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Ein Oberbayer in Wil

Zwischen Weihenlinden, einem Vierhundert-Seelen-Dorf in Oberbayern, und Wil pendelt Christof Geigerseder nahezu wöchentlich hin und her. Der Oberarzt für Medizin am Spital in Wil ist ein Bayer, durch und durch.
Monique Stäger
Christof Geigerseder (vorn) und der Assistenzarzt Markus Rütti bei einer Ultraschalluntersuchung. (Bild: mst.)

Christof Geigerseder (vorn) und der Assistenzarzt Markus Rütti bei einer Ultraschalluntersuchung. (Bild: mst.)

Wil. Um neun Uhr unterbricht ein elektronisches Gedudel Christof Geigerseder bei der Kontrolle seiner E-Mails. Es ist nicht das erste Mal an diesem Tag, dass der Oberarzt bei seiner Arbeit durch einen Telefonanruf gestört wird, und es wird auch nicht das letzte Mal sein. «Ha jo, dann legma los», so die bayrische Antwort des 33-Jährigen ins Telefon. «Los legen», das heisst an diesem Morgen, mit der Chefarztvisite zu beginnen.

Hierarchie mit Lockerheit

Der Tross in Weiss, angeführt vom Chefarzt Urs Trümpler, bewegt sich durch den Flur der medizinischen Abteilung. Der Chefarzt verschafft sich wöchentlich einen Überblick über die Patienten der Abteilung. Jeder Patient wird von den eintretenden Ärzten begrüsst, seine Krankengeschichte wird dem Chefarzt rapportiert, und anschliessend wird über das weitere Vorgehen beraten.

Dass dabei die Patienten nicht zu Statisten werden, dafür sorgen die persönlichen Worte, die Trümpler und Geigerseder an jeden von ihnen richten, ab und zu wird auch gescherzt und gelacht. «Bei uns herrscht zwar ein hierarchisches System, im Umgang sind wir aber sehr légère», erklärt Geigerseder. Diese Lockerheit ist spürbar, zum einen im Umgang mit den Patienten, zum anderen in den spontanen Morgengrüssen, die auf dem Flur mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht werden.

Zwei Funktionen

Nach Abschluss der Visite kehrt der Oberarzt zurück in die Notfallstation, dort hat um 7 Uhr morgens sein Arbeitstag begonnen. Der Bayer, pardon, Oberbayer, wie Geigerseder sofort präzisiert, hat noch während der Chefarztvisite einen Telefonanruf bekommen, der seine Anwesenheit in der Notfallaufnahme erforderlich macht.

«Ich mache hier eigentlich zwei Jobs», schmunzelt Geigerseder, denn nebst seiner Arbeit als Oberarzt fungiert er auch als Leiter der Notfallabteilung. Noch vor dem Mittagessen wird er an diesem Donnerstagvormittag zu einer Ultraschalluntersuchung beigezogen und trifft sich mit Urs Trümpler und dem leitenden Arzt Marc Looser zur Besprechung einer unklaren Diagnose.

Die drei diskutieren in perfektem Fach-Latein, und die unbeteiligte Zuhörerin wähnt sich mitten in einer «Dr.-House-Folge». Nach dem Mittagessen steht eine Weiterbildung für die Assistenzärzte an, die Geigerseder zusammen mit Marc Looser in einem unkomplizierten und lockeren Dialog führt. Kaum ist diese zu Ende, ist die Hilfe des Oberarztes beim Legen eines Zugangs vonnöten, danach folgt in der Notfallstation das Einrenken einer ausgekugelten Schulter, bevor Geigerseder auf der medizinischen Abteilung eine weitere Ultraschalluntersuchung durchführt.

Zwischen Abteilung und Notfallaufnahme spielt sich der Nachmittag und der Abend des Oberarztes ab. Irgendwann dazwischen wird «Bürokram» erledigt, wie der Oberbayer diese von ihm ungeliebte Arbeit nennt. «Zwischen fünf und acht Kilometer wandere ich pro Tag, ich habe es mal mit einem Schrittmesser ausgerechnet.»

Umwege und Zufälle

Was führt denn nun einen Oberbayer nach Wil? «Ein Umweg mit Zufällen», lacht Geigerseder. «Ich wollte nach dem Studium in der Schweiz arbeiten, und ich fahre gern Ski.

» Aus diesem Grund habe er während zweier Jahre in der Klinik im bündnerischen Samedan gearbeitet. Dort wurde ihm vom leitenden Arzt – einem St. Galler – das Kantonsspital St. Gallen empfohlen. Geigerseder rückte wieder näher zu seiner bayrischen Heimat, die er auch während seiner Tätigkeit in Samedan regelmässig am Wochenende aufgesucht hatte. «Zwei Jahre lang war ich in St. Gallen, bis ich durch einen Zufall auf diese Oberarzt-Stelle in Wil aufmerksam wurde.

Seit 2008 pendelt der Oberbayer nun zwischen Wil und seinem Heimatdorf Weihenlinden, rund 50 Kilometer südöstlich von München, hin und her. «Ich übernehme während der Woche den Hintergrunddienst, und so bleiben am Wochenende, sofern ich keinen Wochenenddienst habe, drei Tage, die ich bei meiner Frau und meinen zwei Töchtern verbringen kann. In Weihenlinden ist mein Zuhause und die Heimat meiner Familie», sinniert der Oberarzt. «Meine berufliche Heimat ist die Schweiz.

Ich lebe und arbeite sehr gerne in der Ostschweiz und schätze die Mentalität der Schweizer und die vielfältige Kultur.» Die Familie in die Schweiz zu holen, das schliesst der Oberbayer im Moment jedoch aus. «Meine Kinder sind in Weihenlinden verwurzelt, dort leben auch die Grosseltern, und die Kinder sollen in ihrer Heimat aufwachsen.» Und gibt es etwas, das einem Bayer, pardon, Oberbayer, in Wil fehlt? Ein breites, spitzbübisches Lachen erscheint auf Christof Geigerseders Gesicht: «Mir fehlt hier nix, denn was mir fehlt, das bring ich mit: mein Bier.»

Die Wiler Zeitung befasst sich in einer Serie mit den verschiedenen Abteilungen des Spitals Wil sowie mit den Menschen, die dahinter stehen.

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