Ein Kennwort, das wieder erlischt

Das geplante Betriebsgebäude des Sicherheitsverbunds Region Wil trägt den Projekttitel «Fahrenheit 451». Er nimmt Bezug auf einen Roman von Ray Bradbury. Die Feuerwehr spielt darin keine gute Rolle. Wie es zu diesem Namen kam.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
Im Architekturwettbewerb um den Bau des neuen Betriebsgebäudes ging das Projekt «Fahrenheit 451» vor rund zwei Jahren als Sieger hervor. (Bild: pd)

Im Architekturwettbewerb um den Bau des neuen Betriebsgebäudes ging das Projekt «Fahrenheit 451» vor rund zwei Jahren als Sieger hervor. (Bild: pd)

WIL. Die Feuerwehr kämpft gegen Flammen, rettet Menschen aus Häusern, rückt aus bei Chemieunfällen und vielem mehr. So zumindest ist es bei uns. Im Roman «Fahrenheit 451» von Ray Bradbury, der im Jahre 1953 erschien und 1966 verfilmt wurde, spielt die Feuerwehr eine ganz andere Rolle. Deren Aufgabe ist es nämlich, Bücher zu vernichten. Denn Bücher verleiten die Menschen zu selbständigem Denken und das will der totalitäre Staat mit allen Mitteln verhindern. Mit seichten Fernsehsendungen und Drogen wird das Volk ruhig gehalten. Ein junger Feuerwehrmann blickt hinter das System, will daraus ausbrechen und bringt sich und andere damit in Gefahr. Es kommt zum Krieg, die Stadt wird dabei fast vollständig zerstört.

Nicht überinterpretieren

«Fahrenheit 451»: Diesen Namen verbindet man auch mit dem geplanten Betriebsgebäude für den Sicherheitsverbund Region Wil SVRW.

Im Architekturwettbewerb ging «Fahrenheit 451» vor rund zwei Jahren als Siegerprojekt hervor. Das Architekturbüro Manetsch Meyer aus Zürich setzte sich damit gegen 36 andere Teilnehmer durch. Der Projektname «Fahrenheit 451» nehme schon Bezug auf den Film beziehungsweise den Roman, erklärt Maja Hodel, Projektleiterin. «Für uns passte das zur Feuerwehr.» Allerdings dürfe man nicht zu viel hinein interpretieren. «Fahrenheit 451» sei weniger ein fortwährender Name als vielmehr ein Kennwort, das benutzt worden sei, um im Architekturwettbewerb die erforderte Anonymität zu wahren. Das Projekt läuft im Architekturbüro Manetsch Meyer schon lange nicht mehr unter «Fahrenheit 451». Dieser Begriff sei auch auf keinem internen Papier mehr zu finden, sagt Maja Hodel. «Wir sprechen nur noch vom Betriebsgebäude SVRW und von der Polizeistation Wil.» Und dies zu entwerfen, sei eine sehr schöne Aufgabe.

Auch beim Sicherheitsverbund Region Wil ist nur noch vom Betriebsgebäude die Rede. «Die Bezeichnung <Fahrenheit 451> hat für uns keinerlei Bedeutung mehr», sagt Andreas Dobler, Geschäftsführer des SVRW. Der Name habe einzig während des Wettbewerbs existiert, denn welches Büro hinter welchem Projekt steht, durfte die Jury ja nicht wissen. Ein anderes Projekt sei beispielsweise unter dem Titel «Gustav» eingereicht worden, erinnert sich Dobler. «Das ist unser Funkrufname.»

Im März 2017 bezugsbereit

Der Startschuss für den Bau des Betriebsgebäudes fällt am 11. August. Dann findet an der Bronschhoferstrasse der erste Spatenstich statt. Die Delegierten des Zweckverbandes SVRW haben im April einen Gesamtkredit für den Neubau in der Höhe von 23,1 Millionen Franken genehmigt. Voraussichtlich im März 2017 wird das neue Betriebsgebäude bezugsbereit sein.

Der Roman «Fahrenheit 451» erschien im Jahr 1953. (Bild: pd)

Der Roman «Fahrenheit 451» erschien im Jahr 1953. (Bild: pd)