Ein kreativer Hexer auf der Holzorgel

Zum zweiten Anlass nach dem Saisonauftakt war am Montagabend der österreichische Hammond-Virtuose Raphael Wressnig bei «Monday Night Music» zu Gast. Er sei ein Weltstar, hiess es – zumindest ist er auf dem Weg dahin.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Er streichelt und liebkost sie, langt aber meistens tüchtig zu: Raphael Wressnig auf seiner 57jährigen Hammond B3. (Bild: Michael Hug)

Er streichelt und liebkost sie, langt aber meistens tüchtig zu: Raphael Wressnig auf seiner 57jährigen Hammond B3. (Bild: Michael Hug)

FLAWIL. Die Versprechungen des Vereinsvorstands an die Mitglieder von «Monday Night Music», man hätte beim zweiten Konzert der gerade erst begonnenen Saison einen Weltstar zu Gast, verhallten nicht ungehört: Es kamen zwar nicht alle 150 Angesprochenen, aber doch fast die Hälfte. Und auch wenn der Gast hielt, was sein Ruf versprach, hielten es nicht alle bis zum Ende des Abends aus. Der Gast war ihnen wohl doch zu heftig, zu laut oder beides zusammen. Nun, Raphael Wressnig ist in der Tat ein turbulenter Musiker, der sich und sein Instrument, eine 57 Jahre alte Hammond B3, nicht schont. Der 35-Jährige ist auf dem Weg zum international geachteten Star. Ein Status, den die B3 schon längst erreicht hat, ist der anachronistische, elektromechanische Klangerzeuger doch Kult unter den Jazz- und Blues-Organisten.

Im Trio angereist

Zum Auftritt in Flawil ist Wressnig mit seinen österreichischen Landsmann Silvio Berger und dem Italiener Enrico Crivellaro angereist. Ein Trio, das seit Monaten zusammen unterwegs ist und es, schaut man sich den Tourplan an, noch mindestens ein Jahr sein wird. Ein sehr gut harmonierendes Trio im übrigen, das jedem, vorab dem «Star», aber nicht minder auch dem zweiten Virtuosen der Band, Crivellaro, genügend Platz für Selbstdarstellungen lässt. Eine Aufstellung auch, die nur scheinbar nach wenig Abwechslung und Kreativität aussieht. Wechselt doch keiner der drei je sein Instrument, die Gitarre bleibt stets dieselbe wie auch die gute alte Hammond.

Ebenso wenig gibt es auch nur eine einzige gesungene Silbe – gerade in dieser Beziehung würde man sich eine tatkräftige männliche oder auch weibliche Stimme wünschen.

Augen und Ohren in Ekstase

Doch auch wenn das Setting stets dasselbe bleibt, eintönig wird die Sache nie. Im Gegenteil, da fahren die zwei Herren an der Front mit Selbstkomponiertem oder Gecovertem auf, dass einem Hören und Sehen vergeht. Einen «Blues-Spezialisten» nennt Wressnig seinen Gitarrero bloss, doch was für einen. Crivellaro macht aus Paradestücken seines Idols Freddy King wahre Saitenschlachten, die mitreissen und erregen, auch wenn das Publikum sich dies äusserlich nicht wirklich anmerken lässt. Und genauso macht es auch der Österreicher auf den Tasten: Er streichelt sie, liebkost sie, aber meistens langt er tüchtig zu und bringt damit Augen und Ohren in Ekstase.

Stilmässig variieren die drei Musiker zwischen Jazz (Hard Bop), Funk, Blues und Soul, aber auch ein beschwingter Swing hat Platz im zweieinhalbstündigen Konzertabend.