Ein paar faule Eier engagiert

MÜNCHWILEN. Nach zweieinhalb Jahren Konzerten in der Bluesfabrik ist der Turnaround noch immer nicht geschafft. Die Ablösung von der ehemaligen Skihütte hat die Nachfolger fast sämtliche ehemaligen Zuschauer gekostet.

Michael Hug
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Al Jones und seine neue Gitarristin Yvonne Isegrei aus Bayern beendeten am Donnerstagabend in der Bluesfabrik das Winterhalbjahr. (Bild: Michael Hug)

Al Jones und seine neue Gitarristin Yvonne Isegrei aus Bayern beendeten am Donnerstagabend in der Bluesfabrik das Winterhalbjahr. (Bild: Michael Hug)

Nach mehr als zwei Jahren und rund zwei Dutzend Konzerten scheint sich das Geschehen in der Bluesfabrik zu wiederholen. Vor zwei Jahren beendete der damals neu auf den Plan getretene Blueskonzertveranstalter sein erstes Semester. Vorgestern, also genau zwei Jahre danach, stand mit Al Jones derselbe Künstler auf der Bühne wie im April 2012. Jones und seine Band rissen damals einen schlaftrunkenen Abend aus der Lethargie. Diesmal mussten sie es nicht tun – das Publikum liess sich von Anfang an für den Deutsch-Amerikaner und seine neue Gitarristin an seiner Seite begeistern. Das Publikum wusste diesmal, warum es hier war und den Eintrittspreis bezahlt hatte.

Die Ereignisse wiederholen sich

Die Ereignisse wiederholen sich: Vor gut zwei Jahren startete die Bluesfabrik, nachdem ein Wiederbelebungsversuch der Skihütte mit dem «Roots» aufgrund unterschiedlicher Auffassungen der beiden Organisationspartner gescheitert war. Noch konnte damals die neue Bluesfabrik auf einen Teil des früheren Skihütten-Publikums vertrauen. Doch die Bluesfabrik erreichte in der Folge nie das Qualitätsniveau seiner beiden Vorgänger, was schliesslich dazu führte, das auch die letzten Skihütten-Mohikaner zu Hause blieben. Sie wurden durch ein ganz neues Publikum abgelöst. Doch auch dieses goutierte nicht alles, was es vorgesetzt bekam, die Reihen im Saal lichteten sich wieder. Im dritten Jahr schrumpfte die Zuschauerzahl schliesslich auf die Hälfte der notwendigen 100 pro Konzert.

Fehler gemacht

«Wir haben Fehler gemacht, das gebe ich zu», sagte Rudolf Laubacher, der Programmmacher. Er habe auf die Schweizer Szene setzen wollen und dabei manch faules Ei engagiert. Laubacher: «Die Schweizer Szene der guten Blueser ist einfach zu klein.» Doch sie sei wenigstens bezahlbar, wendet der umtriebige Booker, der auch das Bluesfestival Frauenfeld organisiert, ein: «Eine Band aus den USA kann ich unmöglich alleine in die Schweiz bringen, die Kosten werden viel zu hoch.» Da müssten ein paar Veranstalter zusammenhalten, damit die Reisespesen im Rahmen blieben. Doch jeder schaue nur für sich, vorab die, die das Budget für grosse Namen hätten.

Eine feine Nase

Es braucht nicht die grossen Namen, wie das Konzert mit Al Jones, dem US-Amerikaner, der in Amerika seine Sporen abverdient hat und heute in Deutschland lebt, bewies. Es braucht nur eine feine Nase für gute Musiker, um das Publikum zufriedenzustellen. Die Szene in den USA ist derart gross, dass selbst die namenlosen Hinterbänkler den übersatten Schweizer Musikkonsumenten zu gutem Blues und einem entsprechend stimmungsvollen Abend verhelfen können. Der Blueser Al Jones ist in diesem Sinn ein Synonym für einen erneuten Aufbruch der Bluesfabrik, im September ins zweite Semester des dritten Jahres. «Wir sind auf einem guten Weg», so Ruedi Laubacher, optimistisch wie stets. Es ist der Weg der letzten Chance.

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