Ein neues Quartier entsteht: Die Hirzenwiese weicht schon bald einer Baustelle – doch auch andernorts wird in der Gemeinde Uzwil gebaut

Anfang nächsten Jahres werden die Bauarbeiten auf dem Areal Grossacker in Niederuzwil in Angriff genommen. Doch auch andernorts in der Gemeinde sind grössere und kleinere Bauvorhaben geplant oder bereits in der Umsetzung.

Philipp Stutz
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Die Gebäude der Überbauung Hirzenpark sollen hufeisenförmig angelegt werden. Im Zentrum ist eine Parkanlage geplant.

Die Gebäude der Überbauung Hirzenpark sollen hufeisenförmig angelegt werden. Im Zentrum ist eine Parkanlage geplant.

Visualisierung: PD

Das rund 36'000 Quadratmeter grosse Gelände hinter dem Discounter Aldi und der Tennishalle soll in Etappen überbaut werden. Bauherrschaft bildet die in Uzwil domizilierte Uze AG. Die Hirzenwiese, auch Högger-Wiese genannt, ist eine der grössten zusammenhängenden Landreserven in Uzwil und wurde bisher landwirtschaftlich genutzt. Das Projekt für eine Überbauung war erstmals im Jahr 2017 der Öffentlichkeit präsentiert worden. Damals war von einer Gesamtinvestition von rund 100 Millionen Franken die Rede gewesen.

Der Gestaltungsplan ist nach Auskunft des Uzwiler Bausekretärs Francesco Rinaldo genehmigt. Das Baubewilligungsverfahren für die erste Bauetappe – geplant waren sechs Mehrfamilienhäuser – ist bewilligt. Es hat keine Einsprachen gegeben. Zurzeit läuft das Baubewilligungsverfahren für ein Änderungsgesuch, welches eine reduzierte erste Bauetappe mit vier Mehrfamilienhäusern vorsieht.

Vier Gebäude mit 136 Wohnungen

Im Gestaltungsplan des Projekts Hirzenpark sind mindestens drei Etappen vorgesehen. «Den Spatenstich für die erste Etappe haben wir auf Anfang nächsten Jahres festgesetzt», sagt Tobias Wagner, Geschäftsführer der Uze AG. In einer ersten Phase sind vier Gebäude mit 136 Wohnungen geplant. Es wird mit einer Bauzeit von rund drei Jahren gerechnet. Über die Höhe der Investition werden keine Angaben gemacht. Das Areal wird von der Gupfenstrasse her über die Zufahrt zu Aldi und Dosenbach erschlossen.

In Uzwil wird gebaut wie selten zuvor

Die bauliche Entwicklung Uzwils zeigt sich unter anderem an der Zahl der Baubewilligungen. In den Jahren 2000 bis 2013 pendelten sie sich im Bereich von 160 bis 230 ein. Seit 2014 verzeichnet die Gemeinde durchschnittlich um 300 Baugesuche, dieses Jahr dürften es über 350 werden. Nicht nur die Zahlen sind höher. Sie beinhalten auch deutlich mehr grössere Vorhaben. Und im Gegensatz zu früher mehr Vorhaben der inneren Verdichtung. Aber auch die Anzahl von Einsprachen und Rechtsverfahren ist gestiegen.

Früher prägten Auf- und Abschwung in der Industrie auch das Auf und Ab der Uzwiler Bevölkerung. Boomte die Industrie, wuchs Uzwils Einwohnerzahl sprunghaft an. Es gab auch Phasen der Stagnation und des Bevölkerungsrückgangs, wenn die Industrie «stotterte». Die Mobilität brachte eine Trendwende. Mit dem Auseinanderdriften von Wohn- und Arbeitsort hat sich die Einwohnerentwicklung der Gemeinde weitgehend von der Entwicklung des Arbeitsplatzstandortes abgekoppelt.

Nach Jahren der Stagnation wächst die Gemeinde seit 2017 wieder. Vergangenes Jahr wurde die Grenze von 13'000 Einwohnern geknackt. Auch in den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat die Gemeinde um 90 Einwohnerinnen und Einwohner zugelegt. Im Amtsbericht 1983, als die 10'000. Person nach Uzwil gezogen war, ist zu lesen: «Statistisch sind wir nun eine Stadt, fühlen uns aber nach wie vor als Wohn- und Industriegemeinde.» Auch mit 3000 Einwohnern mehr hat Uzwil derzeit keine Gelüste, sich Stadt zu nennen. Denn Stadt, das müsse als urbaner, städtischer Raum sichtbar und erlebbar sein. Auch wenn Ansätze dazu vorhanden sind, lautet das Credo: «Die Gemeinde will weiterhin eine Gemeinschaft von sieben Dörfern bleiben.» (stu/pd)

Der Gemeinde und der Bauherrschaft ist es ein Anliegen, dass sich die Überbauung Hirzenpark ins Erscheinungsbild der bestehenden Siedlungen einfügt. Dabei sollen der ländliche Charakter erhalten und gleichzeitig raumplanerische Aspekte wie das verdichtete Bauen eingehalten werden. Die Gebäude im Hirzenpark sollen hufeisenförmig angeordnet und in Höhe und Länge der Umgebung angepasst werden. Es soll ein attraktives Wohnquartier mit Grünflächen entstehen. Im Zentrum der Überbauung ist eine grosszügige Parkanlage mit Spielwiese, Spielplatz und öffentlich begehbaren Wegen geplant.

Planung erweist sich zurzeit als schwierig

«Die Planung erweist sich zurzeit wegen der Coronakrise als schwierig», ergänzt Wagner. Ob dereinst neben den Wohnungen auch ein Café oder Gewerberäume entstehen, ist noch unklar. «Wir halten uns diese Optionen offen und legen Wert auf Nachhaltigkeit.» Man wolle nicht möglichst viele Wohnungen erstellen, sondern es soll ein attraktives Wohnquartier für alle Generationen entstehen, betont Wagner. Die Mietwohnungen sollen einem gehobenen Standard entsprechen. Dabei legt die Bauherrschaft grossen Wert auf langfristige Vermietungen.

Die Nachfrage nach modernen Wohnungen sei vorhanden, ergänzt Wagner. So seien in der Überbauung am Kindergartenweg, wo die Uze AG ebenfalls als Bauherr auftritt, bereits 70 Prozent der insgesamt 55 Wohnungen vermietet.

Visiere auf dem Gelände der ehemaligen Papeterie Schaffner (Haus zur Treu) deuten auf ein Bauvorhaben hin.

Visiere auf dem Gelände der ehemaligen Papeterie Schaffner (Haus zur Treu) deuten auf ein Bauvorhaben hin.

Bild: Philipp Stutz

Weitere Wohnbauten in Uzwil geplant

Nicht nur in Niederuzwil, sondern auch in Uzwil bewegt sich einiges. So soll der «Birkenhof» auf dem umgenutzten Benninger-Areal Einkauf, Gastronomie und Wohnen an einem Ort zusammenbringen. Insgesamt sind 69 Mietwohnungen geplant. Das vormals industrielle, nicht zugängliche Areal soll Teil der neuen Kernzone werden, sie beleben und prägen.

Auf dem Areal der «Harmonie» und zweier angrenzender Liegenschaften ist ein Wohn- und Geschäftshaus mit 32 Wohnungen geplant.

Auf dem Areal der «Harmonie» und zweier angrenzender Liegenschaften ist ein Wohn- und Geschäftshaus mit 32 Wohnungen geplant.

Bild: Philipp Stutz

Weitere Projekte an der Bahnhofstrasse warten seit einiger Zeit auf die Umsetzung. Visiere auf dem Gelände der ehemaligen Papeterie Schaffner (Haus zur Treu) deuten auf ein Bauvorhaben hin. Dort soll ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen entstehen. Auf dem Areal der «Harmonie» und zweier angrenzender Liegenschaften ist ein Wohn- und Geschäftshaus mit 32 Wohnungen geplant. Rund 16 Millionen Franken sollen investiert werden.