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Ein Lieferdienst der besonderen Art

Seit einigen Monaten betreibt Hugo Müller vom «Toggistübli» den Mahlzeitendienst der Genossenschaft für Alterssiedlungen. Dabei geht es um mehr als blosses Ausliefern von Speisen. Der soziale Austausch ist für die betagten Personen ebenso wichtig.
Gianni Amstutz
In der Küche des Restaurant Toggistübli bereitet Hugo Müller täglich die Speisen für den Mahlzeitendienst zu. (Bild: Gianni Amstutz)

In der Küche des Restaurant Toggistübli bereitet Hugo Müller täglich die Speisen für den Mahlzeitendienst zu. (Bild: Gianni Amstutz)

«Es steckt in erster Linie ein sozialer Gedanke dahinter», sagt Hugo Müller, Wirt im Restaurant Toggistübli, zu seinem Entschluss, den Mahlzeitendienst für die Genossenschaft für Alterssiedlungen Wil zu übernehmen. Schliesslich wäre er selbst auch froh, wenn er qualitativ gute Mahlzeiten bestellen könnte, sollte er einmal nicht mehr in der Lage sein, selber zu kochen.

Viermal pro Woche, je zweimal in die Alterssiedlungen Bergholz und Flurhof, liefert Müller warme Fünfgangmenus. «Alles frisch zubereitet», wie er betont. Darauf legt er besonderen Wert. Denn Fast-Food gebe es auch beianderen Mahlzeitendiensten oder McDonald’s. Davon wolle er sich mit seinen Speisen klar abheben. Schliesslich soll das Essen für die belieferten Personen ein besonderer Genuss sein. Gastronomischen Schnickschnack sucht man in Hugo Müllers Speisen allerdings vergeblich. «Ich koche für den Mahlzeitendienst wie auch im Toggistübli, nämlich gutbürgerlich», sagt er.

Reichlich Erfahrung im Mahlzeitendienst

Damit setzt er die Tradition seines Vorgängers beim Mahlzeitendienst fort. Denn dass Müller diese Aufgabe übernommen hat, hat einen traurigen Hintergrund. Vor ihm führte Norbert Epple vom Restaurant Fass den Mahlzeitendienst, bis er vor rund zwei Monaten verstarb. Bereits damals half Müller während der circa acht Jahre als Ferienvertretung beim Mahlzeitendienst aus und bringt somit bereits Erfahrung in diesem Bereich mit. «Das positive Echo, das ich dabei immer wieder erhalten habe, und die Freude in den Augen der Menschen waren ein schöner Lohn.» So war für Müller schnell klar, dass er Epples Arbeit übernehmen und fortführen würde.

Seit mehreren Jahren schon betreibt der Wirt des «Toggistübli» zusätzlich seinen eigenen Mahlzeitendienst. Auch bei diesem liefert er Essen an betagte und pflegebedürftige Personen, die selber nicht mehr kochen können oder einfach den Luxus eines für sie zubereiteten Menus schätzen. Diese Annehmlichkeit liessen sich auch einige Geschäftsleute nicht entgehen und bestellten ihr Essen bei ihm, wie Hugo Müller sagt. Im Gegensatz zum Mahlzeitendienst für die Alterssiedlungen Bergholz und Flurhof wird das Essen dabei nach Hause oder ins Büro geliefert. Dazu hat Müller mehrere Fahrer engagiert, meist Rentner, welche die Fahrten auf Freiwilligenbasis übernehmen. Zum Dank erhalten sie ein Gratisessen im «Toggistübli». Manchmal absolviert Hugo Müller auch selbst eine Tour, wenn gerade kein Fahrer verfügbar ist, denn er könnte noch mehr Freiwillige brauchen, wie er sagt. Ungern macht er den Lieferdienst aber nicht. Denn er schätze den persönlichen Kontakt zu seinen Kunden. Dabei nehme er sich beim Ausliefern der Speisen bei jeder Person Zeit für ein kurzes Gespräch und versuche vor allem jenen, denen es gesundheitlich nicht gut gehe, ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Der soziale Austausch sei gerade für ältere, alleinstehende Leute sehr wichtig. «Doch die teils tragischen Schicksale, von denen ich erfahre, nehme ich nicht mit nach Hause.» Sobald er gehe, blende er das aus. Nur so könne er seinen Job gut machen.

Zusatzaufwand erfordert gute Planung

Um das Zubereiten der Menus für den Mahlzeitendienst und den Betrieb des Restaurants unter einen Hut zu bringen, beginnt der Wirt etwas früher mit seiner Arbeit und macht später Feierabend. Die Zahl der Essen für den Mahlzeitendienst variieren dabei stark. Doch unabhängig davon, wie viel zusätzliche Menus Müller für den Lieferdienst zubereiten muss, ist es immer ein gewisser Zusatzaufwand, den er neben dem Tagesgeschäft leisten muss. «Planung und Vorbereitung sind deshalb das A und O», sagt er. Denn spätestens um 10 Uhr müssen die Arbeiten für den Mahlzeitendienst fertig sein, damit er sich wieder seinen Gästen im «Toggistübli» widmen kann.

Doch lohnt sich dieser Zusatzaufwand denn auch finanziell? Hugo Müller lacht herzhaft. «Des Geldes wegen muss man das sicher nicht machen.» Preise will er lieber nicht nennen, doch ein Mittagsmenu in einem Restaurant sei im Vergleich einiges teurer. Um Profit gehe es ihm auch gar nicht. Wenn er mit dem Mahlzeitendienst dabei helfen könne, dass betagte Personen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, seine Arbeit wertgeschätzt werde und am Ende ein kleiner Batzen übrig bleibe, sei das Lohn genug.

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