Ein Mord und etliche Leichen im Keller

Mit der Kriminalkomödie «Acht Frauen» wagten sich Schülerinnen und Schüler der Kanti Wil an ein anspruchsvolles Werk mit psychologischen Abgründen.

Carola Nadler
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Die Mörderin muss in den eigenen Kreisen sein. (Bild: can)

Die Mörderin muss in den eigenen Kreisen sein. (Bild: can)

WIL. Der Klassiker: Eine kleine Gemeinschaft ist von der Aussenwelt abgeschlossen und es geschieht ein Mord, der von den Anwesenden selbst gelöst wird. Allen voran hatte Agatha Christie diese Konstellation meisterhaft beherrscht, in ihrem Kriminalroman «Zehn kleine Negerlein» dezimiert sich sogar die Zahl der auf einer Insel festsitzenden Gemeinschaft sukzessive durch weitere Morde.

Ganz so blutrünstig geht es in «Acht Frauen» nicht zu und her, eine Leiche genügt. Die am Ende gar keine Leiche ist, aber dann doch wieder – nun, dieses Rätsel aufzulösen soll der zweiten Aufführung von kommendem Montag überlassen sein, der eine grössere Besucherzahl zu wünschen ist als bei der ersten Aufführung von Mittwochabend: Lohnend ist der Besuch auf jeden Fall, selten finden eine so anspruchsvolle Vorlage und eine Schulinszenierung zu einer so hervorragend gelungenen Symbiose.

Charaktere

Die Kriminalkomödie von Robert Thomas war von Regisseur François Ozon aus der Vergessenheit gerettet und verfilmt worden. Die zahlreichen gewonnenen Preise des Filmes machten es darüber hinaus auch nicht einfacher, diese anspruchsvolle Vorlage zu bewältigen. Was auf der Bühne der Wiler Kanti dann erschien, zeichnete sich in erster Linie durch konturiert gezeichnete Charaktere aus, wie es von einer Laienbühne nicht oft zu erleben ist. Einen grossen Anteil daran hatte auch die Ausstattung der Figuren, die bis ins kleinste Detail einen Spiegel der dargestellten Persönlichkeit zeigten.

Grau und kapriziös

Allen voran Gaby (Delila Alisa), die Dame des Hauses, in burgunderfarbenem Kostüm und Pelzstola, deren Upperclass-Gehabe keinen Zweifel an ihrer Stellung liess. Ihre Töchter Susanne (Mina Seiler) und Catherine (Nina Ahrend) zeigten in Kleidung und Darstellung die jugendliche Spannweite zwischen Internat und Zuhause: Die eine im feminin-marinen Zweiteiler, die andere, jüngere, zuerst in Pyjama und Flauschpantoffeln, dann in le- geren Caprihosen und Pulli. Wei- tere Hausbewohnerinnen: Gabys Schwester Augustine (Natalina Haller) und die Mutter Mamy (Dé-sirée Marchand), beide als mildtätig aufgenommene und gerade noch so geduldete Dauergäste in tristes Mäuschengrau gekleidet und auch im Verhalten ganz die selbstmitleidige arme Verwandtschaft. Komplettiert wurde die Gemeinschaft von der kapriziösen Pierrette (Kendra Schlegel) – rotes Haar, grünes Kleid, gelenkmordende Highheels, silbernes Zigarettenetui – sowie den beiden Hausangestellten von Madame Chanel (Katja Warth), der treusorgenden Köchin sowie dem schnippischen Zimmermädchen Louise (Lena Zwicker).

Anschuldigungen

Man ist als Zuschauer schnell versucht, Sympathiefiguren auszumachen, doch die acht Frauen auf der Bühne machten es einem nicht leicht: Jede noch so kleine Leiche im Keller verbuchte sich rasch auf dem Minuskonto. Und Kellerleichen gab es massenhaft, wie die Projektionen auf die jeweils anderen Frauen aufzeigten: Verdächtigungen und Anschuldigungen flogen den Beteiligten nur so um die Ohren. Der eigentliche Mord am Hausherrn geriet darüber fast in Vergessenheit. Die Darstellerinnen des Freifachs Theater wurden von der Projektgruppe Musik unterstützt, die krimigemässe Spannungsmusik und -geräusche lieferte, welche die Gänsehaut nur noch förderte.