Ein Leben für die Kaffee-Bohne

Keiner kocht Kaffee besser als er: Michel Jüngling. Der Sirnacher Überflieger der Barista-Schweizer-Meisterschaft vom letzten Wochenende sagt, was er besonders gut gemacht hat. Sein Erfolgsrezept basiert vor allem auf seiner Passion.

Yann Cherix
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SIRNACH. Es liegt wohl nicht am koffeinhaltigen Getränk, dass Michel Jüngling so aufgekratzt ist. Doch er bezieht zurzeit seine Energie vor allem aus körpereigenem Doping. Denn am vergangenen Wochenende gelang ihm an der Schweizer Meisterschaft der Baristas (Kaffee-Barkeeper) der ganz grosse Triumph. Der Sirnacher holte gleich bei seiner ersten Teilnahme alle vier Goldmedaillen. Keiner hatte in den Augen der Juroren den Kaffee, Espresso, Cappuccino sowie die Eigenkreation besser zubereitet als er.

Darum sitzt der 37-Jährige fröhlich in einem Café und trinkt – natürlich – einen Espresso. Mit dem Löffel stochert er in der Schaumschicht. Er sagt: «Vielleicht etwas zu hell, aber der Schaum schliesst sich sofort wieder. Das ist immer ein gutes Zeichen.» Jüngling, Aussendienstmitarbeiter einer St. Galler Rösterei, ist ganz offensichtlich ein Passionierter des Kaffees. Die letzten zwei Monate, erzählt er, hat er jeden Tag für den Wettkampf trainiert, Hunderte Tassen geschlürft und wieder und wieder am richtigen Mischverhältnis herumgepröbelt. Er war top vorbereitet. Seine Frau, die im Übrigen die schwarzen Brühe überhaupt nicht mag, musste viel Verständnis aufbringen.

Früher nur ein Pausenfüller

Kaffee beherrscht das Leben des besten Baristas der Schweiz. Doch bis vor zwei Jahren war das Getränk auch für ihn vor allem eines: ein Pausenfüller. Dann wurde Michel Jüngling Mitarbeiter der traditionsreichen Rösterei Turm. Und innerhalb weniger Tage begriff er, dass das jetzt seine Welt sein würde. Er kaufte sich Bücher und legte bald die beiden europaweit anerkannten Prüfungen zum Barista ab. Michel Jüngling lernte, dass alles mit der richtigen Einstellung der Mühle beginnt. Zu grob gemahlen ergibt eine wässrige Brühe. Beim Gegenteil riskiert man hingegen eine Überextraktion, das Ganze wird bitter.

Und er begab sich auf eine Weltreise des Geschmacks, kostete vom fruchtigen Hawaiianer, vom Kenianischen, vom Australischen. «Es ist absolut faszinierend, was es alles gibt.»

Noch besser werden

Als Schweizer Meister ist Michel Jüngling auch für die WM in Kolumbien im nächsten Juni qualifiziert. Doch er weiss: Will er sich mit den Besten messen, muss er noch besser werden. Die Geduld seiner Frau wird abermals gefordert sein.

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