Ein Glas Cola reinigt den Vergaser

GLOTEN. Am 14. Oldtimer-Traktoren-, Maschinen- und -Ersatzteilemarkt in Gloten konnten Liebhaber an mehr als hundert Ständen stöbern. Die einen fanden, was sie schon lange suchten, die anderen konnten verkaufen, was sie schon lange weghaben wollten. Oder eben auch nicht.

Ruth Bossert
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Peter Staub (links) konnte seine Bodenfräse trotz aller Versuche nicht für 400 Franken verkaufen. (Bild: Ruth Bossert)

Peter Staub (links) konnte seine Bodenfräse trotz aller Versuche nicht für 400 Franken verkaufen. (Bild: Ruth Bossert)

Peter Staub aus Winterthur ist ein alter Fuchs. Seit 14 Jahren ist er mit seiner Ware auf dem Markt in Gloten und hat auch in diesem Jahr sehr gut verkauft. Doch diese Bodenfräse für 400 Franken kann er an diesem Samstag auf dem grossen Parkplatz in Gloten nicht an den Mann bringen. «Das ist doch nicht zu viel verlangt», erklärt er einem grossen, kräftigen Mann, der sich halbwegs für das Ding interessiert, aber nicht so viel bezahlen will. Im Jumbo kriege er die Bodenfräse günstiger, erklärt er ihm und wendet sich ab. «Gopfriedstutz, das ist doch eine andere Qualität!», ruft er ihm noch nach. Schade, er hätte das Ding gerne hier gelassen, nun muss er die Fräse wieder nach Hause zügeln. «Das nächste Mal klappt es vielleicht.»

Von Pflug bis Betonvibrator

Auch Kevin Stuber ist enttäuscht, dass er den alten Pflug nicht an die Kundschaft bringt. Am Morgen hat er den Pflug mit einem Traktor von Kradolf hierhergebracht, nun fährt er bald schon wieder nach Hause. Luc Kurand aus Neukirch steht daneben und schaut auch nicht eben glücklich. «Das Interesse an meiner braun-beigen Florett war gering», sagt er, und statt sich über die 1600 Franken zu freuen, die ihm die Florett einbringen sollte, muss er nun schauen, wie er das Fahrzeug wieder nach Hause kutschiert. Auch Max Kistner aus Gütighausen wird nicht mit einem leeren Auto nach Hause fahren. Über seinen Betonvibrator wird zwar anregend diskutiert und gefachsimpelt, doch kaufen will ihn niemand. «Auf allen Baustellen hat es heute Strom», sagt einer, deshalb brauche es diese Maschinen nur noch auf entlegenen Alpen, meint ein anderer. Der Motor dröhnt, daneben diskutieren die Männer über das Reinigen von Vergasern. «Am einfachsten geht es mit dem Ultraschallgerät von Aldi», sagt einer, der andere murmelt: «Ein Glas Cola tut es auch.»

«Grümpel» oder Schnäppchen

Andy Meyer führte in Zürich eine Buchhandlung mit Auto- und Töffbüchern. Nun hat er den Laden geschlossen, zehn Tonnen Bücher eingelagert und geht auf Weltreise – mit dem Fahrrad. Nun will er noch seine Motorradhefte verschachern, für 25 Franken eine ganze Kiste voll. «Das Geschäft ist gut gelaufen», sagt er und lacht zufrieden. «Die einen sind hier, um ihren Grümpel zu verschachern, andere kaufen die Schnäppchen, und irgendwann landet die Ware wieder hier», erzählt eine Frau aus dem Oberthurgau, die weiss, wie der Hase läuft. Für Hans Müller aus Wädenswil verlief der Tag «ganz ordeli». Der Töfffreak verkauft Lampen, Getriebe, Stossdämpfer, Kupplungen und eine Menge Zylinderköpfe. «Alles muss weg, ich brauche Platz im Keller.» Zufrieden mit dem Verkauf ist auch Stefan Flury aus Bronschhofen. Auch er verkaufe «Grümpel», alte Werkzeuge, Schrauben und feuerverzinkte Schränke, die knallgrünen Arbeitsschürzen gibt er gratis dazu.

Kameradschaft ist wichtiger

Die Organisatoren August Sidler vom Verein Freunde alter Landmaschinen, Andy Clesle vom Verein Freunde alter Motorräder und der Glotener «Hirschen»-Wirt Ruedi Grob sind zufrieden mit dem Markt. Einzig ein paar Oldtimer-Traktoren mehr hätten der Sache gutgetan. Das Wichtigste sei aber die Kameradschaft untereinander.

Auch Stefan Flury aus Bronschhofen schickt sich an, Teile aus seinem «Grümpel» zu verkaufen. (Bilder: Ruth Bossert)

Auch Stefan Flury aus Bronschhofen schickt sich an, Teile aus seinem «Grümpel» zu verkaufen. (Bilder: Ruth Bossert)