Ein Gespür für Tier und Halter

WIL. Als Tierschutzbeauftragte überwacht Nadja Müller die Einhaltung des Tierschutzgesetzes in der Stadt Wil. Sie versucht die Tierhalter aber auch immer wieder zu animieren, mehr als nur die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen.

Ursula Ammann
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Nadja Müller mit ihrem 15jährigen Kater Samiro, der im Alter von vier Monaten ausgesetzt wurde. (Bild: Ursula Ammann)

Nadja Müller mit ihrem 15jährigen Kater Samiro, der im Alter von vier Monaten ausgesetzt wurde. (Bild: Ursula Ammann)

Meerschweinchen, die in Kartonschachteln auf Autobahnraststätten ausgesetzt werden, Hunde, die ihr Leben fast die gan- ze Zeit auf dem Balkon verbringen, oder Kühe, die bis zu den Knöcheln im Morast stehen und dadurch Klauenkrankheiten entwickeln: Das sind Fälle, mit denen Nadja Müller in ihrer Funk- tion als Tierschutzbeauftragte konfrontiert ist. Jahrelang übte sie dieses Amt in der Gemeinde Bronschhofen aus. Seit der Vereinigung arbeitet sie für die Stadt Wil – gemeinsam mit Marcel Jung, dem bisherigen Tierschutzbeauftragten der Stadt.

Feingefühl entwickelt

Aktiv werden die Tierschutzbeauftragten in der Regel bei Hinweisen aus der Bevölkerung. Treffen solche ein, gilt es, den Tierhalter über die Meldung (ohne die Nennung von Namen) zu informieren und die Situation vor Ort zu begutachten. Als ehemalige Betreibungsbeamtin ist Nadja Müller solche – manchmal auch – unangenehme Visiten gewohnt. Die Kunst liege darin, das Problem auf eine gute Art und Weise herüberzubringen. Dafür entwickle man mit der Zeit ein gewisses Feingefühl.

«Oft ist auch einfach Unwissenheit der Grund für die Nichteinhaltung des Tierschutzgesetzes», erklärt Nadja Müller. So gebe es beispielsweise Hundebesitzer, die nicht wissen, dass sie für die Haltung ihres Tieres einen Sachkundenachweis benötigen. Manchmal ist es aber auch die Überforderung der Tierhalter, die zu Verstössen führt. Nadja Müller kann sich noch gut an einen jungen Hund erinnern, der auf kleinem Raum in seinem eigenen Kot und Urin hauste. Es stellte sich heraus, dass nicht nur der Hund Hilfe brauchte, sondern auch sein Halter. Deshalb stand Nadja Müller auch schon mit dem Sozialamt in Kontakt.

Vorspuren für das Veterinäramt

Ansonsten arbeiten die Tierschutzbeauftragten eng mit dem kantonalen Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen zusammen. «Wir haben dabei eine <vorspurende> Funktion», sagt Nadja Müller. Ihre Aufgabe besteht darin, zu überwachen, ob das Tierschutzgesetz eingehalten wird. Für dessen Vollzug ist jedoch das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen zuständig. Nur dieses kann verfügen, dass ein Halter gebüsst wird oder dass ihm das Tier gar weggenommen wird. Oft lässt sich das Problem aber auch ohne den Einbezug des Veterinäramts klären.

Vergleich mit Badezimmer

Sie versuche, die Tierhalter jeweils zu animieren, nicht einfach knapp die Bedingungen des Tierschutzgesetzes zu erfüllen, sondern sich wirklich mit den Bedürfnissen des Tieres zu beschäftigen und sich in seine Lage zu versetzen. «Würden Sie gerne in einem kleinen Badezimmer leben, in dem Sie sich nicht gross um die eigene Achse drehen können?» Diesen Vergleich wendet Nadja Müller jeweils an, wenn es darum geht, jene Besitzer zu sensibilisieren, die ihre Tiere gerade mal auf der gesetzlich erlaubten Mindestfläche halten.

Heim besuchen als Vorbereitung

Auch die Prävention spiele bei ihrer Arbeit eine wichtige Rolle, sagt Nadja Müller – vor allem im Bereich Tierhilfe (siehe Kasten). Das Verantwortungsbewusstsein für ein Tier müsse schon von klein auf erlernt sein. «Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder integrieren, wenn es um die Pflege des Tieres geht.» Bevor ein solches angeschafft werde, solle man sich gut informieren. Sei es über die Broschüren des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV (www.blv.admin.ch) oder des Schweizer Tierschutzes STS (www.tierschutz.com) sowie durch einen Besuch in einem Tierheim.

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