Ein Leben für das perfekte Foto

Mit seiner Kamera reist Stefan Forster durch die ganze Welt. Rund acht Monate pro Jahr ist er im Ausland unterwegs. Wenn er in der Schweiz ist, gibt er Kurse in seiner Fotoschule in Wil. Seiner Leidenschaft will er das ganze Leben nachgehen und deshalb nie in Pension gehen.

Steven Giger
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Die Rocky Mountains in Kanada. Im Hintergrund der 3618 Meter hohe Mount Assiniboine.

Die Rocky Mountains in Kanada. Im Hintergrund der 3618 Meter hohe Mount Assiniboine.

WIL. Ein Erlebnis wird Stefan Forster nie vergessen: Vor ein paar Jahren war er unterwegs in Grönland. Er nahm das einzige Taxi, das die Fahrt auf der rund 80 Kilometer langen und schwer befahrbaren Strasse zum grössten Plateau-Gletscher der nördlichen Hemisphäre anbot. «Eigentlich wollte ich nur den Gletscher fotografieren», erzählt Stefan Forster. Als er später zu Fuss auf einem Hügel angekommen war und eine gute Position gefunden hatte, sah er plötzlich eine Herde Moschusochsen. «Diesen Tieren in der Wildnis zu begegnen, ist extrem selten», sagt der Landschaftsfotograf.

Er entschloss sich kurzerhand, seine Pläne zu ändern und erklärte dem Taxifahrer per Satellitentelefon, dass dieser ihn nicht mehr abholen müsse. «Ich bin dann der Herde nachgelaufen, immer gegen den Wind, damit mich die Tiere nicht riechen konnten», sagt Forster. Erst als er nach zwei Tagen mit dem Foto zufrieden war, ging er wieder zurück.

Grosse Liebe zur Natur

Es sind solche Momente, für die Stefan Forster lebt. Seit rund zehn Jahren bereist er als Natur- und Landschaftsfotograf die ganze Welt. «Die Landschaftsfotografie ist meine grösste Leidenschaft», sagt er. Acht Monate pro Jahr ist der 30-Jährige im Ausland. Zwei Drittel dieser Zeit leitet er Fotoreisen, den Rest reist er auf eigene Faust. Dazu führt er in Wil die Fotoschule Photocube und bietet Fotokurse an. «In der Schweiz können nur sehr wenige Menschen von der Landschaftsfotografie leben», sagt der Fotograf. Da heute fast jeder mit der Kamera ein gutes Bild macht, müssen sich die Profis in immer extremere Gebiete wagen. «Ich bin viel mit dem Kajak unterwegs und wandere wochenlang durch die Wildnis.»

Ursprünglich war die Fotografie nur ein Hobby. In der Mediamatiker-Lehre lernte Forster den Umgang mit der Kamera. «Fotos zu machen, war eher das Mittel zum Zweck», sagt Stefan Forster. Im Vordergrund stand seine Liebe zur Natur. «Schon als Jugendlicher war ich lieber in der Natur unterwegs als zum Beispiel an einem Open-Air-Festival», sagt der gebürtige Uzwiler.

25 bis 30 Kilogramm Gepäck

Mit 17 Jahren ging er das erste Mal ganz alleine für drei Wochen ins isländische Hochland. «Da hatte ich das erste Mal eine Kamera dabei», sagt Forster. Heute erscheinen seine Bilder in internationalen Magazinen wie dem «National Geographic» oder in Büchern und auf Kalendern.

Der Wecker ist eines der wichtigsten Werkzeuge des Fotografen. «Die besten Bilder entstehen, wenn alle noch im Bett sind oder bereits wieder schlafen», erklärt Stefan Forster. Während er wochenlang durch die Landschaft Islands, Grönlands oder Patagoniens wandert, hat er immer rund 25 bis 30 Kilogramm Gepäck dabei. «Man muss auf alles vorbereitet sein», so Stefan Forster. Platz für einen Campingkocher hat er dabei nicht. «Ich ernähre mich nur von Trockenfutter, für Kochutensilien fehlt mir der Platz im Rucksack», sagt der 30-Jährige. Für das perfekte Foto muss aber auch die Witterung stimmen. «Ich reise nur an Orte, die wettertechnisch schwierig sind», erklärt Stefan Forster. «Das schlimmste Wetter ist ein blauer Himmel.» Dieser drücke nämlich keine Stimmung und Emotionen aus.

Laut dem Fotografen entstehen die besten Sonnenuntergang-Fotos nach einem regnerischen Tag. «Bei einem Rückseitenwetter, wenn gerade eine Kaltfront vorbeigezogen ist, kommt viel Stimmung auf.»

470 000 Bilder im Archiv

Zum Thema Bildmanipulation hat Forster eine klare Meinung. «Ich will so fotografieren, wie die Welt aussieht.» Für das perfekte Foto braucht er deshalb manchmal auch Jahre und reist immer wieder an die gleiche Stelle. «Ich bin froh, dass ich auf den Fotoreisen auch erfahrene Fotografen dabei habe, die meine Arbeit bestätigen», sagt der 30-Jährige. In seiner jahrelangen Fotografie-Tätigkeit hat sich auch bereits eine Menge an Daten angesammelt.

In seinem Computer-Archiv finden sich 470 000 Bilder, 7700 davon sind in der Best-of-Galerie. Müde ist der Landschaftsfotograf noch lange nicht: «Fotografie ist meine Berufung. Ich möchte das mein ganzes Leben machen und nie in Pension gehen.»

Mehr Bilder: www.stefanforster.ch

Nordlichter in Island.

Nordlichter in Island.

Stefan Forster fotografiert auch in der Schweiz, wie hier das Matterhorn. (Bilder: Stefan Forster)

Stefan Forster fotografiert auch in der Schweiz, wie hier das Matterhorn. (Bilder: Stefan Forster)

Eine Moschusochsenfamilie, fotografiert in Grönland.

Eine Moschusochsenfamilie, fotografiert in Grönland.

Stefan Forster Landschaftsfotograf und Inhaber einer Wiler Fotoschule (Bild: Steven Giger)

Stefan Forster Landschaftsfotograf und Inhaber einer Wiler Fotoschule (Bild: Steven Giger)