Ein Maler, der niemals verblasst

Heuer jährt sich der Tod des Wiler Malers Karl Peterli zum 40. Mal. Dem Sohn des «Sonnenwirts» lag seine Heimatstadt sehr am Herzen, was sich nicht nur in seiner Kunst widerspiegelte. Wenn er etwas als unrechtmässig empfand, konnte er auch mal auf die Barrikaden steigen.

Ursula Ammann
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Karl Peterli im Selbstporträt von 1960. (Bild: Stadtarchiv)

Karl Peterli im Selbstporträt von 1960. (Bild: Stadtarchiv)

WIL. Gezielt führt er den Pinsel über die Leinwand, hebt dann und wann den Blick unter seinem Beret hervor hinauf zur Altstadt. Es ist die Szene aus einem Video, das den Wiler Künstler Karl Peterli beim Malen auf dem Weierdamm zeigt.

Seine Heimatstadt und deren Umgebung sind wiederkehrende Motive in Peterlis Werken: Nicht nur die Häuser der Altstadt oder die idyllischen Thurlandschaften. Auch Bräuche wie etwa den Silvesterumzug sowie Alltagsszenen am Bahnhof oder im Wirtshaus liess er in seinen Bildern aufleben. Vor 40 Jahren starb Karl Peterli 78jährig nach einem kurzen Spitalaufenthalt.

Früh regte sich der Künstler

Karl Peterli wurde 1897 in Wil geboren. Wie schon sein Grossvater, wirtete auch sein Vater im Restaurant Sonne, führte nebenbei aber noch ein Limonadengeschäft. Dem «Sonnenwirt» soll die Freude am Schönen im Blute gelegen haben. «So lief er einmal – 's ist ein Beispiel nur – mitten aus der Arbeit heraus davon, um das Farbenwunder eines Sonnenunterganges zu geniessen, zu dem ihn sein kleiner Karl in hellster Begeisterung gerufen hatte. Ergriffen waren beide, der Vater, der nur Limonadeflaschen in seinem Sinn und Denken zu haben schien, und das Büblein, in dem sich der Künstler regte.» Das schrieb Paul Pfiffner im Toggenburger Heimat-Jahrbuch 1950 über den Maler Karl Peterli, den er persönlich gekannt hatte.

Rückkehr nach Wil

Als Karl Peterli noch nicht einmal zehn Jahre alt war, starb sein Vater. Die Mutter musste sich fortan alleine um die acht Kinder, die Gäste in der «Sonne» und das Geschäft kümmern. Karl und seine Geschwister wurden dazu erzogen, zu Hause mit anzupacken.

Ein besonders guter Schüler soll Karl Peterli nicht gewesen sein. Nur im Zeichnen, da erfreute er seinen Lehrer. Als Jugendlicher begann er dann eine Lehre zum Dekorationsmaler. Doch: «Der kunstbegeisterte Junge kam nicht zum Malen; er hatte bloss verklebte Pinsel mit Schmierseife sauber zu putzen, verpatzte Farbkübel von einer Ecke in die andere zu tragen, alte Anstriche von Möbeln abzulaugen und abzukratzen und zwischenhinein den schwerbeladenen Handwagen strassab und strassauf zu schleppen», schreibt Paul Pfiffner im Toggenburger Heimat-Jahrbuch. Einige Zeit schien er die Kunst aus den Augen verloren zu haben. Doch die Begegnung mit dem Winterthurer Maler Hans Schöllhorn leitete eine Wende ein. Als 20-Jähriger besuchte Peterli die Ecole des Beaux Arts in Genf, wo unter anderem Ferdinand Hodler unterrichtete. Es folgen Aufenthalte in Italien, Studien in Paris, Reisen nach Deutschland und Holland.

Doch Peterli zog es zurück nach Wil. 1925 liess er sich wieder in seiner Heimatstadt nieder und heiratete die Musikerin Rita Tuason, mit der er drei Kinder hatte. Mit seiner Rückkehr nach Wil entschloss Peterli sich definitiv zu einer freien künstlerischen Tätigkeit. Gelegentlich entwarf er auch Fahnen und Beschriftungen und erteilte Zeichenunterricht an der Gewerbeschule.

Begegnungen auf der Strasse

Um den künstlerischen Nachlass von Karl Peterli kümmert sich heute die Wiler Künstlerstiftung der Ortsgemeinde.

Einigen seiner Werke begegnet man aber auch auf der Strasse. Ein Beispiel ist der «Wiler Schütze». Das Wandgemälde strahlt seit kurzem in frischer Farbe vom «Haus zum Stadtschützen».

Der «Wiler Schütze» stammt von Karl Peterli. In der «Sonne» gleich nebenan wirteten sein Vater und schon sein Grossvater. (Bild: Ursula Ammann)

Der «Wiler Schütze» stammt von Karl Peterli. In der «Sonne» gleich nebenan wirteten sein Vater und schon sein Grossvater. (Bild: Ursula Ammann)

Karl Peterli malte nicht nur Landschaftsbilder. Auch Bahnhoftreppen wurden zum gestalterischen Motiv. (Bild: Stadtarchiv)

Karl Peterli malte nicht nur Landschaftsbilder. Auch Bahnhoftreppen wurden zum gestalterischen Motiv. (Bild: Stadtarchiv)

Die Wiler Altstadt. Karl Peterli malte seine Heimatstadt immer wieder – aus allen Himmelsrichtungen. (Bild: Stadtarchiv)

Die Wiler Altstadt. Karl Peterli malte seine Heimatstadt immer wieder – aus allen Himmelsrichtungen. (Bild: Stadtarchiv)