Ein Haus in «höheren Sphären»

Das Wohnhaus in der Kobesenmühle wurde 1698 erbaut und in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege saniert. Der von aussen eher bescheiden wirkende Bau umfasst acht Wohn- und Schlafräume.

Vroni Krucker
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In den schmucken Riegelbau sind neue Mieter eingezogen. (Bilder: Vroni Krucker)

In den schmucken Riegelbau sind neue Mieter eingezogen. (Bilder: Vroni Krucker)

NIEDERHELFENSCHWIL. Die Kobesenmühle wird bereits in einer Urkunde von 740 als Besitz des Klosters St. Gallen erwähnt. Das jetzige Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1698, der Mühlenanbau datiert von 1758. Die Liegenschaften im Besitz des Fürstabtes wurden nach Aufhebung des Klosters vom Kanton versteigert oder verkauft. Um 1890 stand die wassergetriebene Mühle still, 1910 die Tuffsteingewinnung. Private Besitzer erwarben die Liegenschaft und betrieben eine Landwirtschaft. 1917 kaufte der Künstler Wilhelm Lehmann das Anwesen, das sich damals in desolatem Zustand befand. In den rund 100 Jahren haben die zwei Generationen Lehmann und ab 1984 die Stiftung die Kobesenmühle saniert und bewohnbar gemacht. Klara Lehmann, Gattin des Künstlers, und ihre Tochter Verena haben den Naturgarten gepflegt und laufend verändert, abwechselnd in Nutz- und Zierfläche.

Sanierung der Mühle

Pierre Hatz, pensionierter Leiter der Denkmalpflege St. Gallen, schreibt in einem Artikel: «Die hohe Unversehrtheit der baulichen Substanz und die Abwesenheit aller störenden, zeitgemässen Komforterfordernisse heben Haus und Garten in höhere Sphären.» Von 1984 bis 1988 wurde die alte Mühle von Sohn Urban Lehmann renoviert und zur Ausstellung von Lehmanns Werken umgebaut. Das Riegelwerk der Bauten wurde seit mehr als 300 Jahren nicht verändert und hält statisch einwandfrei. Von aussen betrachtet erscheint das Haus als eher bescheidener Bau. Tritt man aber in die Räume, kommt das grosse Staunen. Das Haus umfasst insgesamt acht Wohn- und Schlafräume. Sie zeigen eine auch heute noch intakte Substanz. Das verrät: hier wurde ein Haus gebaut, in das deutlich mehr an Bauleistung, Handwerkskunst, Statik und Wohnqualität als für gewöhnliche Bauten investiert wurde. Das wiederum zeigt, dass die Fürstabtei St. Gallen, mit ihrem wirtschaftlichen Zentrum im Hof zu Wil, ein gewichtiges Wort mitredete und namhafte Mittel zur Verfügung stellte.

Neue Mieter

Bis im Oktober 2014 bewohnte die heute 95jährige Verena Lehmann, Tochter der Künstlerfamilie, das Wohnhaus. Sie hat im Alterszentrum Bürgerhof in Bischofszell eine neue Heimat gefunden und fühlt sich dort wohl.

Der Stiftung war es ein Anliegen, dass die Liegenschaft wieder bewohnt und belebt wird. Mit Rahel Eisenring (freischaffende Illustratorin) und Olivier Zobrist (Filmschaffender) konnten zwei Menschen gefunden werden, die ein solches Zuhause gesucht haben und sich mit Liebe und Verständnis um das Wohnhaus in der Kobesenmühle kümmern werden. Sie sind kürzlich eingezogen.

Die grosse Wohnstube mit dem Kachelofen. (Bild: Bruno Eisenring)

Die grosse Wohnstube mit dem Kachelofen. (Bild: Bruno Eisenring)

Kürzlich konnte das umgebaute Wohnhaus besichtigt werden.

Kürzlich konnte das umgebaute Wohnhaus besichtigt werden.