Ein Ofen auf Wanderschaft

WITTENWIL. 1790 wurde im Schloss Hard in Ermatingen ein bemalter Ofen aus Steckborn aufgebaut. Das Schloss gibt es nicht mehr. Doch der schmucke Heizkörper findet nach zwei Abbrüchen nun im Schloss Wittenwil eine neue Bleibe.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen
Hafner Claudio Sasso und Architekt Gabriel Müller besprechen im Wohnzimmer des Schlosses Wittenwil Details des Wiederaufbaus des Steckborner Ofens. (Bild: Olaf Kühne)

Hafner Claudio Sasso und Architekt Gabriel Müller besprechen im Wohnzimmer des Schlosses Wittenwil Details des Wiederaufbaus des Steckborner Ofens. (Bild: Olaf Kühne)

«Wir sind schon in der Pfadi zusammen durch alte Häuser geschlichen», sagt Gabriel Müller. Der Frauenfelder Architekt steht im Wohnzimmer des Schlosses Wittenwil und schaut seinem Jugendfreund Claudio Sasso über die Schultern. Die beiden verbindet ihre Liebe zu altem Baukulturgut. In Wittenwil sind sie aktuell voll in ihrem Element. Müller ist seit einem Jahr dabei, das Gebäude mit bald 800jähriger Geschichte umzubauen und zu restaurieren. Ein privater Besitzer will hier im Frühling zwei Wohnungen vermieten. Noch lässt die Baustelle aber nur erahnen, welche Pracht dereinst auf je 250 Quadratmetern die neuen Bewohner empfangen wird.

Novilon und Spannteppiche

«Uns bot sich anfänglich ein demodiertes Bild», erinnert sich Müller. «Über wunderschöne Deckenmalereien waren Spanplatten geschraubt, über den Parkettböden lagen Novilon und Spannteppiche.» Dennoch habe man das Potenzial sofort gesehen. Müller ist seit zwanzig Jahren auf historische Gebäude spezialisiert und verfügt daher über ein grosses Netzwerk an qualifizierten Handwerkern. Stukkateure und Maler gehören genauso zu seinen Partnern wie Zimmerleute und Stromer – und eben Claudio Sasso. Der Isliker Ofenbauer ist in Wittenwil mit von der Partie, weil der Bauherr sich wieder einen authentischen Ofen in seinem Objekt wünschte. «Im Schloss Wittenwil hatte es ursprünglich einen bemalten Kachelofen aus Steckborn», weiss der Architekt. «Elemente davon haben wir noch gefunden.» Allerdings zu wenige, um daraus wieder einen funktionierenden Ofen zu bauen.

Im Internet aufgetaucht

Müller machte sich auf die Suche. Erst im Bauteilelager der Denkmalpflege und bei Hafnerfirmen; erfolglos. Wider Erwarten wurde er dann aber doch fündig: Auf der Internetplattform «Ricardo» bot jemand das Gewünschte an – mit einer reichen Historie. «Der Ofen wurde vermutlich um 1790 vom Steckborner Heinrich Düringer bemalt und stand im Schloss Hard in Ermatingen», erklärt Müller. «1982 wurde dieses leider abgebrochen. Der Ofen überlebte aber und wurde in reduzierter Form in einem Wohnhaus in Steckborn wieder aufgebaut.» Doch nun soll auch dieses abgerissen werden, und der Ofen landete via Internet im Hinterthurgau.

«Ich habe ihn im Februar am alten Ort zerlegt und danach in meinem Magazin gereinigt», erzählt Hafner Sasso. Trotz des akribischen Abbruchs am alten Ort sei beim Wiederaufbau auch Improvisation gefragt. Gelte es doch, den Ofen den neuen Gegebenheiten anzupassen. «Man muss wissen, wie der Rauch denkt», sagt Sasso und schmunzelt. Der Ofen soll das historische Haus schliesslich heizen. Aber auch schmücken. «Jeder Raum wird einen eigenen Charakter haben», verspricht Gabriel Müller und kümmert sich mit Claudio Sasso wieder um Altes – wie damals in der Pfadi.

Aktuelle Nachrichten