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«Ein leichtes Helfersyndrom»

Nach knapp 30 Jahren Tätigkeit in Niederhelfenschwil übergibt Sales Huber seine Arztpraxis. Der Aufbau der Praxis habe ihn damals «gewaltig gefordert», erinnert er sich. Gerüchte, er werde in Afrika weiter als Arzt tätig sein, seien falsch.
Ivo Rechsteiner
Sales Huber, im Bild mit Frau Marianne, übergibt seine Arztpraxis, in der er fast 30 Jahre lang Patienten behandelt hatte. (Bild: ir.)

Sales Huber, im Bild mit Frau Marianne, übergibt seine Arztpraxis, in der er fast 30 Jahre lang Patienten behandelt hatte. (Bild: ir.)

Niederhelfenschwil. Fast 30 Jahre lang war Sales Huber als Landarzt in Niederhelfenschwil tätig. Kürzlich wurden nun seine Patienten über die Praxisübergabe informiert. «Wunderschön» seien die Reaktionen gewesen, sagt Sales Huber: Man gönne ihm den vorzeitigen Ruhestand, äussere aber auch Bedauern – sogar Tränen habe es vereinzelt gegeben. Für ihn selber sei die Praxisübergabe im Alter von 61 Jahren ein schönes Gefühl.

Wehmut verspüre er keine – «höchstens im bezug auf die angenehmen Kontakte mit Patienten», wie er anfügt.

«Noch alles von Hand erledigt»

Die Praxis in Niederhelfenschwil musste Huber, der in Wittenbach aufgewachsen war, von Null auf aufbauen. Gerade in den ersten zehn Jahren sei er «gewaltig gefordert» gewesen, erinnert sich der Landarzt.

Denn zusätzlich zum Praxisaufbau amtete Sales Huber als Schulratspräsident, engagierte sich gegen drohenden Kiesabbau in der Gegend – und hatte nicht zuletzt Pflichten als Ehemann und Vater vierer Kinder.

Vieles habe sich am Arztberuf über die Jahre verändert, erinnert sich Huber. Gemeint sind nicht nur medizinische Fortschritte. Insbesondere im administrativen Bereich seien die Veränderungen offenkundig. Huber spricht von einer «Verbürokratisierung des Berufs».

«Früher wurde noch alles von Hand erledigt. Und man brauchte weniger Zeit.» Diese bürokratischen Hürden seien ein Hauptgrund für seinen vorzeitigen Rückzug aus dem Berufsleben. Bei seinen Ausführungen, wie er damals noch der Versammlung des Krankenversicherers Oska (heute Swica) jährlich Rechenschaft über sein Tun und Lassen hatte ablegen müssen, schwingt eine Spur Nostalgie mit.

Dass die Bürokratie die Kosten im Gesundheitswesen senke, daran glaubt Sales Huber nicht. Eher befürchtet er eine Verteuerung. Ausserdem sei bei Ärzten die Tendenz feststellbar, dass sie ihren Beruf – aus Angst vor rechtlichen Schritten seitens der Patienten – «juristisch korrekt, aber nicht mehr menschlich» ausübten.

Ein leichtes Helfersyndrom

«Ich wollte gerne einen sozialen Beruf ergreifen», erinnert sich Sales Huber an die Beweggründe seiner Berufswahl. Auch diagnostiziert er bei sich ein «leichtes Helfersyndrom».

«Das Geld hat mich nicht gelockt», führt er aus, auch wenn das hohe Salär durchaus zu den Annehmlichkeiten des Arztberufs gehöre. Doch die Reize desselbigen seien vielfältiger: Selbständigkeit, fachliche wie auch zwischenmenschliche Herausforderungen sowie die handwerkliche als auch diagnostische Tätigkeit nennt Sales Huber.

Keine Arbeit in Afrika

«Die Praxisübergabe ist eine gehörige Entlastung», sagt Sales Huber. Er und seine Frau Marianne hoffen, vermehrt Zeit für ihr grosses Hobby, den Garten, zu haben. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat Sales Huber eine weitere Passion: Afrika. Besonders verbunden sind Hubers mit einem Spital in Endamarariek in Tansania, für das sie sich seit langer Zeit engagieren und das unterdessen «eine grosse Sache» geworden sei.

Gerüchte, wonach er und seine Frau nun nach Afrika arbeiten gingen, stimmten nicht, lacht Sales Huber. Allenfalls würden sie Afrika nun zweimal jährlich besuchen, anstatt wie bisher nur einmal pro Jahr.

Zwei Wochen geschlossen

Die Arztpraxis in Niederhelfenschwil ist nun während zweier Wochen geschlossen. Am 17. Februar nimmt Hubers Nachfolger, Arnd Knopke, in neuen Räumlichkeiten im Reckholder 1, gleich neben dem jetzigen Praxisstandort, die Arbeit auf.

Sales und Marianne Huber überlegen sich indes, die freiwerdenden Praxisräume in ihrem Wohnhaus als Gewerbe- oder Büroräumlichkeiten zu vermieten.

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