Ein gutes Fundament schaffen

Moderiert von Hansjörg Enz, haben Fachpersonen Einschulungsmöglichkeiten aufgezeigt. Elternmitwirkung und Elternvereinigung stehen hinter dem neu überarbeiteten Einschulungskonzept der Schulgemeinde Jonschwil-Schwarzenbach.

Kathrin Meier-Gross
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JONSCHWIL. An der Bürgerversammlung im März des vergangenen Jahres hatte eine Mehrheit der Stimmberechtigten das Projekt «Brückenbogen» aus Spargründen aus dem Budget gekippt. Demzufolge sah sich der Schulrat gezwungen, das Einschulungskonzept neu zu überarbeiten. Gabi Joos, Präsidentin der Elternvereinigung, konnte am Mittwoch eine interessierte Zuhörerschaft begrüssen.

Zwei Jahre erste Klasse

Hansjörg Enz, ehemaliger Primarlehrer, Dozent an der Zürcher Schule für angewandte Wissenschaften und Journalist, führte eloquent durch den Abend. Auf dem Programm standen vier Kurzreferate mit Fragerunden. Den Einstieg machte René Walcher, langjähriger Einführungsklassenlehrer in Wil. Das Besondere an seinem Beruf sei das Unterrichten einer leistungsmässig heterogenen Gruppe. Eine Kindergartenklasse beinhalte von überdurchschnittlich intelligenten Kindern bis zu zukünftigen Sonderschülern die gesamte Spannweite. Mit dem Übertritt in die Schule müssten sich plötzlich alle den gleichen Leistungsanforderungen stellen. Einführungsklassen, bei denen der Schulstoff der ersten Klasse in zwei Jahren erarbeitet wird, könnten den Übergang mildern. Walcher wies darauf hin, dass mit der Abschaffung von Einführungsklassen die Lehrpersonen mehr mit Therapeuten und schulischen Heilpädagogen zusammenarbeiten müssten, was die administrative Arbeit erhöhe. «Lehrer brauchen Unterstützung», folgerte Walcher. In Wil habe man mit den Einführungsklassen gute Erfahrungen gemacht. In den zwei Jahren kläre sich vieles, und die schulische Zukunft werde vorgespurt.

Positive Erfahrungen

Ein Viertel der Kinder hat beim Schuleintritt einen Vorsprung von einem halben Jahr, 10 Prozent von einem ganzen Jahr. 22 Prozent kennen keine Buchstaben, 16 Prozent keine Zahlen. 2 Prozent sind Frühleser und -rechner. Christa Urech, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, wies ebenfalls auf die grosse Bandbreite beim Schuleintritt hin. Damit Kinder sich in eine Klasse integrieren könnten, sollten die schulischen Erfahrungen positiv sein. «Das emotionale Wohlbefinden ist zentral fürs Lernen.» Die Konsequenz laute, den Kindern den Übergang in die Schule zu erleichtern und ihnen Erfolge zu ermöglichen.

Auf Gemeinde zugeschnitten

Formen der Einschulung stellte Hans Anderegg vom Amt für Volksschule vor. Anhand dieser Vorgaben hat der Schulrat Jonschwil-Schwarzenbach das neue Einschulungskonzept erarbeitet. Die Lösung sei kein Rolls-Royce, aber auf die Situation der Gemeinde zugeschnitten, erläuterte Schulleiter Peter Mayer. «Die Kinder werden fördernd und fordernd im Dorf beschult.» Kinder mit entwicklungsmässigem Vorsprung sollen im Kindergarten mit zusätzlichen Förderaufgaben unterstützt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Überspringen der ersten Klasse. Schüler mit Verzögerung im kognitiven Bereich besuchen die Unterstufe und erhalten von der schulischen Heilpädagogin Unterstützung. Im Ausnahmefall kann ein drittes Kindergartenjahr beantragt werden. Für den zweiten Kindergarten und die erste Klasse sollen bedarfsgerecht zusätzliche Lektionen aus dem Pensenpool eingesetzt werden. Mayer betonte, dass mit dieser Lösung ein gutes Fundament geschaffen werde. Gemeinderätin Gabi Bühler forderte die Anwesenden auf, an der Bürgerversammlung teilzunehmen: «Für das Wohl der Kinder brauchen wir das Einschulungskonzept.». Zum Schluss entführte Hansjörg Enz die Zuhörerschaft in die demokratische Republik Kongo, wo er den Aufbau und den schulischen Betrieb der Schule Milondola in Süd-Kivu begleitet.

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