Interview

«Ein grosser Kern der Mannschaft bleibt» – der neue FC-Uzwil-Trainer Armando Müller setzt auf Kontinuität

Der 62-jährige Henauer Armando Müller erklärt, weshalb der FC Uzwil eine Herzensangelegenheit für ihn ist, warum er sich trotz Doppelmandat als Sportchef und Trainer nicht als Alleinherrscher sieht – und äussert sich zur Kaderplanung für die nächste Saison.

Tim Frei
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Für Armando Müller ist es das zweite Engagement als Trainer der ersten Uzwiler Mannschaft.

Für Armando Müller ist es das zweite Engagement als Trainer der ersten Uzwiler Mannschaft.

Bild: PD

Sportchef Armando Müller wird auf die neue Saison hin Trainer der ersten Mannschaft des FC Uzwil, die in der 2. Liga interregional spielt. Er folgt auf Sokol Maliqi, der den Verein Ende Juni nach Vertragsende verlässt. Müller wird weiterhin als Sportchef tätig sein.

Wie kam es dazu, dass Sie nun auch noch das Traineramt übernehmen?

Armando Müller: Im Prozess der Trainerevaluation haben wir schnell gemerkt, dass es aufgrund des Anforderungsprofils und unserem eingeschlagenen Weg schwierig wird, die passende Lösung zu finden. Dann reifte im Vorstand die Idee, ob nicht ich es machen wolle, da ich die Mannschaft und den Verein gut kenne. Ich möchte betonen, dass es nie mein Ziel war, Trainer zu werden. Der Anstoss dazu kam klar von den Kollegen im Vorstand.

Mussten Sie lange überlegen?

Ich habe so viel Zeit beim FC Uzwil verbracht, dass das eine Herzensangelegenheit für mich war. Ich habe mich gefragt: Was ist das beste für den Verein? Als meine Familie ihr Okay gab für diese Aufgabe und den damit verbundenen Aufwand, war die Entscheidung gefallen. Es ging alles sehr schnell von der Anfrage bis zu meiner Zusage am vergangenen Sonntag. Entscheidend war, dass ich das Vertrauen von Anfang spürte und man mich unbedingt als neuen Trainer haben wollte.

Sie haben das Anforderungsprofil angesprochen. Wie sieht dieses aus?

Ein Trainer beim FC Uzwil muss fachliche Kompetenzen haben, aber nicht so wie ein Professor. Wichtig sind gesunde Sozialkompetenzen und Führungserfahrung (Anm. der Redaktion: Müller hat auch im beruflichen Alltag Führungsaufgaben). Unsere Strategie, junge Spieler weiterzuentwickeln und zusammen mit den erfahrenen Akteuren etwas Nachhaltiges zu bauen und die Durchlässigkeit zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft zu erhöhen, muss vom Trainer bedingungslos mitgetragen werden.

Weshalb bleiben Sie Sportchef?

Im Vorstand war von Anfang an von einem Doppelmandat die Rede. Bereits bis anhin führte ich Spielergespräche, jetzt kommt einfach eine weitere Rolle dazu. Mir ist es wichtig, ehrlich zu sein, klare Ansagen zu machen und ein Vorbild für die Spieler zu sein. Zudem will ich authentisch sein, also in den zwei Funktionen nicht Unterschiedliches vorleben.

Das Doppelmandat wird oft kritisiert. Es heisst dann, das Korrektiv zum Trainer fehle. Wie begegnen Sie solchen Stimmen?

Wir beim FC Uzwil haben einen Vorstand, der sehr vertrauensvoll und offen miteinander umgeht. Ich weiss, dass ich von meinen Kollegen sowohl als Trainer als auch als Sportchef immer wieder herausgefordert werde, und dass wir Diskussionen auf Augenhöhe und konstruktiver Basis führen werden. Ich fühle mich überhaupt nicht als Alleinherrscher. Das Bekenntnis zur Einheit, zum Team in unserem Verein leben wir im Vorstand vor.

Welcher Fussball schwebt Ihnen vor?

Wesentlich ist für mich, dass die Equipe mit einem unglaublichen Spirit und Begeisterung auftritt. Wir haben ein individuell so starkes Team, dass mit einem überzeugenden Mannschaftsgeist viel Gutes entstehen kann. Ziel ist es, einen attraktiven Fussball zu spielen, der uns als Team, weiteren Personen im Verein und den Anhängern Freude macht. Man kann dieses Gefühl bei den Zuschauern nicht nur mit Siegen auslösen. Aber natürlich ist es wichtig, dass wir erfolgreich sind. Ich sehe im FC Uzwil jedenfalls viel Potenzial. Weiterhin um die vorderen Plätze mitzuspielen, liegt absolut drin.

Hat die Kaderplanung für die nächste Saison schon begonnen?

Wir haben schon früh damit angefangen. Heute kann ich sagen, dass ein grosser Kern der Mannschaft bleiben wird. Diese Kontinuität ist mir sehr wichtig. Zwei Spieler werden uns verlassen. Diese Abgänge werden wir aber erst später kommunizieren, sodass die Spieler sich zuerst von den Teamkollegen verabschieden können.

Sind auch Neuzugänge geplant?

Wir werden sicher ein paar Spieler verpflichten. Zuerst wollen wir uns aber mit den vorhandenen Spielern beschäftigen, denen wir voll vertrauen. Erst dann können wir richtig abschätzen, auf welchen Positionen wir noch Handlungsbedarf haben. Sicher ist aber, dass wir uns im defensiven Mittelfeld und in der Verteidigung noch verstärken wollen.

Am Donnerstag wurde die Meisterschaft im Amateurbereich abgebrochen. Der richtige Entscheid?

Absolut, die Gesundheit geht vor. Zudem wäre es unrealistisch gewesen, die Saison noch zu beenden. Es ist zwar noch offen, wann die Spielzeit 2020/21 starten kann. Doch nun haben wir Planungssicherheit und können die nächste Saison vorbereiten.

Zur Person

Armando Müller, Trainer und Sportchef beim FC Uzwil
PD

Armando Müller, Trainer und Sportchef beim FC Uzwil

Für den 62-jährigen Henauer Armando Müller ist es das zweite Engagement als Trainer der ersten Mannschaft des FC Uzwil. Ab Sommer 2008 hatte er die Equipe für vier Jahre in der 2. Liga trainiert. 2019 übernahm er das abstiegsbedrohte Uzwiler Serbenteam, die zweite Mannschaft des Clubs, und schaffte den Ligaerhalt. Seit vergangenem Sommer ist Müller Sportchef beim FC Uzwil. In der gleichen Funktion war er auch schon für den FC Wil tätig. Der ehemalige Uzwil-Junior spielte für die erste Mannschaft, Frauenfeld, Sirnach, Gossau und Henau, wo er als Spielertrainer erste Erfahrungen als Coach sammelte.