechend aufgegriffen wurde: Ein regelrecht explodierender Rock-Samba «Buenos Aires», als die junge Eva Duarte sich auf den Weg in die Hauptstadt macht, die berühmte Chromatik am Beginn des «Phantoms», die an Theatralik kaum zu überbieten war, und ergreifende Songs in «Don't cry for me Argentina» oder aus dem «Phantom» in Christine's «Think of me»: Es waren grosse Momente fürs Herz.

Standing Ovations zum Schluss

Das «Evita»-Medley erlebte in Wil eine Uraufführung, war quasi im Reisegepäck nach Polen, ebenso die «Forrest Gump»-Suite, die das Konzert abschloss. Dirigent Martin Baur vollbrachte eine Meisterleistung, indem er die bei Soundtracks häufigen Rhythmus- und Tempo-Wechsel im Griff hatte: Präzise muss das neue Tempo bereits in der Vorstellung präsent sein, ein Verzählen der Takte hätte fatale Auswirkungen und die Einsätze müssen souverän gegeben werden. Diese Leistung, zusammen mit der klanglichen und rhythmischen Beweglichkeit des Wiler Jugendorchesters, führte zum Schluss zu Standing Ovations des Publikums.

«Popsanto» zu Weihnachten

Die nächsten Projekte des Jugendorchesters Wil sind «Die kleine Entführung» in der Tonhalle am 16. und 17. November 2013 sowie «Popsanto» in der Weihnachtszeit. (can)

Weitere Infos auf popsanto.ch und jugendorchester-wil.ch.